LH Platter: „Tirol will Covid-Impfungen selbst koordinieren“

Landeshauptmann Günther Platter kritisiert „Wirr-Warr“ um Impfplan. Zugewiesene Impfdosen sollen an Länder geliefert und durch sie auch verteilt werden.

Das Land Tirol will sich nicht mehr auf den Bund verlassen und die Corona-­Impfungen jetzt selbst in die Hand nehmen.
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Von Peter Nindler

Innsbruck — Es läuft unrund zwischen den Bundesländern und der Bundesregierung. Und es muss schon viel passieren, dass dem Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (VP) der Geduldsfaden reißt. Doch bei der Corona-Impfung ist es jetzt so weit, Platter hat kein Verständnis mehr für die aktuellen Blockaden. „Das Land Tirol will mit den Tiroler Gemeinden die Covid-Impfungen nun selbst in die Hand nehmen und koordinieren", sagt er im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Dazu führe er derzeit Gespräche mit dem Bund. Die an die Länder zugewiesenen Impfdosen müssten geliefert und durch sie verteilt werden. 12.000 Impfdosen hat das Land am Mittwoch abgerufen.

„Durch den aktuell bürokratischen Bestellvorgang haben die Länder kaum noch eine Übersicht.“ – LH Günther Platter
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„Durch den aktuell bürokratischen Bestellvorgang haben die Länder kaum Übersicht, wer bereits bestellt hat und wie viel Impfstoff noch verfügbar ist", kritisiert der Landeshauptmann. Die Bestellungen müssten bei den Ländern zusammenlaufen und von dort verteilt werden. „So kann kurzfristig reagiert werden und zudem ist es möglich, überzählige Impfdosen unverzüglich zuzuweisen. Es darf nicht sein, dass Impfdosen in Wiener Lagern herumstehen — wir müssen so rasch wie möglich alle vulnerablen Gruppen durchimpfen." Daher sei es gut, dass der Bundeskanzler und der Gesundheitsminister eine neue notwendige Dynamik in den Impfplan gebracht hätten, fügt Platter hinzu.

Für den Landeshauptmann sind die Tiroler Gemeinden und niedergelassenen Ärzte der Schlüssel für die schnelle Versorgung aller über 85-Jährigen und Risikogruppen. „Sie haben Zugang und die Daten der über 85-Jährigen und weiterer vulnerabler Gruppen. Ich habe dazu heute auch bereits mit Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf gesprochen, der die Unterstützung der Gemeinden zugesagt hat." In der Pandemie müssten die Aufgaben von jener Ebene durchgeführt werden, die sie am besten abwickeln könne. Platter: „Beim Einkauf und der Logistik mögen dies die Europäische Union und der Bund sein, die Verteilung und Versorgung muss aber nahe bei den Menschen im Land und den Gemeinden passieren."

Nach den Plänen des Landes soll in den nächsten Tagen und Wochen nicht nur in den Alten- und Pflegeheimen geimpft werden. Neben dem Gesundheitspersonal wird die Impfung für alle über 85-Jährigen zugänglich gemacht. Hierzu setzt das Land auf niedergelassene Ärzte, individuelle Lösungen in den Gemeinden und Impfstraßen. Übernächstes Wochenende sollen sie bereits eingerichtet werden.

SP-Chef gegen Tests durch die Hintertür

Der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer will keine Testpflicht und schon gar keine Impfpflicht durch die Hintertür. Er habe jedes Verständnis für sinnvolle, durchdachte und nicht überschießende Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Infektionen. Zutrittstests wären jedoch „nichts anderes als eine Testpflicht über die Hintertüre und somit eine Umgehung des Gesetzes und die Aushöhlung unserer persönlichen Freiheitsrechte. So etwas darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen.“ Er, betont Dornauer, werde sich deshalb innerhalb seiner Partei dafür einsetzen, dass die Fragen rund um Zutrittstests einer eingehenden Prüfung unterzogen werden, statt der Bundesregierung eine Blanko-Zustimmung auszustellen.


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