Krisenmanager am Jobmarkt: Auf Arbeitsminister Kocher warten viele Baustellen

Wirtschaftsforscher Kocher ist von Bundespräsident Van der Bellen als Arbeitsminister angelobt worden. Der Ökonom ist am Arbeitsmarkt mit vielen Baustellen konfrontiert.

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Zwei Ökonomen in der Hofburg: Bundespräsident Van der Bellen und der neue Arbeitsminister Kocher.
© APA-POOL

Wien — Wirtschaftsforscher Martin Kocher ist am Montag in der Hofburg von Bundespräsident Alexander Van der Bellen als neuer Arbeitsminister angelobt worden. Der 47-jährige Universitätsprofessor und bisherige Leiter des Instituts für Höhere Studien tritt die Nachfolge von Christine Aschbacher (ÖVP) (allerdings ohne die Agenden Familie/Jugend) an. Aschbacher ist nach einer Plagiatsaffäre zurückgetreten. Der gebürtige Salzburger ist parteifrei, zieht aber auf einem ÖVP-Mandat in die Regierung ein.

📽️ Video | Minister Kocher über seine Pläne für den Arbeitsmarkt

Van der Bellen verwies bei der Angelobung auf die „beeindruckende akademische Karriere" Kochers, der nun vor einer „sehr herausfordernden Aufgabe" stehe, wie Van der Bellen mit Blick auf die Corona-bedingte „schwere Beschäftigungskrise" des Landes sagte. „Zu deren Bewältigung braucht es fachliche Kompetenz und Expertise, die Sie zweifellos mitbringen, und vor allem — ich möchte das betonen — auch ein Auge auf den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft." Man müsse alles tun, um eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern — „und wir wollen in dieser Krise niemanden zurücklassen", so das Staatsoberhaupt.

Kocher betonte nach seiner Angelobung: Ganz entscheidend werde es sein, Arbeitsplätze zu schaffen — und dabei „auf alle Gruppen zu schauen". Man werde die Programme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in der derzeitigen Akut-Phase so gut es geht gestalten — aber auch nach Ende des Lockdowns und der aufrechten Schließungen, „um Menschen in Beschäftigung zu bringen".

Worum es geht und mit welchen Herausforderungen der künftige Krisenmanager am Jobmarkt zu kämpfen hat, belegen die Zahlen: Ende Dezember waren rund 521.000 Menschen, davon rund 227.000 Frauen und über 294.000 Männer, in Österreich ohne Job. Das ist ein Plus von knapp 28 Prozent gegenüber dem Jahr davor.

Der Höchststand seit dem Jahr 1945 war im vergangenen April mit 588.000 Jobsuchenden erreicht worden. Besonders stark hat die Corona-Krise die Arbeitslosenzahlen im Tourismus und Verkehrswesen in die Höhe schießen lassen. Zusätzlich waren Ende Dezember über 417.000 Personen in Kurzarbeit. Eine weitere Herausforderung für Kocher ist die hohe Langzeitarbeitslosigkeit und die Umsetzung der Corona-Joboffensive. (misp)

Kochers erste Rede im Parlament

Wien – Der Wechsel auf der Regierungsbank wirbelt auch das Programm des Nationalrats um. Denn der neue Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) soll dem Parlament so rasch wie möglich vorgestellt werden. Zudem muss das Bundesministerien-Gesetz geändert werden, da die Familien- und Jugendagenden aus dem Arbeitsressort ins Kanzleramt zu Frauen- und Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) wandern.

Ursprünglich war am Donnerstag zum Auftakt das neue Corona-Gesetz auf der Tagesordnung gestanden. Nunmehr kommt die Vorstellung Kochers und Raabs in deren neuer Rolle hinzu.

Am Mittwoch beschäftigt sich das Parlament auf Antrag der SPÖ mit dem vermeintlichen Impf-Chaos. Im Anschluss wird zudem eine Sitzung des Untersuchungsausschusses durchgeführt. (TT)


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