Mindestens sieben Todesopfer bei Erdbeben in Kroatien

Ein starkes Erdbeben hat am Dienstag gegen 12.20 Uhr Zentralkroatien erschüttert und bisher sieben Menschenleben und zahlreiche Verletzte gefordert. Ein zwölfjähriges Mädchen starb in der Kleinstadt Petrinja, wo das Zentrum des Erdstoßes lag. Am Nachmittag wurden fünf Tote im Dorf Majske Poljane in der Nähe von Glina in den Trümmern gefunden. Ein weiteres, siebentes Todesopfer gab es laut Medien in einer eingestürzten Kirche nahe der Stadt Sisak.

Das zweite Beben innerhalb von zwei Tagen hinterließ im rund 20 Kilometer vom Epizentrum entfernten Glina immense Zerstörungen. In der Gegend sei kaum ein Haus sei unbeschädigt geblieben, sagte die Vize-Bürgermeisterin Branka Baksic Mitic gegenüber Medien. Im Dorf Majske Poljane seien in den Trümmern fünf ums Leben gekommene Menschen gefunden worden. Auch dort waren die Rettungskräfte am Abend noch im Einsatz. Wenige Stunden nach dem Beben berichteten kroatische Medien noch von 20 Personen, die verletzt wurden.

Auch Petrinja, nur drei Kilometer vom rund 45 Kilometer südwestlich von Zagreb gelegenen Epizentrum entfernt, war durch das Beben der Stärke 6,3 (laut European-Mediterranean Seismological Centre) stark beschädigt worden. Zahlreiche Häuser im Stadtzentrum fielen in sich zusammen, in den Trümmern wurde mit Spürhunden nach Verschütteten gesucht. Neben Rettungskräften waren auch 130 Soldaten im Einsatz. Die Hälfte der Stadt mit ihren rund 25.000 Einwohnern sei zerstört, sagte Bürgermeister Darinko Dumbovic.

Die Militäreinheiten, die in Petrinja stationiert sind, halfen bei der Bergung. In der Kaserne könnten jene Einwohner, deren Häuser unbewohnbar wurden, untergebracht werden, sagte Staatspräsident Zoran Milanovic, der die Stadt besuchte. Auch Premier Andrej Plenkovic und mehrere Minister waren gekommen.

Das Militär half mit Transportflugzeugen bei der Evakuierung von Patienten aus dem Spital in der ebenfalls stark betroffenen Stadt Sisak. Beinahe alle Gebäude im dortigen Allgemeinkrankenhaus wurden beschädigt, so dass Patienten, darunter auch Covid-Erkrankte, nach Zagreb gebracht werden mussten. Soldaten halfen auch bei Evakuierung von Patienten aus der Pneumologie-Klinik in Petrinja.

Erhebliche Schäden wurden auch aus der nahe gelegenen Stadt Sisak vermeldet, die rund 15 Kilometer entfernt von Petrinja liegt. Das Krankenhaus musste geräumt werden, alle bis auf ein Gebäude seien durch das Beben beschädigt worden, die Patienten wurden nach Zagreb gebracht, hieß es. Nach Angaben des Gesundheitsministers Vili Beros soll die Armee beim Transport aushelfen. Das Krankenhaus in Sisak hat trotzdem 20 verletzte Personen aus Petrinja aufgenommen, darunter zwei Schwerverletzte.

In der rund 50 Kilometer entfernten Hauptstadt Zagreb wurden ebenfalls Gebäude beschädigt. Die Menschen, die noch das schwere Beben vom März in Erinnerung haben, flüchteten auf die Straßen. Telefon- und Stromleitungen wurden in Teilen des Landes unterbrochen. Nach dem Erdbeben wurde das slowenische Atomkraftwerk Krsko, das rund 80 Kilometer Luftlinie vom Epizentrum entfernt liegt, präventiv abgeschaltet. In der Anlage wird eine Prüfung aller Systeme durchgeführt, die Wiederinbetriebnahme ist binnen 24 Stunden geplant.

„Wir stehen in diesen schweren Stunden Seite an Seite mit unseren kroatischen Freunden und sind in Gedanken bei den Betroffenen des heutigen Erdbebens“, so Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) am Dienstag in einer Aussendung. Schallenberg bot seinem Kollegen, Außenminister Gordan Grlic Radman, umgehend Österreichs Hilfe an. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte umgehend Hilfe zu.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die Balkanregion immer wieder Erdbebenkatastrophen erlebt. Im Juli 1963 zerstörte ein Beben das Zentrum von Skopje, der Hauptstadt der damaligen jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien und des heutigen Nordmazedoniens. Mehr als 1.000 Menschen starben.

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