Traurige Tournee-Premiere für Österreich-Stationen

Während die Skispringer dem Neujahrsbewerb in Garmisch-Partenkirchen entgegenfiebern, finden in Innsbruck und Bischofshofen die finalen Arbeiten für zwei historische Tournee-Premieren ohne Zuschauer statt. So sehr die Abwesenheit der Stimmungsmacher fehlt, bei den Österreich-Springen wird auf künstliche Aufwertung durch Pappkameraden oder virtuelle Fans auf LED-Wänden im Zielbereich verzichtet. Der Tenor: Stadionatmosphäre kann und soll nicht simuliert werden.

„Wir sind es gewohnt, dass gut 20.000 Zuschauer dabei sind, tausende Fahnen werden geschwungen und jetzt springen die Sportler in ein Stadion mit Totenstille“, sagte der in Bischofshofen ansässige Tournee-Präsident Johann Pichler. Virtuelle Fans waren laut ihm keine Option. „Die Firma ist auch an uns herangetreten. Der in Planica bemerkbare Effekt steht für uns aber in keinem Verhältnis zu den Kosten.“

Eine Tournee ohne Zuschauer habe sich vorher niemand vorstellen können, erklärte Alfons Schranz, der Chef des Organisationskomitees am Bergisel. „Der Sport bleibt der gleiche, aber die Atmosphäre fehlt. Der Hexenkessel Innsbruck wird uns abgehen.“ ÖSV-Topspringer Stefan Kraft räumte nach der Erfahrung von Oberstdorf sogar ein, „nicht die Anspannung und den letzten Nervenkitzel wie vor 30.000 Leuten“ verspürt zu haben. „Anders wäre es natürlich cooler.“

Die Vorbereitungen sind dennoch umfangreich. „Es fallen gewisse Themen wie Zuschauer weg, aber unser Lieblingsthema Corona macht das doppelt und dreifach wett“, betonte Bischofshofen-Generalsekretär Manfred Schützenhofer. „Es ist viel mehr Papierkrieg. Es muss alles kurzfristig passieren, weil sich die Regeln auch ständig ändern.“

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Corona verlangt Abstand und damit Platz, der in Bischofshofen schon vorher knapp war. „Nehmen wir die Medien her: Das ZDF brauchte vor Corona zwei Container, jetzt sind es acht. Für uns bedeutet das achtmal Strom, achtmal Internet und überall im Hintergrund Hygienekonzepte - wir haben allein im Stadion 15 Scan-Punkte für die verschiedenen Zonen.“ Analog zu Ski-Weltcups kommt das Corona-Veranstaltungskonzept des ÖSV zum Tragen. Farblich markierte Zonen separieren Sportler und Betreuer (rot), Mitarbeiter (blau) und Presse (gelb). Dies soll im Anlassfall das Contact Tracing erleichtern.

Zudem müssen die etwa 1.000 am Event beteiligten Personen „Covid-gerecht“ verköstigt werden, nachdem die umliegende Gastronomie durch den Lockdown geschlossen hat. Schranz bedankte sich bei den circa 180 freiwilligen Helfern in Innsbruck. „Die nehmen die Testungen in Kauf und sind mit Begeisterung und Herz dabei. Sonst wäre so eine Veranstaltung schwer realisierbar.“


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