Als der Strom nach Oberau „sauste“

Matthias, Kajetan sen., Kajetan jun. und Herta Stadler (v. l.) in der Pfarrkirche Oberau, wo ihr Vater bzw. Großvater erstmals vor 100 Jahren die Glühbirnen leuchten ließ. Eine davon ist noch im Familienbesitz.
© Otter

Wildschönau, Oberau – Es war der 24. Dezember 1920, also genau vor 100 Jahren, als für so manchen Bergbauern des Hochtals ein kleines Weihnachtswunder in der Pfarrkirche Oberau geschah. Zur Mitternachtsmette erstrahlte die Kirche in hellem Licht, nicht im Schein der damals üblichen Kerzen und Wachsstöcke, sondern im Licht von elektrischen Glühbirnen. „Da werden wohl nicht nur Kinderaugen vor Freude und Verwunderung gestrahlt haben“, meint der Wildschönauer Chronist Joachim Weißbacher. „Der Bauernsohn und Pionier Kajetan Stadler vom Oberauer Riedlhof, geb. 1901, der sich schon als Schulbub für alles Elektrische interessierte, war mitverantwortlich für diese technische Errungenschaft vor genau hundert Jahren“, erzählt Weißbacher weiter.

Der Name Stadler ist bis heute mit Elektrizität verbunden, ist Kajetan Stadler doch der Begründer der gleichnamigen E-Werke im Hochtal, die in dritter Generation von der Familie betrieben werden. Herta und Kajetan Stadler, Tochter und Sohn des Kraftwerkpioniers, erinnern sich daran, was ihr Vater vom 24. Dezember 1920 erzählte, als vom E-Werk bei der „Talmühle“ der Strom nach Oberau „sauste“, wie er es nannte. „Der Arbeiter hat beim Einschalten vor lauter Aufregung so kräftig zugelangt, dass gleich beide Schalter abgebrochen sind“, schmunzeln sie. Zugleich wurde der Kellerwirt mit Strom versorgt, „worauf wir endlich unseren Hunger mit Weihnachtsnudeln stillen konnten“, wie ihr Vater in seinen Erinnerungen schreibt. „So kurz nach dem Ersten Weltkrieg war das ein Zeichen für Hoffnung. Es war eine sehr schwere Zeit. Das kann man auch auf heute umlegen. Der Mensch ist in der Lage, Krisen zu überwinden. Es geht auch wieder einmal bergauf“, macht der Oberauer Pfarrprovisor Paul Rauchenschwandtner in Corona-Zeiten Mut. (wo)

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