Impfaktion gegen Coronavirus in Österreich gestartet

In Österreich sind am Sonntag an der MedUni Wien die ersten Impfungen gegen das Coronavirus an eine Reihe von Freiwilligen verabreicht worden. Eine 84-Jährige machte den Anfang, es folgten eine weitere Seniorin und ein betagter Mann - alles Risikopatienten über 80 Jahren mit Vorerkrankungen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von einem „historischen Tag“. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) berichtete von zusätzlichen knapp zwei Mio. Impfdosen für Österreich.

Durchgeführt wurden die ersten Injektionen von Ursula Wiedermann-Schmidt, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Vakzinologie und Vorsitzende der österreichischen Impfkommission. Die drei Seniorinnen und Senioren hatten sich in der Spezialambulanz für Risikopatienten der MedUni freiwillig für die Teilnahme gemeldet. Als Vierte und Fünfter wurden Angehörige des Gesundheitspersonals geimpft.

Wiedermann-Schmidt verabreichte die erste Spritze einer Pensionistin namens Theresia Hofer. „Hat es weh getan?“, erkundigte sich die Ärztin. Die Frau, die zuvor gesagt hatte, sie wolle „ohne Bedenken ihre Kinder, Enkel und Urenkel“ wiedersehen, überstand den historischen Moment ebenso stoisch und gefasst wie die folgende Probandin. In den nächsten Tagen könne an der Einstichstelle eine Rötung auftreten, erklärte ihr die Medizinerin, und betonte noch: „Sie können mich jederzeit anrufen.“

Zahlreiche weitere Patienten ließen sich ebenso bereits auf einer Liste für die Immunisierung eintragen, teilten die Verantwortlichen mit. Ein gewisser Schutzeffekt soll laut Hersteller schon sieben Tage nach der ersten Teilimpfung gegeben sein.

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„Es ist der 27. Dezember des Jahres 2020 ein historischer Tag“, sagte Kurz nach den ersten Impfungen von Menschen in Österreich mit der Covid-Vakzine. Die Impfung sei „der Anfang vom Sieg gegen die Pandemie“ und ein „Game Changer“. „Wir nähern uns Schritt für Schritt, mit jeder Impfung, die durchgeführt wird“, der Normalität, meinte der Regierungschef.

Anschober betonte, noch sei der Kampf gegen das Coronavirus nicht gewonnen. Der heutige Tag markiere aber eine Wende. Er berichtete weiters von einer zweiten Option, die Österreich mit der EU bezüglich der Pfizer-BioNTech-Vakzine gezogen habe: Mit zusätzlichen 1,962 Millionen Dosen sei die Anzahl der hierzulande bis zum Sommer verfügbaren Dosen auf etwas über vier Millionen gesteigert worden.

Theresia Hofer aus dem Marchfeld, der allererste in Österreich geimpfte Mensch, habe ihm berichtet von ihrer Freude, endlich wieder ihre Familie zu sehen und ein normales Leben führen zu können, sagte der Kanzler. Mit dem Wunsch nach Normalität „spricht sie uns allen aus der Seele“, meinte Kurz und skizzierte die nächsten drei Phasen der Impfkampagne in den kommenden Monaten: zuerst die Hochrisikogruppe, vor allem die Über-80-Jährigen mit starkem Fokus auf die Pflegeheime sowie das medizinische Personal, dann ältere Menschen und Mitarbeiter kritischer Infrastruktur und schließlich die dritte Phase, in der die Impfung „allen angeboten werden kann“.

Man hoffe auch auf weitere Zulassungen von Covid-Vakzinen. „Bei Moderna sieht es derzeit sehr gut aus“, sagte Kurz, der betonte, dass es keine Impfpflicht geben werden. Aber gerade bei älteren Menschen könne das eine Frage über Leben oder Tod sein. Anschober fügte hinzu, man werde auf „ehrliche Information“ setzen. Der Gesundheitsminister erinnerte an die Ausrottung der Kinderlähmung in Österreich durch Impfung.

In den meisten anderen Bundesländern fanden im Tagesverlauf ebenfalls symbolische Starts der größten Impfkampagne in der Geschichte Österreichs statt. Die erste zur Verfügung stehende Vakzine gegen Covid-19 der Firmen BioNTtech und Pfizer war am Samstag in Österreich und den anderen EU-Ländern ausgeliefert worden. Rund zehn Monate nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Europa begannen somit am ersten Sonntag nach Weihnachten 2020 die Impfungen auch in Italien, Frankreich und zahlreichen weiteren EU-Staaten. In einigen anderen war schon am Samstag damit angefangen worden. Als erste erhalten besonders gefährdete Menschen das Präparat.


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