Kostelka will gratis Corona-Tests vor Seniorenheimen

Der Präsident des überparteilichen Seniorenrates und des SPÖ-Pensionistenverbandes, Peter Kostelka, hat sich dafür ausgesprochen, am Eingang von Senioren- und Pflegeheimen kostenlose Corona-Tests für Besucher anzubieten. Im APA-Interview argumentierte Kostelka, dass man damit die Sicherheit der Bewohner gewährleisten und gleichzeitig ihre Vereinsamung verhindern könne. Nach dem Test- und Masken-Chaos dürfe man nun kein Impfchaos verursachen, warnte Kostelka.

Die Vereinsamung von Menschen nehme ihnen die Lust am Leben und sei deshalb sehr gefährlich, warnte der derzeit vorsitzführende Präsident des Seniorenrates. Bis eine ausreichende Zahl an Menschen geimpft ist, könnten aber nur Personen mit negativem Test Heimbewohner besuchen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Kostelka fordert daher, dass am Eingang der Heime kostenlose Tests angeboten werden sollten.

Eine Impfpflicht für die ältere Generation und speziell für Heimbewohner lehnt Kostelka ab. Er verweist darauf, dass ohnehin mehr als zwei Drittel zur Impfung bereit seien. Für Betreuer und Betreuerinnen kann er sich jedoch vorstellen, die Impfung zu einer „Berufsvoraussetzung“ zu machen. Das würde bedeuten, dass neu eingestellte Beschäftigte in diesem Bereich sich jedenfalls impfen lassen müssten. Bei jenen, die bereits in diesem Job arbeiten, will Kostelka zunächst ohne Verpflichtung zur Impfung auskommen. Nur wenn das nicht funktionieren sollte, würde er auch für diese Personengruppe über eine Pflicht diskutieren wollen.

Der Seniorenratspräsident warnte davor, dass nach dem Test- und dem Masken-Chaos nun auch ein Impfchaos drohe. Das vor Weihnachten abgegebene Versprechen, wonach Personen über 65 je zehn kostenlose FFP2-Masken bekommen, sei bis jetzt nicht eingehalten worden. Außer „ein paar Alibi-Versendungen“ sei nichts geschehen, die meisten Senioren hätten die Masken noch nicht erhalten, kritisierte Kostelka.

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Und bei den nun anlaufenden Impfungen sei eine genaue Strategie bisher nicht bekannt. Für Kostelka ist es daher „mehr als eine Befürchtung“, dass es ebenso wie bei den Masken und den Massentests auch hier zu einem Chaos komme. Er begrüßt zwar, dass die Regierung den allgemeinen Impfstart doch vorgezogen hat. Aber man wisse immer noch nicht genau, wer wann wo geimpft werden soll. Dass tausende Impfdosen nicht gleich verimpft wurden, hält Kostelka für eine „grobe Fahrlässigkeit“. Und die Vereinbarung, dass die Länder die Verimpfung vor Ort selbst koordinieren sollen, ist für Kostelka offenbar der Versuch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), „die Zuständigkeit den Ländern zu übertragen, um sich selbst nicht die Finger schmutzig zu machen“.

Die Entwicklung bezeichnete der Seniorenrats-Präsident als „dramatisch“. Binnen zweieinhalb Monaten sei die Zahl der Corona-Toten um 560 Prozent auf rund 6.500 angestiegen, rund 43 Prozent davon in Heimen. Deshalb sei es auch richtig, dass die Heime erster Adressat bei den Impfungen seien. Aber gleichzeitig müssten auch die Senioren außerhalb der Heime geimpft werden. Die Menschen innerhalb und außerhalb der Heime müssten gleichgestellt werden, es dürfe da keine Privilegierung geben. Kostelka verwies darauf, dass es rund 475.000 Menschen über 80 und 770.000 zwischen 70 und 80 Jahren gebe. Das bedeute, dass rund 1,25 Millionen demnächst zu impfen seien. Dazu mahnte er eine präzise Vorbereitung ein.

Bezüglich der für das heurige Jahr von der Regierung angekündigten, großen Pflegereform fehlen dem Seniorenrats-Präsidenten noch die Details. Die bisher bekannten Überschriften, wie die Festlegung auf eine Budgetfinanzierung, die Notwendigkeit von 75.000 bis 100.000 zusätzlichen Pflegekräften in zehn Jahren oder die Verschränkung von Gesundheits- mit Pflegeeinrichtungen begrüßt Kostelka zwar. Aber noch sei unklar, wie viel Geld dafür notwendig sei und es handle sich nach wie vor nur um Versprechen: „Es gibt noch keinen Realisierungssilberstreif am Horizont.“

Kostelka unterstützt auch das Ziel, dass die Menschen so lange wie möglich zu Hause gepflegt werden. Dazu müsse es aber Unterstützung geben, wofür es viele verschiedene Modelle gebe. Die Rolle der im Regierungsprogramm angekündigten Community Nurses sei etwa noch offen. Um das nötige Pflegepersonal zu bekommen, müssten die Arbeitsbedingungen verbessert und die nötigen Ausbildungseinrichtungen geschaffen werden. Wenn im Herbst die dafür nötigen Schulen nicht öffnen, verliere man noch ein Jahr, nachdem die große Reform eigentlich schon 2019 hätte starten sollen. Der von der Regierung geplanten Pflege-Lehre will sich Kostelka zwar nicht verschließen. Er befürchtet aber, dass diese den Großteil der Probleme nicht lösen werde, weil sich nicht allzuviele Jugendliche dafür interessieren würden und von diesen dann auch nur ein kleiner Teil tatsächlich im Beruf bleiben werde.


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