Digitalisierungs-Boom pusht IT-Branche, Fachkräfte fehlen in Österreich

IT-Themen sollten bereits im Kindergarten behandelt werden, fordern Branchenvertreter. Verschlüsselungsverbot bedrohe die Privatsphäre.

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Rund jede vierte in Tirol ausgeschriebene Stelle im IT-Bereich kann nicht besetzt werden, zeigt eine Erhebung des Fachverbandes UBIT.
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Wien – Home-Office, Online-Konferenzen, neue Web-Shops: Die Corona-Krise hat 2020 das Geschäft von IT-Firmen und Beratern kräftig angekurbelt. „Corona hat einen Digitalisierungsboom ausgelöst“, sagte der WKO-Fachverbandsobmann für Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT (UBIT), Alfred Harl, bei einer Online-Pressekonferenz.

Harl ortet bei heimischen Unternehmen teilweise dennoch „viel Handlungsbedarf“ bei Digitalisierung und Cyber­security. Neben IT-Firmen haben auch Buchhalter und Unternehmensberater den von der Corona-Krise betroffenen Betrieben unter die Arme gegriffen, etwa mit Dienstleistungen im Bereich Liquiditätssicherung, Überbrückungskredite und Kurzarbeit.

Jedoch hat der Digitalisierungs-Schub den Fachkräftemangel in der Branche weiter verschärft: Schätzungsweise fehlen 24.000 IT-Fachkräfte in Österreich. In Tirol bleibe rund jede vierte ausgeschriebene Stelle in der Branche unbesetzt. In fünf Jahren könnten bis zu 30.000 IT-Fachkräfte fehle­n, warnt UBIT-Vize-Obmann Martin Zandonella. Durch die fehlenden Arbeitskräfte würde ein Wertschöpfungsverlust in Milliardenhöhe entstehen. Der WKO-Vertreter fordert Maßnahmen der Regierung gegen den IT-Fachkräftemangel. Fachhochschulen und Universitäten sollten im Bereich IT-Ausbildung mehr öffentliche Gelder erhalten und die teilweise hohe Drop-out-Quote bei den Studierenden müsse gesenkt werden, sagte Zandonella. Außerdem sei ein umfassender Informatik-Unterricht in den Allgemeinen höheren Schulen (AHS) notwendig und IT-Themen sollten auch schon im Kindergarten behandelt werden. Ohne diese Maßnahmen werde man nicht die nötigen Fachkräfte haben, warnte der WKO-Vertreter.

Zugleich steige aber bereits das Interesse junger Menschen an IT-Berufen. Die mit 700 Mio. Euro dotierte Corona-Joboffensive der Regierung würde zudem auch viele IT-Weiterbildungen fördern.

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UBIT-Obmann Harl fordert von der Regierung auch mehr Geschwindigkeit beim Breitbandausbau und eine „transparente Strategie“. Die veranschlagten 10 Mrd. Euro seien „noch lange nicht ausgeschöpft“. Harl plädiert auch für offene Breitbandnetze, damit kleine Betriebe sich an dem großen Markt beteiligen können.

Datenschutz werde in Zeiten steigender Digitalisierung immer wichtiger, betonen die Vertreter der 73.000 UBIT-Mitglieder. Diesen sehen sie aber aktuell durch den EU-Ministerrats-Beschluss zum Zugriff auf verschlüsselte Daten in Gefahr. Ein Verschlüsselungsverbot sei „nicht nur ethisch höchst bedenklich“, sondern öffne Hintertüren und heble eine sichere End-to-End-Verschlüsselung de facto aus. Sinnvoller sei es, in sichere, lokale Cloudlösungen zu investieren und Serviceprovidern für diese Lösungen mit Steuererleichterungen entgegenzukommen. (ecke, APA)


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