Polnische Skispringer dürfen nach Coronafall nicht antreten

Die ersten Favoriten sind schon vor dem Auftakt-Sprung ausgeschieden: Nach einem positiven Corona-Test startet die Vierschanzentournee ohne den polnischen Titelverteidiger Dawid Kubacki, Olympiasieger Kamil Stoch und dessen Skisprung-Teamkollegen. „Wir bedauern diese Entscheidung sehr, doch zum Schutz aller anderen Athleten blieb dem Gesundheitsamt keine andere Wahl“, wird Florian Stern, Generalsekretär beim Auftaktbewerb in Oberstdorf, in einer Mitteilung am Montag zitiert.

Der Pole Klemens Muranka war zuvor positiv auf das Virus getestet worden. Ein zweiter Corona-Test von Muranka am Abend soll allerdings negativ ausgefallen sein, sagte der polnische Mannschaftsarzt der nationalen Sport-Tageszeitung „Przeglad Sportowy“. Damit ist das Chaos bei der 69. Vierschanzentournee perfekt.

Denn der polnische Verband hofft, dass die am Montagnachmittag durchgeführte Qualifikation entweder wiederholt wird oder die Polen am Dienstag auch ohne Quali-Sprung für den Wettbewerb zugelassen werden. Generalsekretär Stern hatte am Nachmittag noch betont, dass weitere Testergebnisse keinen Einfluss auf den Ausschluss für Oberstdorf mehr hätten.

Insgesamt ergaben die in den vergangenen Tagen rund um die Tournee durchgeführten 760 Tests vier positive Ergebnisse. Aus dem deutschen Team wurde ein Physiotherapeut positiv getestet. Er ist bereits abgereist und hatte nach Verbandsangaben keinen Kontakt zum Skisprung-Team. Ebenfalls positiv getestet wurde ein Helfer der Organisatoren und ein Mitglied einer internationalen TV-Station.

Die Tests von Murankas polnischen Teamkollegen fielen zwar negativ aus, sie zählen jedoch zur sogenannten Kontaktgruppe 1, hatten also entweder über 15 Minuten direkten Kontakt mit Muranka oder befanden sich länger als 30 Minuten gemeinsam mit ihm in einem geschlossenen Raum oder Fahrzeug.

Der Ausschluss gilt zunächst nur für den Tournee-Beginn im Allgäu. Über den kompletten Umfang der Quarantäne-Maßnahmen für Springer und Betreuer sollte nach weiteren Tests entschieden werden.“Sofern diese negativ ausfallen, besteht die Chance, dass Polen wieder in die Tournee einsteigen kann“, sagte Stern noch vor dem zweiten Muranka-Test.

Bleibt der Ausschluss für Oberstdorf, wird es mit einer erfolgreichen Titelverteidigung für Kubacki nichts, und auch Stoch kann die Hoffnungen auf seinen dritten Tournee-Sieg begraben. Der Ausfall eines ganzen Wettkampfes ist nicht zu kompensieren.

Der Ausschluss trifft das Skispringen hart. In der Sportart, in der nur einige Athleten aus wenigen Nationen das Rennen um den goldenen Adler für den Tournee-Sieger unter sich ausmachen, ist der Ausfall von gleich zwei Mitfavoriten ein schwerer Schlag. In den vergangenen zwölf Jahren kamen die Tournee-Gewinner nur aus vier Ländern: Dreimal triumphierten Polen.

Neben den beiden absoluten Top-Springern Kubacki und Stoch sowie Muranka waren Piotr Zyla, Maciej Kot, Aleksander Zniszczol und Andrzej Stekala für die Tournee vorgesehen gewesen.

Muranka hatte seinen positiven Test selbst in den sozialen Medien bestätigt. „Es tut mir leid, aber es ist passiert ... Ich bin positiv und bisher ohne Symptome“, schrieb der 26-Jährige auf Instagram. Polens Sportdirektor, der ehemalige Skispringer Adam Malysz, sagte: „Noch vor zwei Tagen hatten wir einen Test, dort waren alle Ergebnisse negativ. Es ist seltsam.“

Im ersten Saisondrittel gab es im Skisprung-Weltcup schon einige Corona-Fälle: Die Österreicher waren angeführt von Weltcup-Titelverteidiger Stefan Kraft, Michael Hayböck und Cheftrainer Andreas Widhölzl schon zweimal betroffen, zusätzlich fiel auch der deutsche Skiflug-Weltmeister Karl Geiger aus. Zur Tournee sind aber alle wieder zurück.


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