KSV erwartet in Tirol rund 330 Pleiten, Nachzieheffekt bis ins Jahr 2022

Pleiten-Nachzieheffekt wird sich bis weit in das Jahr 2022 ziehen. Doch selbst mit 50 % mehr Firmenpleiten wäre man erst am Niveau von 2010.

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© Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Innsbruck – Die drohende Pleitewelle nach den Corona-bedingten Aufschüben könnte heuer noch vergleichsweise moderat ausfallen, sich dafür aber bis weit in das Jahr 2022 ziehen. Grund sind die Verfahrensläufe nach einem etwaigen Ende der Hilfsmaßnahmen bzw. der Insolvenzmoratorien. „In den ersten sechs Monaten wird es heuer noch relativ ruhig sein, danach aber werden die Insolvenzen anziehen“, erklärt Klaus Schaller, Tirol-Chef des Gläubigerschutzverbandes KSV1870. Konkret erwartet er heuer für Tirol rund 330 Firmeninsolvenzen. „Das würde nur leicht über dem Niveau von 2019 liegen“, so Schaller.

2019 lag Tirol bei 309 Firmeninsolvenzen (eröffnete und nicht eröffnete Verfahren). Dafür, dass der Nachzieheffekt der Corona-bedingten Insolvenz-Blockade heuer nicht deutlich höher ausfällen dürfte, gebe es mehrere Gründe. „Corona-Stundungen etwa laufen noch bis Ende März. Danach werden die öffentlich-rechtlichen Gläubiger in die Gänge kommen. Bis das Insolvenzverfahren danach läuft, vergeht wieder einige Zeit.“ Bislang gestundete Beträge würden zudem nicht auf einen Schlag zurückgezahlt werden müssen, was angeschlagenen Unternehmen weitere Zeit verschafft. Weiters hänge die Zahl der eröffneten Insolvenzen auch von den Kapazitäten bei den Bezirksgerichten ab.

Daher werde die drohende Pleitewelle bis in das Jahr 2022 rollen. „Für 2022 erwarten wir, anders als 2021, für das gesamte Jahr deutlich höhere Zahlen. Wir gehen davon aus, dass wir 2022 bei den Firmeninsolvenzen über dem Niveau der letzen fünf Jahre liegen werden.“ Auch dies sei aber zu relativieren, denn in Tirol sei das Insolvenzniveau auch in den Jahren vor Corona extrem niedrig gewesen. „Selbst bei einer Zunahme der Insolvenzen um 50 Prozent im Vergleich zu 2019 hätte man das Niveau von 2010“, schildert Schaller.

Was die von der grünen Justizministerin Alma Zadić angekündigte Insolvenzrechtsreform betrifft, geht es laut Schaller hauptsächlich um Privatpleiten. Es sei angedacht, die Schulden-Rückzahlungsdauer erneut zu verkürzen, und zwar von fünf auf drei Jahre und ohne Mindestquote. Auch für überschuldete Privatpersonen sei der Gang zum Bezirksgericht zwar positiv, weil sie dadurch ihre Finanzprobleme wieder in den Griff bekommen und auch Gläubiger etwas von ihrem Geld sehen. Aber: „Von einer solchen Reform würden wieder die Konsumschuldner extrem profitieren, weil sie nach drei Jahren schuldenfrei wären“, kritisiert der Gläubigerschützer. (mas)


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