Forscher prüfen aufgetauchte mögliche Coronavirus-Mutation

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Die am Dienstag in Tirol und Wien aufgetauchten Verdachtsfälle der britischen Virusvariante werden momentan von einem Wissenschafterteam überprüft. Im Gegensatz zu den PCR-Tests, die nach nur einer für die Variante charakteristischen Veränderung (Mutation) suchen, analysiert das Team um den Mikrobiologen Andreas Bergthaler nun das gesamte Erbgut der verdächtigen Proben. Endgültige Ergebnisse gibt es voraussichtlich bis zum Beginn der kommenden Woche.

„Die Wahrscheinlichkeit, dass das die Varianten sind, ist sehr hoch. Der finale Beweis muss aber erst durch Sequenzierung (des Erbguts des gesamten Virus, Anm.) erbracht werden“, sagte der Forscher vom Forschungsinstitut für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zur APA. Die Überprüfung der Proben laufe gerade im Labor.

Bei gezielten PCR-Tests ist das Ergebnis in rund drei Stunden da, für Sequenzierungen brauche man mindestens fünf Arbeitstage. Gesucht sollte mit dem PCR-Verfahren nun verstärkt nach einer bestimmten Mutation in der insgesamt markante 17 Veränderungen umfassenden britischen B.1.1.7-Variante werden - der „M501Y“-Mutation. „Das Interessante an genau dieser Mutation ist, dass sie sowohl in der britischen, der südafrikanischen als auch in der japanischen Variante vorkommt“, sagte Bergthaler.

Es sei wichtig, dass nun auch dezentral in Österreich „mit dieser mutationsspezifischen PCR getestet wird“, betonte der Forscher. Ist das Ergebnis negativ könne man den britischen Zweig ausschließen, bei einem positiven Wert sei der Verdacht schon recht begründet. Dieses Vergehen werde gerade „breiter aufgebaut“, das gilt auch für den Ausbau der Sequenzierungen, so der Wissenschafter.

Wie breit die neuen Varianten in Österreich bereits kursieren, sei immer noch eine offene Frage. „Relativ überraschend“ seien neue Hinweise, dass es im grenznahen Bratislava offenbar schon eine sehr hohe Verbreitung der britischen Variante zu geben scheint, die in Richtung 50 Prozent gehen könnte, so der Experte. Auch hier stützen sich die Erkenntnisse bisher nur auf PCR-Verfahren und seinen „deshalb noch etwas mit Vorsicht zu genießen“. Ein Grund dafür könnte ein relativ hoher Austausch an Arbeitskräften zwischen Großbritannien und der Slowakei sein, so Bergthaler, der auch auf zwei Fälle slowakischer Staatsbürger unter den ersten vier in Österreich detektierten B.1.1.7-Fällen hinwies.

Wäre die Verbreitung irgendwo in Österreich in den vergangenen Wochen schon in etwa so hoch gewesen, sei davon auszugehen, dass das große Team aus vielen heimischen Forschungseinrichtungen in Untersuchungen etwa von Kläranlagen auf die Variante gestoßen wäre. Dem war bisher aber nicht so.

Nun müsse man abklären, ob es sich bei den Verdachtsfällen in Tirol und in Wien noch um abgrenzbare Häufungen handelt. Die Wissenschafter nehmen sich bei ihren Erbgut-Analysen überdies auch vor allem Proben aus Regionen in Tirol, Salzburg oder Kärnten mit zuletzt sehr hohen Inzidenzraten vor, so Bergthaler.


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