Weltweit erste Zulassung von AstraZeneca-Impfung in England

Großbritannien hat als erstes Land weltweit grünes Licht für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford gegeben. „Ich bin nun, mit der Zulassung sehr zuversichtlich, dass wir bis zum Frühjahr genügend gefährdete Menschen impfen können, um unseren Weg aus dieser Pandemie sehen zu können“, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock am Mittwoch, nachdem die Regulierungsbehörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (MHRA) den Einsatz des Vakzins empfohlen hat.

Erst am Dienstag hatte Großbritannien, in der sich eine besonders ansteckende Virus-Variante verbreitet, einen Rekord bei den Infektionszahlen vermeldet. Bereits in der kommenden Woche am 4. Jänner soll mit den Impfungen in Großbritannien begonnen werden. Premierminister Boris Johnson kündigte an, nun „so viele Menschen, so schnell wie möglich“ impfen zu lassen. „Das sind wirklich fantastische Neuigkeiten und ein Triumph für die britische Wissenschaft“, schrieb er auf Twitter.

Die Entscheidung ist auch ein willkommener Schub für AstraZeneca und das Oxford-Team, denen mangelnde Klarheit über die Ergebnisse von Studien zu dem Impfstoff vorgeworfen worden war. Bei zwei vollen Dosen in einem Abstand von mehreren Wochen hatte der Impfstoff lediglich eine Wirksamkeit von 62 Prozent gezeigt. In einer Untergruppe, die zunächst nur die halbe Dosis und dann die volle Dosis erhielt, stieg die Wirksamkeit auf 90 Prozent. Es gab unterschiedliche Darstellungen von AstraZeneca und der Universität Oxford, ob die Verabreichung einer halben Dosis am Anfang ein Versehen oder Absicht war.

Beide Impfstoffe werden in zwei Dosen im Abstand von mehreren Wochen verabreicht. In Großbritannien soll nun aber zunächst eine erste Dosis an so viele Menschen aus Risikogruppen verabreicht werden, wie möglich. Eine zweite Dosis werde nach spätestens zwölf Wochen geimpft, hieß es in einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums.

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„Heute ist ein wichtiger Tag für Millionen von Menschen in Großbritannien, die Zugang zu diesem neuen Impfstoff erhalten“, sagte AstraZeneca-Chef Pascal Soriot. „Er hat sich als effektiv, gut verträglich, einfach in der Handhabung erwiesen und wird von AstraZeneca ohne Gewinn geliefert.“ Der Impfstoff beruht auf einer eher herkömmlichen Herstellungsweise und ist ein sogenannter Vektorimpfstoff, der auf Adenoviren von Affen basiert. Er muss nicht so extrem tiefgekühlt werden, wie der Impfstoff von Biontech und Pfizer.

Großbritannien, das 100 Millionen Dosen des AstraZeneca-Vakzins geordert hat, prescht mit der Genehmigung ebenso vor wie schon bei der Zulassung des Impfstoffes von Biontech und Pfizer. Als weltweit erstes Land hatten die Briten den Impfstoff der Mainzer schon Anfang Dezember zugelassen, die EU-Genehmigung erfolgte erst am 21. Dezember. Eine Zulassung erteile die Europäische Arzneimittelagentur EMA erst dann, „wenn wir uns sicher sind, dass das Produkt sicher, qualitativ hochwertig und wirksam ist“, hatte EMA-Chefin Emer Cooke erklärt.

Für die europäische Zulassung des AstraZeneca-Produktes noch im Jänner hatte der stellvertretende EMA-Direktor Noel Wathion zuletzt nur geringe Chancen ausgerechnet. „Sie haben noch nicht einmal einen Antrag bei uns gestellt“, sagte er. Die bisher erhaltenen Informationen reichten nicht aus. „Wir benötigen zusätzliche Daten zur Qualität des Impfstoffs.“

Vor allem Großbritannien und Südafrika haben mit neuen Varianten des Coronavirus zu kämpfen, die nach ersten Erkenntnissen ansteckender sein könnten. Viele Länder haben darauf reagiert und Passagierflüge untersagt, darunter auch Österreich. AstraZeneca und andere Entwickler haben angekündigt, die Auswirkungen der Mutationen zu untersuchen, erwarten aber, dass ihre Impfstoffe dagegen wirksam sind.

Auch in Österreich soll das Vakzin von AstraZeneca zukünftig zum Einsatz kommen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich erfreut über die Zulassung in Großbritannien gezeigt. „Ich möchte dem Vereinigten Königreich zur Zulassung eines weiteren Impfstoffs, nämlich von AstraZeneca, gratulieren. Das ist ein wichtiger Schritt im Kampf gegen die Pandemie. Ich hoffe nun auf eine rasche Zulassung in der EU unter Einhaltung aller wissenschaftlichen Standards“, sagte Kurz in einer Stellungnahme an die APA. Der Impfstoff von AstraZeneca soll für die breite Bevölkerung in Österreich ausgerollt werden.

„Wir sind von Anfang an von einer Zulassung im Februar 2021 ausgegangen“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bereits am Dienstag gegenüber der APA. „Danach haben wir auch unsere Impfstrategie ausgerichtet. AstraZeneca kommt als Impfstoff spätestens ab dem 2. Quartal 2021 zum Einsatz“, so der Ressortchef.

Eine EU-weite Zulassung des Corona-Impfstoffs noch im kommenden Monat ist nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) „unwahrscheinlich“. Ein formaler Zulassungsantrag des Pharmaunternehmens sei bisher nicht bei der EMA eingegangen, teilte die Behörde der Nachrichtenagentur AFP mit. Ein Zeitplan für die Zulassung könne daher noch nicht aufgestellt werden.


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