Online-Schau zu Kriegsende in Tirol: Bilder der Verwüstung und des Aufbruchs

Im Zentrum von Kundgebungen 1945/46 stand nach wie vor das Schicksal Südtirols. Einsehbar ist die TAP-Ausstellung online.
© Landesbildstelle Tirol

Innsbruck – Wiederzuerkennen ist dieser Teil der Maria-Theresien-Straße auf den Motiven von 1945 nicht mehr. Halb zerstört ragt noch der Kirchenturm der Spitalskirche zum Heiligen Geist in die Höh­e. Daneben klafft ein großes Loch. Von den Bombenangriffen zu Ende des Zweiten Weltkriegs verwüstet wurde ebenso der Lienzer Hauptplatz. Auch vom Bozner Dom sind nur noch Ruine­n geblieben. In einer zum Anlass des Kriegsendes vor 75 Jahren initiierten virtuellen Schau des TAP (Tirol Archi­v Photographie) kann man sich online durch Bilder der Zerstörung in Nord- und Südtirol klicken.

Die Schau „Tirol/Südtirol 1945/46: Zwischen Hoffnung und Ernüchterung“ in 35 Bildfolgen wurde von TAP-Archivleiter Martin Kofler kuratiert und mit aufschlussreichen Texten sowie Tipps zu weiterführender Literatur versehen, die Interessierte von den Luftangriffen über das Kriegsende in den neuen Alltag führen.

Die Dokumentationen vom Vormarsch der US-Soldaten im Außerfern, von italienischen Partisanen im Pustertal oder der Deutschen Wehrmacht in Kitzbühel werden bewusst mit privaten Motiven, etwa vom Sonnenbaden am Pragser Wildsee oder einer Zillertaler Hochzeitsgesellschaft, konfrontiert – privates und öffentliches Leben verschmelzen.

Die Bilder der Zerstörung erzählen also auch vom Aufbruch, gerade im Motiv der emsigen „Trümmerfrauen“ von Innsbruck. Die Bilder erzählen zudem von der Ungewissheit, besonders auf politischer Ebene: Im Zentrum der Kundgebungen steht nach wie vor das Schicksal Südtirols.

Heute sollen die Fotografien „mahnen, dass Freiheit und Demokratie nie etwas Selbstverständliches sind, sondern Verantwortung und Zivilcourage von allen erfordern“, so TAP-Obmann Richard Piok anlässlich der „Eröffnung“ der virtuellen Schau. Das TAP, für Piok der „visuelle Gedächtnisspeicher“ Tirols, wird vom Land Tirol und den Städten Lienz, Bruneck und Meran getragen. Das Land Tirol unterstützt TAP 2021 mit 50.000 Eur­o. (bunt)


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