Corona-Impfkampagne zeitgleich in allen EU-Staaten gestartet

Nicht nur in Österreich, sondern auch in allen anderen EU-Staaten hat am Sonntag die offizielle Impfkampagne mit dem Corona-Vakzin von BioNTech und Pfizer begonnen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den gemeinsamen Impfbeginn als „berührenden Moment der Einigkeit“ und als europäische „Erfolgsgeschichte“; Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einer „neuen Waffe im Kampf gegen das Virus“.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sprach von einem „emotionsgeladenen Tag für uns alle“. Sechs Monate nach der Präsentation der Corona-Impfstrategie habe die EU ihr Versprechen eingelöst, „Impfstoffe für alle Mitgliedstaaten zur selben Zeit“ bereitzustellen. Angesichts der Impfungen könne Europa „mit Optimismus“ in das neue Jahr starten.

Für die gesamte EU waren am Samstag die ersten Impfstoffdosen aus der Pfizer-Fabrik im belgischen Puurs ausgeliefert worden. Vereinzelt wurden erste Impfungen noch am Samstag verabreicht. Neben einer 101-jährigen Pflegeheimbewohnerin in Sachsen-Anhalt erhielten auch Menschen in Ungarn und der Slowakei einen Tag vor dem offiziellen Impfstart in der EU das Vakzin.

In Italien wurde 311 Tage nach Ausbruch der Pandemie, die fast 72.000 Todesopfer gefordert hat, eine große Anti-Covid-Impfkampagne gestartet. Als erste Italienerin wurde anlässlich des europäischen Impftags „V-Day“ am Sonntag eine römische Krankenpflegerin geimpft. Claudia Alivernini sagte, sie empfinde „großen Stolz“ und Verantwortung angesichts dieses Privilegs. Während in Italien in der ersten Phase bevorzugt Mitarbeiter im Gesundheitswesen geimpft werden, waren unter anderem in Spanien und Frankreich die Bewohner von Pflegeheimen die ersten Impfstoff-Empfänger.

Die 96-jährige Pflegeheimbewohnerin Araceli Hosario Hidalgo Sanchez, die als erster Mensch Spaniens das BioNTech-Vakzin erhielt, sagte im nationalen Fernsehen mit einem Lächeln im Gesicht, sie habe bei der Injektion „nichts“ gespürt.

Im Pariser Vorort Seine-Saint-Denis applaudierten die Mitarbeiter eines Krankenhauses einer 78-Jährigen, die sich als erste die Spritze geben ließ. „Ich bin bewegt“, sagte die pensionierte Haushälterin. Im von sozialen Problemen geprägten Seine-Saint-Denis liegen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus besonders hoch.

In Tschechien ließ sich zuerst öffentlichkeitswirksam der populistische Ministerpräsident Andrej Babis impfen. Zur Begründung erklärte er, er habe im Fernsehen eine Frau gesehen, die gesagt habe, sie wolle mit der Impfung „auf Babis warten“.

Die EU hatte den Impfstoff von BioNTech und Pfizer vor knapp einer Woche zugelassen. Der EU-weite Impfbeginn am Sonntag erfolgte später als in vielen anderen Weltregionen, darunter Russland, Kanada, China, die USA, die Schweiz und Saudi-Arabien.

„Hoffen wir, dass es funktioniert“, sagte ein Arzt in Dänemark, als er die erste Impfung mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer verabreichte, wie der Rundfunksender DR berichtete. „Wenn nicht, werde ich kommen und Sie heimsuchen“, antwortete der 79-jährige Leif Hasselberg scherzhaft, der dem Bericht zufolge der erste Mensch landesweit war, der die Impfung erhielt. Hasselberg lebt in einem Pflegeheim in Odense auf der Insel Fünen.

Auch in Schweden wurden die ersten Menschen zum Schutz vor dem Coronavirus geimpft. „Ich habe nichts gespürt“, sagte die 91-jährige Gun-Britt Johnsson, die am Sonntag in einem Pflegeheim in Mjölby, rund 230 Kilometer südwestlich von Stockholm, als erste Person landesweit geimpft worden war. In Schweden sollten ebenfalls zunächst ältere Menschen, Angehörige von Risikogruppen und Personal in Pflegeheimen und im Gesundheitssektor geimpft werden, hatte Ministerpräsident Stefan Löfven zuvor angekündigt.

In Polen wurde als Erste Alicja Jakubowska, die als Oberschwester im Krankenhaus des Innenministeriums in Warschau arbeitet, die Spritze verabreicht. Es sei ihr eine Ehre, ausgewählt worden zu sein, sagte sie nach Angaben der Agentur PAP.

Als erstes westeuropäisches Land hatte am 8. Dezember Großbritannien mit seiner Impfkampagne mit dem BioNTech/Pfizer-Präparat begonnen. In den kommenden Tagen wird zudem die Entscheidung der britischen Behörden über die Zulassung des Impfstoffs des britischen Herstellers AstraZeneca erwartet. Unternehmenschef Pascal Soriot sagte der „Sunday Times“, das gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelte Vazin könne einen „hundertprozentigen Schutz“ gegen schwere Verlaufsformen von Covid-19 bieten.

Politiker und Gesundheitsexperten erhoffen sich vom Start der Impfkampagne eine Trendwende in der Corona-Pandemie. Doch die Impfbereitschaft fällt vielerorts noch verhalten aus. Eine im „Journal du Dimanche“ veröffentlichte Umfrage ergab, dass 56 Prozent der Franzosen sich nicht impfen lassen wollten. In Spanien beobachteten Demoskopen derweil einen Anstieg bei der Impfbereitschaft: Dort gaben in einer diese Woche veröffentlichten Umfrage nur noch 28 Prozent der Befragten an, sich nicht impfen lassen zu wollen. Im November hatte dieser Wert noch bei 47 Prozent gelegen.

Europaweit steigen die Infektionszahlen derzeit wieder stark an. Mit 25 Millionen nachgewiesenen Infektionen bleibt der Kontinent die am schwersten von der Pandemie betroffene Region der Welt, wie eine Bilanz der Nachrichtenagentur AFP vom Sonntag auf der Grundlage von Behördenangaben ergab. Weltweit stieg die Zahl der registrierten Ansteckungen laut der Zählung auf mehr als 80 Millionen, in 1,7 Millionen Fällen verliefen die Infektionen tödlich.


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