Fahrgäste mit Bahn während Pandemie weitgehend zufrieden

Die Fahrgäste honorieren, dass Österreichs Bahnen während der Coronavirus-Pandemie ihr Angebot weitgehend aufrechterhalten haben. Das zeigt der diesjährige VCÖ-Bahntest. Verbesserungsbedarf sehen die Passagiere vor allem bei den regionalen Anschluss- und Öffi-Verbindungen zu den Bahnhöfen. Insgesamt stellen sie den Bahnen ein gutes Zeugnis aus, besonders gut wird das Zugpersonal bewertet.

Beim VCÖ-Bahntest wurden österreichweit im Herbst rund 7.850 Kunden in den Zügen von sieben Bahnunternehmen befragt. „Die Bahnen hatten heuer deutlich weniger Fahrgäste, aber diese honorierten es, dass das Angebot weitgehend aufrechterhalten wurde. Dem Zugpersonal danken die Fahrgäste mit Bestnoten“, fasste VCÖ-Experte Michael Schwendinger die Ergebnisse zusammen. 54 Prozent der Passagiere gaben dem Zugpersonal die Bestnote 1, insgesamt gab es für Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft die Durchschnittsnote 1,5.

Verbesserungsbedarf sehen die Fahrgäste vor allem bei den Anschlussverbindungen und der Abstimmung der Bahn mit den regionalen Bussen. Hier meinten 30 Prozent, es sei zu Verschlechterungen im Vergleich zum Vorjahr gekommen. Auch die Verbindungsqualität für Mobiltelefon und Internet ist noch deutlich zu verbessern, ein Drittel ist damit unzufrieden.

Der Komfort der Bahnfahrt wurde heuer mit 1,7 gut bewertet. „Derzeit gibt es in den Zügen viel Platz und eine Sitzplatzgarantie. Eine Lehre aus der Covid-19-Pandemie sollte sein, dass auch künftig Stoßzeiten vermieden werden, etwa durch häufigere Verbindungen, aber auch durch flexiblere Arbeitszeiten und beispielsweise gestaffelte Schulbeginnzeiten“, konstatierte Schwendinger.

Das Bild von überfüllten Zügen trug in der Coronakrise zum Umstieg auf das Auto bei. Beim VCÖ-Test gab ein Drittel der Fahrgäste an, zumindest manchmal mit dem Auto statt mit der Bahn zu fahren. Die Hälfte davon nannte als Grund Angst vor Ansteckung, 45 Prozent verringerte Fahrzeit mit dem Pkw durch weniger Staus (Mehrfachnennungen waren möglich).

Umgekehrt gab die Hälfte der Befragten an, einzelne Strecken, die sie in früheren Jahren mit dem Auto zurückgelegt hatten, heute mit der Bahn zu fahren. Hier wurden Verbesserungen vor der Coronakrise, wie die Verringerung der Fahrzeit und mehr Bahnverbindungen, am häufigsten angeführt. Aber 46 Prozent jener, die nun häufiger auf die Schiene umsteigen, nannten auch als Grund dafür, dass es nun mehr freie Sitzplätze gibt.

Die Fahrgäste wurden auch gefragt, was sie motivieren würde, mehr Fahrten mit der Bahn statt mit dem Auto zurückzulegen. 47 Prozent sagten, sie würden dies tun, wenn die Gesamtreisezeit durch verbesserte Anschlussverbindungen reduziert werde. 39 Prozent gaben an, dass häufigere Bahnverbindungen ein Grund wären, weniger mit dem Auto zu fahren. Für 34 Prozent wären bessere öffentliche Verkehrsverbindungen ein Grund. Auch hier waren Mehrfachnennungen möglich.

Jeder zehnte Fahrgast hat heuer oder im Vorjahr eine Urlaubsreise mit dem Nachtzug gemacht, ein weiteres Drittel ist tagsüber mit der Bahn in den Urlaub gereist. „Die Anzahl der Nachtzugverbindungen ist in Europa weiter auszubauen. Das nächstjährige europäische Jahr der Schiene ist ein guter Anlass, die Zahl der grenzüberschreitenden Bahnverbindungen deutlich zu verbessern“, betonte VCÖ-Experte Schwendinger.

17 Prozent der befragten Fahrtgäste möchten das von der Bundesregierung geplante 1-2-3-Österreich-Ticket um 1.095 Euro „sicher“ kaufen. Weitere 19 Prozent überlegen das.


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