Linzer Lentos und Nordico 2021 mit Fokus auf Künstlerinnen

Im Zeichen von Künstlerinnen und Zeitgeschichte steht das neue, reduzierte Jahresprogramm 2021 des Kunstmuseums Lentos in Linz. Es beginnt im Mai mit 170 Positionen zu „Wilde Kindheit“, einer Schau, „die die breite Bevölkerung ansprechen wird“, wie Direktorin Hemma Schmutz in einer Pressekonferenz am Dienstag sagte. Bis dahin will man den Besuchern die Gelegenheit geben, die Präsentation zu Franz Gertsch zu sehen, was im Herbst-Lockdown verwehrt war.

Schmutz hofft auf eine Öffnung der Museen im Februar und ist bereit, jegliches Prozedere dafür umzusetzen. „Wir sind der Meinung, dass ein Besuch im Lentos und Nordico weniger gefährlich ist, als Dinge, die man im Moment machen darf“, übte sie Kritik an den Schließungen. „Ein Live-Kunsterlebnis ist etwas anderes“, betonte Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP), jedoch seien auch digitale Kunsterlebnisse besonders. Mit Webinaren, dem Format „Spotlight on“, das auf einzelne Werke fokussiert, der Digitalisierung von Sammlungen und Rundgängen sei hier 2020 einiges passiert, so Schmutz. Außerdem wurden das äußere Erscheinungsbild und der Museumsshop im Lentos erneuert, der Online-Auftritt soll bis zum Frühjahr folgen.

2020 fiel ein Drittel des Museumsjahres aus, rechnete der kaufmännische Direktor Gernot Barounig vor. Immerhin gut 20.000 Menschen kamen ins Lentos, 7.000 ins Nordico. Man habe in einem Kraftakt ein ausgeglichenes Jahresergebnis ohne zusätzliche Mittel des Eigentümers geschafft. 40 Prozent der Umsätze seien entfallen. Von den Förderungen habe man als junge GmbH mit noch vielen öffentlich Bediensteten lediglich den Umsatzersatz im November voll nützen können.

Für 2021 kalkuliert Barounig mit einem unter den Vorjahren liegenden Budget von 4,2 bis 4,3 Mio. Euro, der Zuschuss der Stadt Linz bleibt mit 950.000 Euro gleich. Das Programm wurde entsprechend reduziert.

Nach der von Sabine Fellner und Elisabeth Nowak-Thaller kuratierten „Wilde Kindheit“ (12.5. bis 5.9.) zieht ab 24. September „Feministische Avantgarde aus der Sammlung Verbund“ an der Donaulände ein. Die Ausstellung tourte bereits international und „ist für uns spannend, weil der internationale mit dem regionalen Ansatz verbunden wird“, verwies Schmutz etwa auf die Linzer Künstlerin Auguste Kronheim, deren Werke vorkommen und der das Nordico 2018 eine Retrospektive widmete.

Im Untergeschoß des Lentos zeigt ab 24. März „Transformation und Widerkehr“ radikale Nationalismen im Spiegel der zeitgenössischen Kunst. Es folgen zwei Personalen zu Autodidaktin und Kubin-Freundin Emmy Haesele sowie zu Ida Maly, Künstlerin der goldenen 1920er-Jahre, die psychisch erkrankt in Schloss Hartheim ermordet wurde.

Im Nordico wurde die seit September laufende Schau „Graffiti und Bananas“ bis April 2021 verlängert. Ab 16. April kommt „Der junge Hitler - Prägende Jahre eines Diktators 1889 - 1914“ vom Haus der Geschichte in St. Pölten, allerdings mit neuen Forschungsergebnissen, wie Nordico-Leiterin Andrea Bina ankündigte.

Im September eröffnet die ursprünglich für 2020 geplante Ausstellung „Gebaut für alle“ über die Bauten des einstigen Stadtbaudirektor Curt Kuehne (1882-1963) und des Architekten im Stadtbauamt Julius Schulte (1881-1928), die das soziale Linz planten. Erstmals werden die Bauwerke auch in einem Katalog zusammengestellt.

250 Einsendungen erhielt das Stadtmuseum nach einem Aufruf im Frühjahr, die Linzer mögen ihre Corona-Erfahrungen dokumentieren und gemeinsam Stadtgeschichte schreiben. Eine kuratorische Auswahl findet Einzug in die Sammlung des Museums.


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