Corona-Impfung von Pfizer-BioNTech wirkt schnell

Österreich steht unmittelbar vor der Lieferung des ersten Covid-19-Vakzins von Pfizer-BioNTech mit 26. Dezember. „Es kommen 9.750 Dosen. Die Belieferung erfolgt gleich an alle Bundesländer. Einen Tag später kann mit dem Verimpfen begonnen werden“, sagte Pfizer-Austria-Chef Robin Rumler in einem Gespräch mit der APA. Österreich könnte zunächst bis zu 3,5 Millionen Dosen der Vakzine beziehen. Ein gewisser Schutzeffekt ist schon sieben Tage nach der ersten Teilimpfung gegeben.

„Wir freuen uns riesig, dass wir das nach der Riesenanstrengung in den vergangenen Monaten hingekriegt und die erste Zulassung eines Covid-19-Impfstoffs unter Auflagen erhalten haben. Pfizer hat sich verpflichtet, im kommenden Jahr weltweit 1,3 Milliarden Dosen bereitzustellen. Die EU hat bisher 200 Millionen Dosen bestellt und eine Option auf weitere hundert Millionen“, sagte Rumler.

Österreich hätte damit vorerst die Möglichkeit, aus dem EU-Kontingent rund 3,5 Millionen Dosen abzurufen. Das wäre genug der mRNA-Vakzine für 1,75 Millionen Menschen bei zwei notwendigen Teilimpfungen. Mit dem Ziehen der Option auf die zusätzlichen hundert Millionen Dosen durch die EU könnte man theoretisch in Österreich insgesamt auf an die drei Millionen Durchimpfungen mit dem Pfizer-BioNTech-Vakzin kommen. „Ab Ende dieses Jahres wird der Impfstoff wöchentlich nach Österreich geliefert. Er wird immer sofort auf ganz Österreich verteilt. Hier ist auch das Bundesheer eingebunden“, erklärte Rumler.

„Österreich hat im internationalen Vergleich bereits eine gut ausgearbeitete Covid-19-Impfstrategie. Wir beliefern den pharmazeutischen Großhandel, der die Ultrafreezer (bis zu minus 80 Grad Celsius Langzeit-Lagertemperatur; Anm.) hat. Es kann dadurch sehr engmaschig bestellt werden. Bei zwei bis acht Grad sind die Vakzine dann fünf Tage lang lagerfähig. Nadeln, Spritzen und alles, was zur Dokumentation gehört, wird mitgeliefert. Jeder Immunisierte bekommt eine Impfkarte“, sagte Renee Gallo-Daniel, leitende Mangerin für den Impfstoffbereich bei Pfizer Austria und Präsidentin des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH).

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Die für die Zulassung der Vakzine in den USA und der EU mit fast 43.500 Probanden (die Hälfte in der Placebogruppe nach zufälliger Zuteilung und verblindet) durchgeführte Studie der Phase III auf Wirksamkeit und Sicherheit des mRNA-Covid-19-Impfstoffs war laut Sylvia Nanz, Leiterin der medizinischen Abteilung von Pfizer Austria, sehr breit angelegt und so groß, dass man bereits recht hohe Sicherheit bezüglich der Aussagen zu Wirksamkeit und Verträglichkeit über die Altersgruppen hinweg habe: „58 Prozent der Probanden waren unter 55 Jahre alt, 21 Prozent zum Beispiel über 65 Jahre, immerhin noch vier Prozent über 75 Jahre.“ Teilnehmen konnten Menschen ab 16 Jahren.

Aus zahlenmäßig nur acht Erkrankungsfällen in der Gruppe der wirklich Immunisierten und 162 Fällen in der Placebogruppe (beide Gruppen fast gleich groß) ließ sich nach den zwei Teilimpfungen eine Schutzwirkung von 95 Prozent bei Probanden ableiten. Aber laut der in der weltweit angesehensten medizinischen Fachzeitschrift, im „New England Journal of Medicine“, publizierten Studie ergaben sich auch bereits sieben Tage nach der ersten Teilimpfung Hinweise auf eine Schutzwirkung von 52 Prozent gegen das Auftreten einer Covid-19-Erkrankung. Damit müsste relativ bald ein Effekt der Immunisierungen auf die Erkrankungsraten, zum Beispiel Anfangs präferenziell in Altersheimen, einstellen. „Es sind aber auf jeden Fall die zwei vorgesehenen Teilimpfungen notwendig“, sagte die Expertin.

Auch zu den Impfreaktionen bzw. Nebenwirkungen ergibt sich bereits ein gutes Bild. In der Publikation der Zulassungsstudie wurde errechnet, dass eine Nebenwirkung mit einer Häufigkeit von eins zu 1.000 mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit erkannt werden hätte müssen. Sylvia Nanz: „Aber die Studie wird weitergeführt, um noch zusätzliche Daten zu erhalten. Die Zulassungsbehörden erhalten ein monatliches Update.“ Außerdem gibt es eine penible Überwachung auf Signale für potenzielle Nebenwirkungen im Rahmen der sich wohl explosionsartig verbreiternden Anwendung auf Millionen Menschen in der nächsten Zukunft weltweit.

„Generell kann man sagen, dass die lokalen Impfreaktionen über alle Altersgruppen gleich häufig verteilt waren“, sagte Sylvia Nanz. Systemische Reaktionen, vor allem Fieberreaktionen, traten bei Personen unter 55 Jahre - und vor allem nach der zweiten Teilimpfung - häufiger auf. Die Probanden durften im Fall einer Fieberreaktion auch ein fiebersenkendes Mittel einnehmen, allerdings nicht „prophylaktisch“, wie das bei manchen Impfungen beispielsweise in angelsächsischen Ländern häufig der Fall ist. „Sonst hätte man ja diese systemische Reaktion nicht erkennen können.“

In einigen Monaten wird man wohl auch noch Hinweise zur Klärung der wichtigsten noch offenen Fragen rund um die Pfizer-BioNTech-Vakzine haben. Sylvia Nanz: „Wie lange hält der Impfschutz an? Schützt die Impfung nicht nur vor einer Erkrankung, sondern schützt sie auch vor der Übertragung der Infektion?“ Vor allem Hinweise auf das Entstehen eines Langzeit-Gedächtnisses des Immunsystems bezüglich der SARS-CoV-2-Antigene wären hier wichtig.


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