Starkes Literaturjahr mit Schalko, Helfer, Franzobel und Co

Noch sind die Buchhandlungen lockdownbedingt geschlossen - doch die Lieferungen mit den ersten Neuerscheinungen des neuen Jahres sind bereits im Anrollen. Aus österreichischer Sicht steht ein starker Start ins Literaturjahr 2021 bevor. In den nächsten Wochen werden neue Bücher u.a. von David Schalko, Monika Helfer, Franzobel, Norbert Gstrein und Gerhard Roth ausgeliefert. Im März folgen eine Erzählung von Peter Handke und ein neuer Roman von Christoph Ransmayr.

Den Auftakt macht bereits in der kommenden Woche „Bad Regina“, ein neuer Roman des Autors und Regisseurs David Schalko. Die Geschehnisse in einem einst boomenden, nun von fast allen Bewohnern verlassenen und von einem chinesischen Investor aufgekauften Alpenort dienen dabei als Parabel auf den Untergang Europas. Peter Fabjans Erinnerungen an „Ein Leben an der Seite von Thomas Bernhard“ folgen bei Suhrkamp am 16. Jänner, anlässlich des 90. Geburtstag Thomas Bernhards, der am 9. Februar begangen wird. „Der Halbbruder erinnert sich darin offenherzig, freimütig und ehrlich an die Licht- aber auch Schattenseiten des gemeinsamen Lebens“, kündigt der Verlag an.

Der Amalthea Verlag bringt am 18. Jänner Reinhold Bilgeris Roman „Die Liebe im leisen Land“ heraus. Der Vorarlberger Musiker und Regisseur hatte von seinem ersten Roman „Der Atem des Himmels“ über 65.000 Exemplare verkaufen können. Sein neuer Streich spielt im New York der Pandemiezeit. Eine Woche später folgt dann Bilgeris Landsfrau Monika Helfer. Sie lässt ihrem Riesenerfolg „Die Bagage“ eine Fortsetzung folgen: In „Vati“ (Hanser) schreibt sie ihre eigene Familiengeschichte weiter. Zeitgleich erscheint Franzobels neuer großer Historienroman „Die Eroberung Amerikas“. Dabei geht es zurück ins 16. Jahrhundert: „Ferdinand Desoto hatte Pizarro nach Peru begleitet, dem Inkakönig Schach und Spanisch beigebracht, dessen Schwester geschwängert und mit dem Sklavenhandel ein Vermögen gemacht. Er war bereits berühmt, als er 1538 eine große Expedition nach Florida startete, die eine einzige Spur der Verwüstung durch den Süden Amerikas zog. Knapp 500 Jahre später klagt ein New Yorker Anwalt im Namen aller indigenen Stämme auf Rückgabe der gesamten USA an die Ureinwohner“, verrät der Zsolnay Verlag über den Plot.

Der Februar startet mit Margit Schreiners „Vater. Mutter. Kind. Kriegserklärungen - Über das Private“ (Schöffling & Co). Mitte Februar erscheint „Der zweite Jakob“ von Norbert Gstrein bei Hanser. Auch Gstreins Buch führt in den Süden Amerikas. Dem Schauspieler Jakob, über den ein Verlag eine Biografie zu seinem 60er plant, stellt seine Tochter die Frage: „Was ist das Schlimmste, das du je getan hast?“ Und so erinnert er sich an einen Filmdreh an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. In „Junischnee“ (Zsolnay) setzt Ljuba Arnautovic wie schon in ihrem Debütroman „Im Verborgenen“ bei ihrer Familiengeschichte an. Für die in die Sowjetunion geschickten „Schutzbundkinder“ wandelt sich das Leben brutal, als Hitler den Pakt mit Stalin bricht.

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Für 24. Februar angekündigt ist der Abschlussband von Gerhard Roths Venedig-Trilogie „Es gibt keinen böseren Engel als die Liebe“ (S.Fischer). Im Mittelpunkt steht die Kunsthistorikerin Lilli Kuck, die nach Venedig reist, nachdem ihr Mann Klemens, ein berühmter Comiczeichner, dort unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen ist. Sie gerät dabei „in eine märchenhafte Welt der Schönheit und des Todes“, wie es in der Ankündigung heißt. Der Verlag Jung & Jung bringt am 26. Februar den Erzählband „Die Welt gegenüber“ von Eva Schmidt, Olga Flors Roman „Morituri“, vom Verlag als sarkastische und witzige „Tour de Force durch die Niederungen der österreichischen (Polit-)Landschaft“, sowie ein Lesebuch mit österreichischen Autorinnen der Zwischenkriegszeit „Mein Leben sieht genauso aus wie ich“.

Im Wallstein Verlag erscheinen im März „Das Glück ist eine Bohne und andere Geschichten“ von Teresa Präauer und „Nil“, ein „hochliterarischer Roman über die prophetische Kraft des Schreibens“ von Anna Baar. Gegen Ende März legen zwei Schwergewichte der österreichischen Literatur Neuerscheinungen vor: „Mein Tag im anderen Land“ heißt eine nur wenige Dutzend Seiten umfassende „Dämonengeschichte“, die Suhrkamp von Nobelpreisträger Peter Handke ankündigt. Er „erzählt von Dämonen, die ihren Schrecken verlieren im Blick desjenigen, der sagt: ‚Da bist du mir ja wieder, mein Freund!‘“, heißt es. „Er erzählt von einer poetischen Verwandlung, einer Befreiung, die neben den Harmonien das ‚unausrottbar Widerständige‘ bewahrt“. „Der Fallmeister - Eine kurze Geschichte vom Töten“ heißt der neue Roman von Christoph Ransmayr, der bei S. Fischer erscheint. „Der Fallmeister“ ist ein Schleusenwärter, der das Ertrinken von fünf Menschen nicht verhindern konnte. „Als der Fallmeister verschwindet, glaubt sein Sohn nicht mehr an einen Unfall: Ist dieser zornige, von der Vergangenheit besessene Mann zum Mörder geworden?“ Die Suche nach der Wahrheit führt den Sohn „durch ein Europa, das in größenwahnsinnige Kleinstaaten zerfallen ist“, macht der Verlag neugierig.

Gleichzeitig erscheint bei S. Fischer „Adas Raum“, der erste Roman von Sharon Dodua Otoo, der Bachmann-Preisträgerin von 2016, die 2020 die Eröffnungsrede in Klagenfurt gehalten hat. Laut Verlag ist es „ein feministischer Roman in der Tradition Virginia Woolfs, der lange nachhallt“. Der früher auf Englisch schreibende Austro-Amerikaner John Wray gewann 2017 den Deutschlandfunk-Preis in Klagenfurt. „Madrigal“ heißt sein erster auf Deutsch geschriebener Erzählband, der am 21. April bei Rowohlt erscheint. Die in Innsbruck lebende Carolina Schutti war 2020 bei der Onlineausgabe des Wettlesens mit dabei. Ihr Roman „Der Himmel ist ein kleiner Kreis“ erscheint bereits im Februar bei Droschl, thematisiert unterschiedliche Konzeptionen von Freiheit und Identität und führt bis nach Sibirien. Egon Christian Leitner konnte heuer den Kelag-Preis einheimsen. Sein vom Wieser Verlag schon länger angekündigtes neues Mammut-Werk „Ich zähle jetzt bis drei“ erscheint nun hoffentlich im Frühjahr.

Und das ist wie immer noch lange nicht alles. Der Braumüller Verlag kündigt u.a. Jürgen Kaiziks „Ich und der Andere“, Michael Dangls Roman „Orangen für Dostojewskij“, in dem der große russische Autor auf Gioachino Rossini trifft, und Bernd Schuchters zur Zeit der Pariser Commune spielenden Roman „Gustave Courbet und der Blick der Verzweifelten“ an. Bei Picus erscheinen u.a. Thomas Sautners „Die Erfindung der Welt“, Felix Kuchers Roman „Sie haben mich nicht gekriegt“, in dem Tina Modotti eine Hauptrolle spielt, sowie Ivan Ivanjis „Corona in Buchenwald“. Im wie immer dichten Programm von Zsolnay finden sich auch „Bogners Abgang“ von Hans Platzgumer und Franz Schuhs „Lachen und sterben“. Der Milena Verlag kündigt u.a. Silvia Pistotnigs „Teresa hört auf“ an, der Drava Verlag den 900-Seiten-Roman „Zizek in Teheran“ des in Graz geborenen und in Wien lebenden Psychiaters und Autors Sama Maani. Der Haymon Verlag lockt u.a. mit den Debüts von Katharina Schaller („Unterwasserflimmern“) und Fabian Neidhardt („Immer noch wach“), Müry Salzmann mit dem im Kunstbetrieb spielenden ersten Roman der Wienerin Flora S. Mahler („Julie Leyroux“) und Luftschacht mit Anna Felnhofers Episoden-Roman „Schnittbild“. Kremayr & Scheriau setzt u.a. auf „Ameisenmonarchie“ von Romina Pleschko und Renate Silberers „Hotel Weitblick“.

Vom Otto Müller Verlag sind u.a. neue Romane von Birgit Müller-Wieland („Vom Lügen und vom Träumen“) und Rudolf Habringer („Leirichs Zögern“) angekündigt. Zum 100. Geburtstag von H.C. Artmann am 12. Juni bringt der Verlag die 12. Neuauflage des 1958 erstmals erschienenen Kultbuchs „Med ana schwoazzn dintn“. Im Residenz Verlag erscheint am 1. Juni eine große Artmann-Biografie von Veronika Premer und Marc-Oliver Schuster. Im übrigen Frühjahrsprogramm von Residenz finden sich u.a. Mieze Medusas Roman „Du bist dran“ (26. Jänner), der im Jahr 1938 spielende erste Roman des oberösterreichischen Dramatikers Thomas Arzt („Die Gegenstimme“, 23. Februar), sowie Mitte März „Das Märchen vom Glück“ von Peter Rosei, der am 17. Juni seinen 75. Geburtstag feiert.

Viel Stoff also in diesem Winter und Frühling für ausgiebige Leseabende. Und nicht vergessen: Bücher per Telefon oder online bestellen geht immer!


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