Impfung kommt zum Menschen: Die drei Phasen des österreichischen Impfplans

Österreich setzt nicht wie Deutschland auf Zentren, zu denen Impfwillige pilgern müssen. Es will die Immunisierung gegen Covid-19 möglichst nah ermöglichen – sogar am Arbeitsplatz.

Der Impfstoff wird zu den Menschen gebracht – wie am Sonntag vom Bundesheer zum Wohn- und Pflegeheim in Mieming.
© LAND TIROL

Von Gabriele Starck

Wien – Nach dem Impfstart am Sonntag haben Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und der Corona-Sonderbeauftragte Clemens Martin Auer gestern erklärt, wie es nun weitergeht, und die drei Phasen des österreichischen Impfplans vorgestellt:

Clemens Martin Auer (Corona-Sonderbeauftragter): „Die niedergelassenen Ärzte sollen ihren über 65-jährigen Patienten ab Februar die Impfung proaktiv anbieten.“
© APA

1️⃣ Jänner und Februar. Wegen der zunächst nur sehr begrenzt verfügbaren Impfstoff-Einheiten erhalten jene Personen zuerst das Vakzin, bei denen sowohl das Risiko, schwer zu erkranken, als auch das Risiko, infiziert zu werden, am größten ist. Das sind die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und dann auch deren Betreuer.

Impfteams werden dazu wie auch gestern in den Bundesländern vor Ort im Einsatz sein. Erste Impfungen gibt es aber auch für jenes Gesundheitspersonal, das dem Coronavirus besonders ausgesetzt ist – etwa in Covid- und Intensivstationen, in Notfall­aufnahmen, Testlabors, aber auch bei Zahnärzten und Rettungen.

📽️ Video | Erste Corona-Impfungen in Tirol verabreicht

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

2️⃣ Februar, März und April. Zielgruppe sind dann wiederum zuerst hochbetagte Menschen. Dann folgen ältere Personen, Risikopatienten mit Anspruch auf Dienstfreistellung sowie weiteres Gesundheitspersonal, etwa die Impfteams selbst, und schließlich Menschen in systemkritischen Berufen wie Polizei, Feuerwehr etc.

In Phase 2 dürfte auch schon anderer Impfstoff verfügbar sein. So soll am 6. Jänner das mRNA-Vakzin von Moderna zugelassen werden, von dem 200.000 Dosen in Österreich erwartet werden. Und im Februar, hofft man im Gesundheitsministerium, könnte dann bereits der Astra-Zeneca-Impfstoff verfügbar sein. Da letzterer weniger anspruchsvoll ist, was die Kühlung betrifft, soll er von niedergelassenen Ärzten in deren Praxis oder bei Hausbesuchen verabreicht werden. „Die Ärzte sollen ihren über 65-jährigen Patienten ab Februar die Impfung proaktiv anbieten“, wünscht sich Auer.

3️⃣ Ab dem 2. Quartal könnte dann sukzessive ausreichend Impfstoff für alle verfügbar sein, die eine Impfung wollen. Angeboten werden soll die Immunisierung dann in größeren Unternehmen über den Betriebsarzt, über die Schulärzte, die Kassen­ambulatorien und die Kommunen in Turn- oder Pfarrsälen. „Die Bürgermeister und Stadtverwaltungen sind sehr motiviert, ihre Infrastruktur, die sie für die Massentestungen aufgebaut haben, zur Verfügung zu stellen“, sagte Anschober.

Alle, die befürchten, es werde zu wenig Impfstoff geben, will Auer, der auch Co-Chefeinkäufer der EU ist, beruhigen. Die EU habe im Juni mit dem Beschaffungsvorgang begonnen, und da sei nicht absehbar gewesen, welche Impfstoffkandidaten tatsächlich zugelassen werden und wann. Deshalb sei es nötig gewesen, nicht nur auf einen Hersteller zu setzen, sondern das Portfolio möglichst breit aufzustellen – um das Risiko zu verkleinern, falls ein Kandidat nicht bestehe. Inzwischen könne man aber davon ausgehen, dass alle sieben Impfstoffkandidaten, für die man sich Kontingente gesichert habe, auch zugelassen würden, betonte Auer. Und so erhalte die EU insgesamt fast zwei Milliarden Impfdosen, also mehr als genug für alle. Allein vom BioNTech/Pfizer-Impfstoff, der bereits verabreicht wird, seien auf Dauer 4,5 Mio. Dosen für Österreich vorgesehen.

Noch viel Information für Unentschlossene notwendig

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) möchte in den kommenden Monaten „möglichst viele Menschen“ dafür gewinnen, den „Schlüssel für die Wende“ in der Corona-Pandemie zu nutzen. Es gebe in der Bevölkerung jene, die rasch eine Impfung wollen, und dann gebe es einen impfskeptischen Teil, den ganz großen Teil ortet Anschober jedoch „in der Mitte, wo sich viele die Meinung noch nicht gebildet haben“ – und um diese Personen werde man sich in den kommenden Wochen mit ehrlicher Informationsarbeit bemühen.

Dazu zähle als erster Schritt die bereits erfolgte Einrichtung der Info-Hotline. In Summe habe es bis jetzt an die 20.000 Anrufe gegeben, wobei die Grundstimmung laut dem Minister aufgeschlossen und interessiert war. (APA, TT)


Kommentieren


Schlagworte