„Grandios“: Dirigent Welser-Möst lobt Staatsopern-Direktor

Dirigent Franz Welser-Möst findet „grandios“, was Staatsoperndirektor Bogdan Roscic macht. „Er hat eben nicht alle Viere von sich gestreckt. Und er weiß, dass Kunst auffallen muss. Die Staatsoper ist daher auch jetzt präsent - im Fernsehen mit Premieren und mit der Lichtinstallation auf der Fassade. Ja, so macht man das!“, sagt er im „Kurier“ (Sonntag-Ausgabe). „Ich finde es schade, dass die anderen Bundestheater, die Volksoper und die Burg, nicht mehr Initiativen zeigen.“

Er habe Roscic „nach seiner Ernennung kennengelernt - und festgestellt: Mit ihm könnte ich wirklich gut zusammenarbeiten. Aber ich dirigiere ja ohnedies wieder an der Staatsoper“, so der ehemalige Generalmusikdirektor. Mit seinem Cleveland Orchestra plane er eine Produktion von Mozarts „Die Zauberflöte“ zusammen mit Nikolaus Habjan und habe sich daher den Teaser für „Zauberflöte - Eine Extravaganza“ auf der Burgtheater-Website angesehen, erzählt Welser-Möst im Interview. „Danach war ich einfach nur deprimiert. (...) Die Macher sondern nur eine Plattitüde nach der anderen ab. Und die Behauptung, dass die ‚Zauberflöte‘ ein schlechtes Stück sei, empört mich! Sie ist nicht ohne Grund eine der meistgespielten Opern. Es geht um etwas nach wie vor Gültiges: die Versöhnung von Gegensätzen, die Sehnsucht nach Harmonie.“ Der Gruppe „Kommando Himmelfahrt“ scheine es hingegen „darum zu gehen, die ‚Zauberflöte‘ zu einer Revue verhunzen zu wollen“.

Nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung könne er sagen: „Man darf Covid-19 nicht unterschätzen. Mir gehen diese ichbezogenen Corona-Leugner auf den Geist. Ein Staat ist auch eine Gemeinschaft. Und da müssen wir eben auch gemeinsam Rücksicht üben. Ich kann daher nicht tolerieren, dass Menschen demonstrativ Masken verbrennen. Das finde ich richtig abstoßend.“

Zur Debatte um Kultur-Unterstützungen und den Stellenwert von Kultur angesichts des Lockdowns meint der Dirigent im „Kurier“-Interview, Kulturschaffende hätten sich „in den letzten Jahrzehnten vielleicht zu wenig mit der Frage beschäftigt, welche Relevanz Kunst hat oder haben sollte. Wir hatten es uns zu bequem eingerichtet. Zumindest in Europa. Nun führt uns die Pandemie dieses Versäumnis sehr heftig vor Augen.“


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