„The Midnight Sky“: Hoffnungsvolle Endzeit-Stimmung

George Clooney inszeniert sich in „The Midnight Sky“ selbst als letzter Mensch auf der Erde.

„The Midnight Sky“ ist die siebte Regiearbeit von Hollywood-Star George Clooney.
© Netflix/Antonello

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Während sich George Clooney die meiste Zeit als Vater der Zukunft seiner Kinder widmet, hat seine aktuelle Filmfigur mit dem Leben abgeschlossen. Der Astronom Augustine Lofthouse sitzt mutterseelenallein in einem Observatorium in der Arktis. Alle Kollegen sind evakuiert und wahrscheinlich ist der kranke Lofthouse längst der letzte Mensch auf der Erde. Er sieht dem Ende lieber allein mit den Polarlichtern unter arktischem Sternenhimmel entgegen. Durch eine menschengemachte Katastrophe ist die Erde im Jahr 2049 unbewohnbar geworden. Kein Virus, sondern Strahlung ist schuld am Untergang.

„The Midnight Sky“ ist George Clooneys siebte Regiearbeit, eine Verfilmung von Lily Brooks-Daltons Roman „Good Morning, Midnight“. Knapp vor Pandemie-Beginn im Februar abgedreht, treibt er darin die Endzeit-Stimmung auf die Spitze. In einer Rolle, die in ihrer reduziert-milden Todessehnsucht an Robert Redfords „All is lost“ erinnert, vermittelt Clooney als Regisseur dennoch humanistische Hoffnung. Denn zusätzlich zu einer anderen überraschenden Wendung, die hier nicht verraten werden soll, erinnert sich sein Augustine an eine Raumschiffmission, die völlig ahnungslos am Rückweg von der Erforschung eines bewohnbaren Mondes ist.

📽️ Trailer | The Midnight Sky

Ein Crewmitglied ist die junge Sully; ihre Schwangerschaft als tatsächliche Zukunft der Menschheit wirkt wie ein übertriebener Drehbucheinfall. Tatsächlich ist sie aber der realen Schwangerschaft von Darstellerin Felicity Jones geschuldet, an die Clooney sein Script ehrlicherweise angepasst hat. Um die Crew zu warnen, macht sich Augustine auf den Weg durch das gefährliche Polareis zur Antenne einer zweiten Arktis-Station, während die Raumschiff-Besatzung parallel dazu mit eigenen All-Problemen kämpft.

Halb eiskalter Endzeit-Film, halb Science-Fiction im Weltraum mischt Clooney etwas zu überdeutlich die thematischen und szenischen Topoi anderer SciFi-Filme zusammen. Von der Isolation in „The Martian“ bis zu den Familienbanden in „Interstellar“ reichen die Leihgaben. Und auch Cuarons „Gravity“, in dem Clooney an der Seite von Sandra Bullock selbst den Weltraum kennen lernte, dient in einer von mehreren überflüssigen Action-Sequenzen als Vorlage. Epische Gravitas ist in „The Midnight Sky“ auch in philosophischer und emotionaler Hinsicht deutlich spürbar, erfreulicherweise ohne bedeutungsschwangere Dialoge und mit umso mehr kleinen Gesten. Am Ende macht der Regisseur Clooney zwar Kompromisse mit dem Mainstream-Action-Kino, die er nicht nötig hätte. Mit ordentlich Hilfe vom Schauspieler George Clooney bietet sein ambitionierter Film aber doch auch wunderschöne Endzeit-Momente.


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