Impfen, Contact-Tracing, Freitesten: Wie es jetzt in Tirol weitergehen soll

Bei der Novelle zum Freitesten knirscht es noch, für Tirols Gesundheitsbehörden ist aber klar, dass Kontrollen nur stichprobenartig sein können. Der Impfplan hält, Contact-Tracing wird neu verstärkt.

Noch befindet sich Tirol in Phase 1 des Nationalen Impfplans. Erst in der dritten Phase kann die gesamte Bevölkerung geimpft werden.
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Von Liane Pircher

Innsbruck, Wien – Zuletzt sorgte die Novelle zum Freitesten von den rigiden Ausgangsbeschränkungen für große Aufregung. Die ausstehende Verordnung dazu muss erst auf den Weg gebracht werden – die Frist für die Begutachtung endet mit heute Sonntagmittag. Vorgesehen ist, dass ab 18. Jänner jene, die ein negatives Testergebnis vorlegen können – oder in den letzten drei Monaten eine Infektion durchgemacht haben –, früher in der Gastronomie essen gehen oder eine Kulturveranstaltung besuchen können. Geht es nach Kanzler Kurz (ÖVP), sollten solche Tests überhaupt die nächsten Monate obligatorisch sein.

Während sich die Stadt Wien bezüglich möglicher Kontrollen durch die Gesundheitsbehörden auf Landesebene noch sperrt, hält man in Tirol grundsätzlich nur Stichproben-Kontrollen für machbar. Man werde, so Krisenstab-Chef Elmar Rizzoli, im Falle auch die Polizei als Hilfe brauchen, die dann in Lokalen vor Ort Befunde von Anwesenden kontrollieren könnte. Flächendeckende und lückenlose Kontrollen seien eher nicht möglich, aber Stichproben, sagt Rizzoli.

Während das Gesundheitsministerium aktuell massiv auf mehr und bessere Aufklärung in Sachen Covid-19-Impfung setzt, hält Tirol auf mehreren Ebenen an seinen Fahrplänen fest. Hier ein Überblick:

1. Wo steht Tirol momentan beim koordinierten Stufenplan mit dem Covid-19-Impfen?

Derzeit befindet man sich in Phase 1 des Nationalen Impfplans, wo es um das Impfen in Alten- und Pflegeheimen geht. Gestartet wurde am 27. Dezember in Mieming, ab dieser Woche wird in sechs weiteren Heimen quer durch Tirol geimpft. Noch in der ersten Jännerhälfte sollen alle übrigen Tiroler Wohn- und Pflegeheime absolviert sein. Im nächsten Schritt kommen Mitarbeiter in Tirols Kliniken voraussichtlich ab Ende Jänner dran. Gefolgt von Älteren und Menschen mit Risiko-Erkrankungen. Erst in einer dritten Phase kann die gesamte Bevölkerung geimpft werden: Hierzu wird das Land Tirol eine eigene Online-Plattform namens www.tirolimpft.at einrichten, wo alle Infos zu Impfterminen und Anmeldungen drauf sind.

2. Die aktuellen Impfstoffe sind sehr empfindlich. Was bedeutet das für die Auslieferung und was kann man bezüglich Impfdosen sagen – nachdem sich Menschen zuletzt Sorgen darüber gemacht haben, weil Pfleger in Deutschland versehentlich eine fünffache Dosis verabreicht bekamen?

Die Logistik läuft – kurz skizziert – folgendermaßen ab: tiefgefroren bis zum Großhandel, dort im Ultrafreezer bis sechs Monate lagerbar. Unverdünnt, aber aufgetaut geht der Impfstoff dann bis zur Impfstelle, er ist insgesamt 120 Stunden bei normaler Kühlschranktemperatur lagerbar. Der vor der Impfung verdünnte Impfstoff ist vibrations- und erschütterungsempfindlich. Er sollte nach Verdünnung binnen zwei Stunden, besser aber sofort, verimpft werden. Die Überdosierung in Deutschland war ein menschlicher Fehler, der eigentlich nicht passieren hätte dürfen. Fakt ist, dass die Vials (Injektionsfläschchen) überfüllt sind, es können bis zu sechs Dosen, manchmal sogar sieben Dosen aus einem Vial gezogen werden. Es können daher pro Fläschchen durchaus auch mehr als fünf Personen mit einer Dosis geimpft werden.

3. Zuletzt kam das Contact-Tracing wegen Überlastung in Tirol fast zum Erliegen. Wie sieht die aktuelle Lage dazu aus?

Ganz aufgegeben wurde das Contact-Tracing nie, es wurde auch in Tirol durchwegs weitergeführt. Selbst im Rahmen der Aktion „Tirol testet“ wird es bei einem bestätigten positiven Testergebnis routinemäßig eingeleitet. In Tirol waren in dem Bereich zuletzt über 600 Personen tätig. In Zusammenarbeit mit der Leitstelle Tirol sind derzeit technische Weiterentwicklungen in Ausarbeitung. Das soll Erleichterungen und Beschleunigung beim Contact-Tracing bringen. In Wien gibt es neue Versuche mittels eines automatisch ablaufenden Gurgel-Selbsttests inklusive Contact-Tracing. Das hat Tirol nicht am Radar. Hier sagt man: Auch wenn Contact-Tracing sehr personalaufwändig ist, scheint das persönliche Gespräch mit den Betroffenen die beste Lösung zu sein.


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