Aufwachsen während der NS-Zeit: Milser Christian Pittl mit erstem Buch

Der Milser Gemeindevorstand Christian Pittl erzählt in seinem ersten Buch von einer Jugend in der Zeit des Nationalsozialismus.

Die Hauptfigur in Christian Pittls Roman trägt viele Züge seines eigenen Vaters.
© Pittl

Mils – Christian Pittl, Jahrgang 1955, ist in Mils besonders als Gemeindepolitiker – und als fingerfertiger Schnitzer von Larven für die Matschgerer – bekannt. In den letzten Jahren hat der Polizeibeamte im Ruhestand aber auch seine literarische Ader entdeckt. So lieferte er die Vorlage für den Krimi „Fasnachtsfieber“, der von seinem Bruder Josef „Pep“ Pittl in ein Filmdrehbuch verwandelt und von der Volksbühne Mils und vielen weiteren Helfern auf die Kinoleinwand gehievt wurde.

Nun ist Christian Pittls erster Roman erschienen: „Zwischen Vogelscheuche und Hakenkreuz“ (Verlagshaus Schlosser) spielt im Raum Innsbruck und erzählt die Geschichte des Bauernbuben Konrad Sandbichler, der als Jugendlicher bzw. junger Mann die NS-Zeit miterlebt.

Das Buch setze sich aus einer Reihe von Geschichten zusammen, „die ich im Laufe der Zeit gehört und schon lange gesammelt habe“, erklärt Pittl. Nun habe er sich dazu aufgerafft, sie zu ordnen, zu verknüpfen und ihnen einen Höhepunkt und Abschluss zu geben.

Die Hauptfigur Konrad habe viel von seinem Vater Franz Pittl (1924–2016), vor allem was dessen Jugendzeit und Kriegserlebnisse angehe. So sei sein Vater, wie der Protagonist des Romans, als „Skijäger“ an die Ostfront eingerückt. Doch auch Erzählungen von ehemaligen Kollegen in der Polizeiinspektion Mutters, die die NS-Zeit und ihre Umbrüche noch miterlebt hatten, flossen in Pittls Buch ein. So soll sich ein zentrales Ereignis der Handlung – drei Burschen ziehen mit einer Vogelscheuche durchs Dorf, rufen Protestparolen gegen die HJ und bekommen es daraufhin mit den NS-Polizeibehörden zu tun – so ähnlich in einem Dorf nahe Innsbruck abgespielt haben.

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Im Dienste der Dramaturgie habe er einige Elemente hinzufügen müssen, ergänzt Pittl: So bleibt Josef, Konrads bester Freund, im Roman durchgehend Nazigegner, während Konrad (vorübergehend) zum überzeugten NS-Anhänger wird. Fazit: Der Roman sei „nicht durchgehend authentisch“, habe aber überall reale Bezüge. Zugleich wollte Pittl auch Fragen zu Widerstand und „Heldentum“ aufwerfen.

Das Werk (mit einem gezeichneten Cover von Pittls Sohn Lukas) ist in Buchhandlungen wie der Wagner’schen und der Tyrolia in Innsbruck oder Riepenhausen in Hall erhältlich bzw. einfach über den Buchhandel bestellbar.

Er habe noch mehrere Geschichten, etwa für Drehbücher, „im Computer“, verrät Pittl. Der Aufwand sei aber enorm und den eigenen Stil zu finden nicht leicht – etwa wenn es darum gehe, „Emotionen hineinzubringen“. Beim Verfassen von Polizeiprotokollen habe man das nicht unbedingt gelernt. (md)


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