Pleitewelle rollt in zweiter Jahreshälfte in Österreich an

Geplante Gesetze könnten Privat- und Firmenpleiten stark steigen lassen. Stundungen von Steuern dürften nicht verlängert werden.

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Größte Tiroler Pleite 2020 war jene des US-Geschäfts des Holzverarbeiters Klausner mit 150 Mio. Euro.
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Wien, Innsbruck – Die Zahl der Insolvenzen ist im Vorjahr dank der staatlichen CoronaHilfen trotz Wirtschaftskrise gesunken. Für heuer erwartet der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) spätestens ab dem zweiten Halbjahr eine Insolvenzwelle. Aufgrund des „extremen Rückstaus an Insolvenzen und der Zunahme der verschuldeten Haushalte infolge des Verlusts Tausender Arbeitsplätze steht fest, dass auf Österreich eine Insolvenz­welle zukommen wird“, heißt es in einer Aussendung.

Die Einschätzung des Ausmaßes werde dadurch erschwert, dass ab Mitte des Jahres zwei geplante Reformen des Insolvenz- und Exekutionsrechts in Kraft treten sollen, „die sich auf den Anfall von Insolvenzen massiv auswirken werden“, so der AKV. Man rechne damit, dass die Stundungen der öffentlichen Abgaben und Beiträge über den 31. März 2021 hinaus nicht verlängert werden.

Bei der geplanten Reform des Exekutionsrechts soll laut AKV eine offenkundige Zahlungsunfähigkeit bereits in den Exekutionsverfahren aufgegriffen und veröffentlicht werden. Dann sollen die Gläubiger auf ein Insolvenzverfahren verwiesen werden. Im Fall einer Realisierung des Gesetzesvorhabens rechnet der AKV mit einer Zunahme von Gläubigeranträgen.

Neues Vollstreckungsverfahren bei Privatkonkursen

Bei den Privatkonkursen soll ein neues Gesamtvollstreckungsverfahren eingeführt werden, das auf Gläubigerantrag auch bei Fehlen kostendeckenden Vermögens erleichtert eröffnet werden kann. Damit würden Eröffnungen über Gläubigeranträge massiv zunehmen und könnten eine ähnliche Bedeutung wie bei den Firmeninsolvenzen bekommen, so der AKV, der langfristig mit einer 50-prozentigen Zunahme der Privatkonkurse rechnet.

Im Corona-Jahr 2020 sank die Zahl der Firmenpleiten laut AKV österreichweit um 41,4 Prozent auf 1784 eröffnete Verfahren und jene der Privatinsolvenzen um 23,6 Prozent auf 7256 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren. In Tirol gingen die Firmenpleiten um 51 Prozent zurück. Die Zahl der Privatinsolvenzen sank um 37 Prozent. (APA, TT)


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