Wiener Volkskundemuseum geht optimistisch ins Neue Jahr

Für das Wiener Volkskundemuseum hatte das Jahr 2020 nicht schlecht begonnen: Als eine von wenigen Kulturinstitutionen fand es sich explizit in der Regierungserklärung. Eine „zukunftsweisende Lösung zwischen Bund, Stadt Wien und Trägerverein“ wurde in Aussicht gestellt, um die Zukunft des Museums zu sichern. Wie steht es ein Jahr danach? Die APA hat bei Direktor Matthias Beitl nachgefragt. Dieser ist durchaus optimistisch.

Corona habe auch hier alles überschattet, sagt der Museumschef, „aber es hat sich schon etwas getan“. Es habe Treffen zwischen Bund und Stadt gegeben, und speziell auf Beamtenebene gebe es ein großes Bekenntnis zu nachhaltigen Lösungen. „Aber das Ganze ist natürlich ein politisches Thema. Es geht ja doch um Geld.“ Auf 16 bis 20 Millionen Euro wird die Sanierung des Anfang des 18. Jahrhunderts von Johann Lukas von Hildebrandt errichteten Gartenpalais Schönborn in Wien-Josefstadt geschätzt, in dem das Volkskundemuseum seit 1917 eingemietet ist. „Das Dach hält gerade noch zusammen und muss unbedingt neu gemacht werden. Die Elektroinstallationen stammen aus den 80er-Jahren.“ Auch das jährliche Betriebsbudget, bei dem der Bund zuletzt auf 640.000 Euro erhöht hat, und die ebenfalls vom Bund getragenen Personalkosten von rund 900.000 Euro brauchen eine Steigerung. „Ideal wären rund drei Millionen Euro jährlich, also eine Million mehr als jetzt.“

Die Coronakrise hat das Volkskundemuseum deutlich weniger hart getroffen als andere Museen. Schon vor der Pandemie war 2020 als ein „Zwischenjahr“ ohne Sonderausstellungen aber dafür mit vielen Sammlungs- und Forschungsprojekten geplant gewesen - und auch jetzt führt Beitl durch viele leere Säle. Klassische Ausstellungen mit Vitrinen und Schautafeln spielen im Museumskonzept schon jetzt nur eine untergeordnete Rolle - trotz der umfangreichen, extern gelagerten Bestände an Ethnographica. Diese sind übrigens nicht durch eine neue Abteilung an Corona-Erinnerungsstücken gewachsen. „Wir haben uns bewusst dem Hype entzogen und weder Klopapier noch Babyelefanten gesammelt - das haben eh‘ unzählige andere Institutionen gemacht. Wir haben uns auf eine Fotocollage beschränkt.“

Getroffen wurde das Museum durch die Schließung des Cafés im Erdgeschoß und den Ausfall der Vermietungen, auf der anderen Seite schaffte man es, die Vermittler lediglich für drei Monate zu Kurzarbeit anzumelden. „Darauf sind wir stolz. Schließlich gibt es bei uns auch ohne Publikumsöffnung genug zu tun.“

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Das künftige Funktionsprogramm, mit dem der Museumsleiter die Fördergeber überzeugen möchte, lässt ein modernes „Museum der Zukunft“ erahnen: Ausgehend von den Sammlungen Teilnahme am öffentlichen gesellschaftlichen Diskurs durch Veranstaltungen in- und außerhalb des Hauses, breite Einbeziehung unterschiedlichster gesellschaftlicher Gruppen auf allen Ebenen steht dabei im Zentrum. „Es ist ein multidisziplinärer Ansatz und ein Versuch des kooperativen Arbeitens. Es geht dabei um ein Nachdenken, welchen Nutzen Menschen von diesem Haus und von der Wissenschaft, die hier betrieben wird, haben.“ Touristen spielen in dem Konzept keine Rolle, umso mehr die aus allen Teilen der Welt stammende Wohnbevölkerung Österreichs. „Ich merke, dass in den vergangenen Monaten hier auch allgemein ein Umdenken stattgefunden hat, ein Wiederentdecken unserer eigenen Gesellschaft. Auch das KHM warb plötzlich mit ‚Dein Breughel‘ oder ‚Deine Saliera‘.“

Besonders interessant findet Beitl, ob die noch nicht überstandene Coronakrise institutionelle Lernprozesse in Gang gesetzt hat. „Wir haben in den vergangenen Monaten einen dramatischen Wandel unserer Arbeitsprozesse erlebt. Eine der Fragen wird sein, wie man mit neuen Organisationsmodellen darauf reagieren kann. Für uns heißt das: Wie können wir das Museum als kreativen Ort nutzen, an dem projektorientiert und nachhaltig gearbeitet werden kann?“ Die schöne neue Museumszukunft im renovierten Volkskundemuseum wird jedenfalls noch ein wenig auf sich warten lassen. Geht alles gut, sei frühestens 2024 mit einem Baubeginn zu rechnen, sagt Matthias Beitl.

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

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