Händler in Tiroler Tourismusorten: „Von der Regierung alleingelassen“

Keine Gäste, kein Geschäft: Händler in Tourismusorten fordern die gleichen Hilfen wie Hotels und Wirte.

Leere Straßen in Seefeld: Ohne Touristen fallen den Händlern die umsatzstärksten Monate aus, warnt Kaufleute-Obmann Alexander Schmid.
© Schmid

Von Max Strozzi

Seefeld – Der vergleichsweise große Andrang am letzten Einkaufssamstag mag vielleicht für den Handel in Ballungszentren gegolten haben, sagt Alexander Schmid, Obmann der Kaufmannschaft Seefeld. In den Tourismusregionen dagegen herrsche mit dem Hotel-Lockdown auch in den Geschäften weitgehend tote Hose. „In touristischen Gebieten sind 90 bis 95 Prozent der Umsätze im Handel vom Tourismus abhängig. Wenn kein Tourismus stattfinden kann, sind die Geschäfte und die Dienstleister nicht nur indirekt, sondern ganz direkt betroffen“, so Schmid.

Gleiche Hilfe wie für Wirte und Hotels wird gefordert

Er fordert deshalb für den Handel und Dienstleister in Tourismusgebieten die gleichen Hilfen, die für Wirte und Hotels gelten. „Wir werden von der Regierung im Stich gelassen. Wir fordern daher einen Umsatzersatz in gleicher Höhe wie Gastronomie und Hotels“, so Schmid. Etwaig realisierte Umsätze würden dabei gegengerechnet. Er fordert auch eine Senkung der Umsatzsteuer, wie sie etwa in der Gastronomie oder für Nächtigungen gilt.

Der Lockdown bis mindestens 17. Jänner verschärfe die Lage noch einmal massiv, denn in den Tourismusregionen seien sowohl Handel als auch Dienstleistungen speziell auf Touristen abgestimmt, begründet Schmid – er ist auch Aufsichtsratschef im TVB Seefeld – sein Anliegen. Das gelte vom Angebot im Sportgeschäft bis zur Pferdekutschenfahrt, denn Händler und Dienstleister in Tourismusgebieten müssen ihre Aufwände für das Gesamtjahr in der Regel in sechs bis acht Monaten verdienen. „Dezember und Jänner machen bei uns fast 35 % bis 40 % des Jahresumsatzes aus, der alleine durch den Hotel-Lockdown verloren geht“, so Schmid. „Und für den Februar haben wir noch keine Sicherheit, wie es weitergeht. Das gefährdet Existenzen und Arbeitsplätze.“

Tourismus im Februar kann Saison nicht retten

Selbst wenn im Februar wieder Tourismus stattfinden würde, könne man verlorenen Boden nicht wettmachen. „Winterschuhe, Kappen oder Langlaufski interessieren dann keinen mehr. Da sind die Verkaufszeiten schon vorbei. Außerdem würde der Gast, der jetzt nicht da ist, im Februar auch nicht doppelt kaufen.“

Mit den Winterumsätzen werde überdies auch die Ware für den kommenden Sommer vorfinanziert. „Ohne Umsätze können die Lieferungen nicht bezahlt werden“, warnt Schmid. Der Fixkostenzuschuss helfe zwar für den Dezember, „jedoch nicht, um die Kosten für April, Mai und Juni zu decken“.

Das Rad lasse sich noch weiter drehen. Die Lager in den Geschäften seien mit Winterware derzeit so voll, dass man für nächsten Herbst bzw. Winter 21/22 kaum etwas einkaufen müsse. „Wenn dies mehrere Händler machen, steigt auch der Druck auf die Industrie und Produzenten enorm.“


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