Bischof Glettler kritisiert Kurz scharf: „Hilfe vor Ort nur noch zynisch“

Innsbrucks Diözesanbischof Hermann Glettler fordert die Aufnahme von Flüchtlingen aus Lesbos. Harsche Kritik übt er am Kanzler.

© Diözese Innsbruck

Innsbruck – „Erschüttert von den aktuellsten Berichten und Fotos aus dem Flüchtlingslager auf Lesbos“ hat Innsbrucks Diözesanbischof Hermann Glettler jetzt aufgehört, an ein Weihnachtswunder der österreichischen Bundesregierung in der Causa Lesbos zu glauben und auf ein solches zu hoffen. „Jetzt braucht es ein entschlossenes Handeln. Worauf warten? Bis es Erfrorene in den Lagern gibt? Bis die Zustimmungsquote für eine längst fällige Entscheidung den Bundeskanzler überzeugt? Unzählige Einzelpersonen und Aktivgruppen wollen sich nicht mehr damit abfinden. Die Zeit des geduldigen Wartens geht zu Ende – weil es um konkrete Menschen mit ihren unerträglichen Schicksalen geht“, wendet sich Glettler an die türkis-grüne Regierung in Wien und an alle politischen Entscheidungsträger.

Glettler hat Anfang Dezember die Flüchtlingslager besucht. „Die neuesten Fotos aus dem Notlager Kara Tepe verbieten allen, die sich eine Restmenge an Empathie bewahrt haben, ein politisches Taktieren. Eine Woche mit anhaltenden Regenfällen hat auf der Insel begonnen. Die Temperaturen während der Nacht werden laut Prognose in den kommenden Tagen auf 5 Grad fallen. Und in der 16-Tage-Prognose bleiben sie auf diesem erschreckenden Tiefstand. Die Rede von einer ‚Hilfe vor Ort‘ als Ersatz für eine Evakuierung des Lagers ist angesichts dieser winterlichen Temperaturen nur mehr zynisch.“

Einmal mehr wiederholt Glettler seinen Appell, jetzt 100 Familien aufzunehmen. „Ohne Wenn und Aber.“ Über alle Parteigrenzen hinweg sollte Österreich den längst fälligen Beitrag zur Beendigung der elendigen Situation auf Lesbos leisten. „Jedes politische Kalkül auf Kosten dramatisch notleidender Menschen ist ein Hohn jeder christlich-sozialen Politik“, erklärt der Innsbrucker Bischof abschließend. (pn)


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