Die gute Geschichte: „Menschen brauchen gute Nachrichten“

Caritas-Direktor Georg Schärmer über die Bedeutung der Nächstenliebe und des Weihnachtsfestes.

Innsbruck –Es war mitten in der Flüchtlingskrise 2015. Angst und Sorge erfüllten unser Land. Zugleich aber auch eine große Solidaritätsbewegung. Zehntausende Freiwillige engagierten sich vielerorts. Ohne diese wäre unser Land in ärgste Bedrängnis geraten. Ich werde diese Nacht im Herbst 2015 am Grenzübergang Spielfeld in der Südsteiermark nie vergessen. Durch beherzten Einsatz war es möglich, jede Stunde Hunderte durchnässte, erschöpfte, angsterfüllte Menschen zu versorgen. Ich war unendlich stolz und dankbar, das hilfreiche „Herz von Österreich“ so hautnah erleben zu dürfen.

Auch in der Caritas in Innsbruck waren tagtäglich gestrandete Menschen gelandet. Vor Weihnachten durften wir die Notschlafstelle „Bethlehem“ eröffnen. Für mich eine innere Legitimation, überhaupt guten Gewissens Weihnachten feiern zu können.

„Spätestens seit Christi Geburt haben alle eine Freikarte für den Himmel und ein erlöstes Leben,“ sagt Georg Schärmer
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© Caritas

Die Medien waren täglich mit Katastrophenszenarien gefüllt. Auf dem Podium mit den Chefredakteuren des Landes deponierte ich eine spontane Bitte: Man möge doch für die psychische Gesundheit der Bevölkerung einen Adventkalender mit 24 guten, hoffnungsvollen und ermutigenden Geschichten anbieten. Alois Vahrner von der Tiroler Tageszeitung sagte spontan zu. Dieses wohltuende Format war geboren und wiederholt sich bis zum heutigen Tag. Menschen brauchen gute Nachrichten.

Weihnachten ist nicht das Ende der „good news“, sondern der Beginn einer beispiellosen humanitären Bewegung rund um den Erdball. Rund um den Heiligen Abend werde ich seit Jahren mit guten Geschichten beschenkt. Jährlich feiere ich meine „Christmette“ im Hospiz; immer mit berührenden Szenen. Ich erinnere mich zum Beispiel an ein Weihnachtsmahl am Sterbebett einer jungen Mutter. Eine große Tafel war aufgebaut. Das Fondue brodelte in der Mitte. Die Familie feierte.

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Meine nächsten Stationen, die ich mit dem Bischof alljährlich aufsuche, sind die Wärmestuben der Caritas. Liebevoll dekorierte Tafeln mit Essen und Livemusik erfüllen die Räume. Das vom Bischof verlesene Weihnachtsevangelium findet andächtige Zuhörer, auch wenn nicht alle der deutschen Sprache mächtig sind. Gerne singe ich vor dem „Stille Nacht“ das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Im Refrain finden alle Stimmen in eine geradezu mystische Verbundenheit.

Und gerne erinnere ich mich an eine weihnachtliche Szene in der Mentlvilla, einer Notschlafstelle für Suchtkranke, Drogenabhängige. Der ehemalige Bischof von Innsbruck Manfred Scheuer schenkte einem jungen, vom Leben gebeutelten und verletzten Mann sein Ohr und sein Herz. Als Dank holte dieser seine Gitarre und sang dem „Pfarrer“, wie er ihn liebevoll nannte, einen alten Bob-Dylan-Song: „Knockin’ on Heaven’s Door“. Bischof Manfred stimmte lautstark mit ein und antwortete auf die verborgene Frage des jungen Mannes. Spätestens seit Christi Geburt haben alle eine Freikarte für den Himmel und ein erlöstes Leben und Lieben. (Georg Schärmer)


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