ÖSV-Siegpremiere in WM-Saison von Cochran-Siegle vereitelt

Österreichs alpines Ski-Team ist im Weltcup-Saisonverlauf auch nach dem drittletzten Rennen vor dem Jahreswechsel sieglos. Vincent Kriechmayr kam am Dienstag im Herren-Super-G von Bormio als Zweiter immerhin auf seinen ersten Podestrang im WM-Winter, trotz starker Fahrt musste sich der Oberösterreicher Ryan Cochran-Siegle recht deutlich um 0,79 Sekunden geschlagen geben. Der US-Amerikaner feierte in seinem 101. Weltcuprennen nach nahezu perfekter Fahrt seinen ersten Sieg.

Erst am 19. Dezember hatte der 28-Jährige in der Grödener Abfahrt mit Rang zwei aufgezeigt, tags davor als Achter ebendort sein bis Bormio bestes Super-G-Ergebnis erzielt. In beiden Trainingsläufen auf der Stelvio am Samstag und Sonntag hatte Cochran-Siegle mit Bestzeit aufgezeigt, ließ sich auch durch geänderte Pistenverhältnisse nicht vom Kurs abbringen. Schneefälle hatten am Montag eine Verschiebung des Super-G sowie der Abfahrt auf Mittwoch (11.30 Uhr/live ORF 1) um jeweils 24 Stunden erzwungen.

Mit Startnummer acht nahm Cochran-Siegle dem drei Nummern davor gestarteten Kriechmayr die Hoffnung auf den Sieg, ab der ersten Zwischenzeit war er in allen Teilabschnitten Schnellster. „Ich bin glücklich, aber nicht zu ekstatisch“, sagte der Sohn von Barbara Cochran, Slalom-Olympiasiegerin 1972. „Ich versuche so skizufahren, wie ich es kann, nichts erzwingen zu wollen. Es ist ein komplizierter Sport. Ich versuche, genügend Vertrauen in mich und darin zu haben, flüssig fahren zu können.“

Kriechmayr zog den Hut vor dem ersten US-Super-G-Sieger seit Bode Miller 2006, gab an, dass die ÖSV-Crew dessen Läufe schon länger analysiert: „Ryan hat ihn mit einer richtig feinen Klinge runtergelassen, ganz wenig auf Drift. Der Junge ist in einer Super-Verfassung und hat uns heute gezeigt, was er so drauf hat.“ An seiner eigenen Fahrt hatte er wenig auszusetzen: „Der untere Teil war so, wie ich es mir vorgestellt habe. Es war auch der Rest vom Lauf sehr gut. Mit dem zweiten Platz bin ich sehr zufrieden.“

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Mit Matthias Mayer als Zehntem (+1,53) schaffte es ein zweiter ÖSV-Läufer gerade noch in die Top Ten, zufrieden mit sich war der Olympiasieger aber nicht. „Es ist nicht so gelaufen. Speziell herunten vor dem Ziel habe ich noch ein paar Fehler gemacht, die Zeit gekostet haben“, erklärte der Kärntner. Für Max Franz gab es als drittbestem ÖSV-Aktiven bzw. 24. gerade einmal sieben Weltcup-Punkte. „Ich bin nicht ins Fahren gekommen, es war eine Qual“, urteilte Mayers engerer Landsmann.

Sonst kam von der rot-weiß-roten Equipe nur noch Stefan Babinsky als 27. in die Punkte (+2,41). Für Christian Walder (32./+2,78) und Daniel Hemetsberger (34./+3,02) reichte es ebenso nicht wie für Raphael Haaser (42./+4,11), Christoph Krenn (Ausfall) und Hannes Reichelt (38./+3,55). Der 40-jährige Salzburger hat in Bormio schon Besseres erlebt. „Im Moment fehlt die Lockerheit“, wusste Reichelt. „Auf einer Strecke, auf der ich schnell sein müsste, solche Fehler zu machen, das wäre mir früher nicht passiert.“

Der dritte Podestplatz ging an den Norweger Adrian Smiseth Sejersted (+0,91), sein Landsmann Aleksander Aamodt Kilde wurde Vierter (+1,18). Kilde machte damit im Weltcup als Titelverteidiger Boden gut, liegt als Zweiter nur noch 37 Zähler hinter dem Franzosen Alexis Pinturault (12./+1,78). Zweitbester Österreicher wurde der für Deutschland fahrende Romed Baumann als Siebenter (+1,45). Für den zuletzt fünfmal in Bormio siegreich gebliebenen Italiener Dominik Paris blieb nach Kreuzbandriss bloß Rang 18 (+2,02).

Die Revanche folgt am vorletzten Tag des Jahres in der dritten Saison-Abfahrt. Kriechmayr sieht dafür in seinem Super-G-Abschneiden einen Schub: „Aber die Abfahrt ist ein ganz anderer Charakter. Es verlangt totale Überzeugung von sich selbst, man muss voll am Limit runterfahren und hoffen, dass es einem nicht die Ski verschlägt.“ Cochran-Siegle wiederum möchte seinen Trainingszeiten nicht zu viel Bedeutung zumessen: „Nicht zu sehr auf meine Bestzeiten achten, sondern nur auf mein Skifahren.“


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