La speranza aus dem Musikverein: Anspannung vor Neujahrskonzert

Ein letzter Lagebericht vor dem Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker.

Sichtbare Anspannung. Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer (l.) und Maestro Riccardo Muti fiebern dem Freitag entgegen.
© APA

Wien – Riccardo Muti dirigiert übermorgen zum sechsten Mal das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Geboten wird wie gewohnt ein Querschnitt aus Werken der Strauß-Dynastie, aber Routine oder etwa gar einfach sei das nicht. „Die Musik ist technisch anspruchsvoll, die Abstimmung zwischen den Instrumenten, die Solos, ein kleiner Fehler ruiniert alles, beim ,Donauwalzer‘ möchte ich nicht in der Haut des ersten Hornisten stecken“, erklärte der 79-jährige Maestro Muti gestern bei einer Online-Pressekonferenz im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Dort habe der Italiener seit 1974 schon 187 Konzerte geleitet, berichtete Musikvereins-Intendant Stephan Pauly nach Durchsicht der hauseigenen Annalen.

Besagter Goldener Saal mit seiner unüberbietbaren Akustik wird für das Neujahrskonzert mit 30.000 Blumen geschmückt, kündigte Philharmoniker-Vorstand und Violinist Daniel Froschauer an. Das Ambiente wird prachtvoll sein wie immer, der Saal aufgrund des Lockdowns allerdings ohne Publikum. Dafür scheut der ORF keinen technischen Aufwand, um das Konzert am 1. Jänner in Topqualität in Millionen von Haushalten zu übertragen. 90 Länder haben sich der Übertragung angeschlossen.

Der ,Radetzky-Marsch‘ wurde ohne Applaus geschrieben. Und so werden wir ihn diesmal hören.
Riccardo Muti (Dirigent)

Der Probenbetrieb ist strengen Regeln unterworfen. „Wir tragen FFP2-Masken und werden jeden Tag auf Corona getestet, nur so werden wir in den Musikverein überhaupt eingelassen“, schilderte Froschauer den Ablauf, bevor noch der erste Ton erklingt. Muti wohnt in einem Hotel, „in dem sonst niemand ist“. Wien wirke menschenleer, „wie in einem Horrorfilm“. Gerade in dieser Stimmung verstehe man das Neujahrskonzert, über dessen Abhaltung lange diskutiert worden sei, als Botschaft der Hoffnung, „von ,la speranza‘, wie Hoffnung in meiner Muttersprache heißt“, so Muti.

Vieles beim Neujahrskonzert folgt einem fest etablierten Ritual. So ertönt der „Radetzky-Marsch“ als letzte Zugabe. Normalerweise klatscht das Publikum dabei lautstark mit. Heuer entfällt die Unterstützung aus dem Saal. Maestro Muti nimmt das mit Humor: „Der ,Radetzky-Marsch‘ wurde ohne Applaus geschrieben. Und so werden wir ihn diesmal hören.“

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Laut wird es im Goldenen Saal aber doch – vor der Pause und nach dem Finale. Da werden zeitversetzt 7000 Personen zugeschaltet, die den Wiener Philharmonikern und Riccardo Muti Beifall spenden – von daheim aus. (mark)


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