Pionierin der Alpen-Viehzucht im Trentino ermordet

Sie galt als Beispiel für gelungene Integration im Alpenraum: Die Äthiopierin und Pionierin der Alpen-Viehzucht im Trentino, Agitu Gudeta, ist am Dienstagabend tot in ihrer Wohnung im Trentiner Fersental aufgefunden worden. Nach Medienangaben wurden am Körper der 42-jährigen Ziegenzüchterin mehrere Verletzungen festgestellt. Ermittelt wird wegen Mord.

Agitu Gudeta lebte seit 2010 in Frassilongo im Fersental und hatte dort einen Bio-Landwirtschaftsbetrieb mit dem Namen „La capra felice“ (Die glückliche Ziege) gegründet. Im Trentiner Tal hatte sie ihre zweite Heimat gefunden. 2010 hatte sie begonnen, die vom Aussterben bedrohten Mochena-Ziegen zu züchten. Bei der Käseherstellung und Aufzucht wandte sie traditionelle Methoden an. Mit ihrer Zucht der Bergziegen war sie über die Trentiner Landesgrenzen hinaus zu einem Symbol für Integration geworden.

Die Bio-Bäuerin wurde in ihrem Schlafzimmer tot aufgefunden, berichteten Medien. Die Polizei wurde von Nachbarn alarmiert. Die Frau könnte mit Hammerschlägen getötet worden sein. In der Vergangenheit war die Äthiopierin wiederholt Opfer rassistischer Anfeindungen geworden. So hatte Gudeta vor zwei Jahren von einem Nachbarn Morddrohungen erhalten. Der Mann hatte sie angegriffen und war deswegen vor knapp einem Jahr zu neun Monaten Haft verurteilt worden.

Mit 18 Jahren hatte Gudeta dank eines Stipendiums in Rom Soziologie studiert. Bei einem Urlaub entdeckte sie das Trentino und verliebte sich in seine wunderbare Landschaft. Nach dem Studium kehrte die Frau in ihre Heimat Äthiopien zurück.

Wegen ihres Einsatzes an der Seite der Bauern in der Region Mojo, 70 Kilometer von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt, wegen des Widerstands gegen den Landraub ausländischer Konzerne und die brutalen Enteignungskampagnen der eigenen Regierung, wurde gegen sie ein Haftbefehl erlassen. Gudeta musste fliehen und kehrte nach Italien zurück, um eine Viehzucht mit Mochena-Ziegen in Trentino zu starten, die ganzjährig im Freien gehalten werden können, was sie für die nachhaltige Landwirtschaft besonders geeignet macht. Für ihr Engagement für die Bergwirtschaft war Gudeta von der Slow Food-Bewegung ausgezeichnet worden.


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