Lichtermeer für Flüchtlinge in Innsbruck, auch Bischof Glettler unterstützt

Als Symbol der Solidarität mit den Flüchtlingen in den griechischen Lagern campieren weiterhin Tiroler im Kalten. Am Samstag zeigte Bischof Glettler Unterstützung.

Innsbruck hat Platz: Was mit zwei Menschen begann, zieht immer mehr an – auch Bischof Gletter unterstützt.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Es ist Winter und die Situation für die über 7000 Flüchtlinge im neuen Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos spitzt sich täglich weiter zu. Es fehlt an Duschen, warmer Winterkleidung und Decken, die Menschen dürfen das streng bewachte Militärgelände kaum verlassen.

Dass die österreichische Regierung trotz der menschenunwürdigen Verhältnisse bei ihrem Nein zur Aufnahme von Flüchtlingen bleibt, wollte Niki Neureiter nicht mehr hinnehmen. Der Obmann des Innsbrucker Vereins „Theater konkret“ hat sich vor Weihnachten entschlossen, ein Zeichen zu setzen und die Initiative „Ein Wochenende für Moria“ zu gründen. „Ich musste einfach etwas machen. Es kann nicht richtig sein, dass wir zu Hause in der Wärme sitzen und irgendwelche Petitionen unterschreiben mit dem Wissen, was in den Lagern abgeht.“

📽️ Video | Aktion für Flüchtlinge:

Um zu erreichen, dass die Regierung „ihre moralische Pflicht erfüllt und ein Teil der Flüchtlinge in den griechischen Lagern in Österreich aufgenommen wird“, verbringen Neureiter und inzwischen viele andere Tiroler als Privatpersonen die Wochenenden in Zelten am Vorplatz des Landestheaters in Innsbruck. Einer von ihnen ist auch der 24-jährige Jakob Jetzinger: „Wie viele andere bin ich zufällig im Vorbeigehen auf die Aktion gestoßen. Es tut gut, endlich öffentlich zeigen zu können, dass man gegen das aktuelle Verhalten der Regierung ist.“

Was am 19. Dezember mit zwei Personen begonnen hat, ist dieses Wochenende zu einer kleinen Zeltstadt geworden. Als in den frühen Abendstunden Kerzen als Zeichen der Solidarität angezündet wurden, kam auch Bischof Hermann Glettler zu den mehr als 100 Protestierenden dazu: „Man darf mit diesen Menschen, die auf Lesbos dahinvegetieren, nicht spielen und mit ihnen europäische ­Abschreckungspolitik betreiben. Was sich in ­Griechenland gerade abspielt, ist die größte humanitäre Katastrophe Europas“, so der Bischof. In diesem Zusammenhang erneuerte er die Bitte an Kanzler Kurz, zumindest 100 Familien in Österreich aufzunehmen. Dass den Tirolern diese Menschen am Herzen liegen, zeigt sich für Neureiter auch dieses Wochenende. „Die Menschen bringen uns zu essen, Strümpfe gegen die Kälte.“ (wa, lipi)

Nicht nur Organisator Niki Neureiter verbringt mit seinem Neffen Laurin ein Wochenende im Zelt.
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