Jesu Geburtsort muss zu Weihnachten auf Pilger verzichten

Das Weihnachtsfest in Bethlehem ist überschattet, heuer weniger vom Nahost-Konflikt als vielmehr vom Virus.

Der Christbaum vor der Geburtskirche ist geschmückt, bewundern kann ihn heuer kaum jemand.
© AFP/Bader

Bethlehem, Rom – Keine Freudenfeiern, sondern ein zurückhaltendes Weihnachten – eines, das „auf ein unverzichtbares Minimum“ reduziert wird. So kündigte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, die Feierlichkeiten zu Jesu Geburt in Bethlehem an.

Der Franziskaner aus Italien wird heute um 10 Uhr MEZ die Prozession von Jerusalem nach Bethlehem anführen. Um 23 Uhr wird auch die Mette stattfinden. Es sollen alle im religiösen Protokoll vorgesehenen Feiern durchgeführt werden, hatte Bethlehems Bürgermeister Anton Salman verkündet. Allerdings werden sie wohl ohne Gläubige und Pilger vonstattengehen – bis gestern war noch nicht endgültig entschieden, ob wenigstens einheimische Christen an der Mitternachtsmesse teilnehmen können.

„Es ist wichtig, diese Zeit in Bethlehem zu feiern, gleichzeitig ist es wichtig, das Leben der Menschen zu schützen“, hatte der Bürgermeister betont. Denn die Infektionslage in der Stadt ist ernst. Überhaupt wurden in den palästinensischen Gebieten in den vergangenen Tagen täglich mehr als 2000 Neuinfektionen registriert, die höchsten Zahlen seit Pandemie-Beginn.

Papst Franziskus bei der General­audienz gestern.
© VATICAN MEDIA

Der so genannte Checkpoint 300 am Rachelsgrab zwischen Jerusalem und Bethlehem ist von heute um 8 Uhr bis Freitag um 14 Uhr geschlossen, gab die zuständige israelische Koordinationsstelle für Regierungsaktivitäten in den besetzten Gebieten am Montag bekannt. Auch wird den Palästinensern heuer zum Weihnachtsfest die Reisefreiheit nicht in dem Ausmaß erleichtert wie sonst – um die Ausbreitung des Virus zwischen verschiedenen Gebieten zu erschweren, heißt es. Selbst Reisegenehmigungen für Christen aus dem Gazastreifen ins Westjordanland nach Bethlehem lagen bis Mittwoch noch nicht vor.

Auch im Vatikan ist heuer wegen des Coronavirus alles ein wenig anders. Der Kirchenstaat richtet sich nach der in Italien geltenden Ausgangssperre ab 22 Uhr und hat die Christmette im Petersdom auf 19.30 Uhr vorverlegt. So sollen die Gläubigen rechtzeitig vor 22 Uhr wieder zu Hause sein können.

Allerdings werden es ohnehin nur wenige sein, die heuer im Petersdom mitfeiern dürfen. Die Zahl der Anwesenden wurde stark begrenzt. Das Angelus-Gebet am Christtag wird Papst Franziskus nicht von der Loggia im Petersdom, sondern im Apostolischen Palast sprechen, dort wird er auch den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ erteilen, teilte der Vatikan mit.

Franziskus mahnte die Gläubigen bei der gestrigen Generalaudienz, die per Livestream übertragen wurde, „in diesen festlichen Tagen die einsamen, kranken und bedürftigen Menschen nicht zu vergessen. Es hilft schon ein Telefonanruf, um ihnen einen Lichtstrahl der Christnacht zu überbringen.“ Weihnachten sei in Zeiten, in denen man wegen der Pandemie Abstand voneinander halten sollte, ein Zeichen der „Nähe und Menschlichkeit“. (TT, APA, dpa)


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