Herzogs ganze Saison dauert 29 Tage in der „Heerenveen-Bubble“

Auf die Tirolerin Vanessa Herzog wartet ab Samstag eine auf vier Wochen komprimierte Eisschnelllauf-Saison: EM, zwei Weltcups und WM finden in Folge in der „Heerenveen-Bubble“ (NED) statt. Passen muss gleich alles.

Die 25-jährige Tirolerin Vanessa Herzog fühlt sich fit für das kompakte Saison-Programm im niederländischen Heerenveen.
© gepa

Von Roman Stelzl

Heerenveen – Es klingt ein wenig wie im Spionage-Film: Ein Security holt Vanessa Herzog ab und führt sie durch den Boteneingang des Hotels in einen Raum. Bei der Tiroler Eisschnelllauf-Weltmeisterin von 2019 wird ein PCR-Test durchgeführt, dann wird sie mit Ehemann und Trainer Thomas Herzog durch den Hintereingang des Hotels auf das Zimmer geführt. Raus darf sie nicht, bewacht wird der Raum von einem Wachmann. Erst um 22 Uhr kommt das (negative) Ergebnis des Corona-Tests. Und für die 25-jährige Innsbruckerin beginnt damit die Saison, die nach 29 Tagen auch schon wieder vorbei sein wird.

Das, was Thomas Herzog als „extrem streng, aber notwendig“ bezeichnet, ist die einzige Chance, dass es heuer überhaupt noch eine internationale Saison gibt. Während alle anderen Orte aus Sicherheitsgründen abgesprungen sind, hat man sich im niederländischen Eisschnelllauf-Mekka Heerenveen dazu entschieden, trotz Lockdowns und Corona-Pandemie Wettkämpfe auszutragen. Besser gesagt: alle Wettkämpfe. Am Samstag und Sonntag beginnt unter strikten Voraussetzungen der Showdown mit der Sprint-EM, danach folgen zwei Weltcup-Wochenenden (22.–24.1./29.–31.) sowie eine Pause, ehe der wahre Höhepunkt am Schluss folgt: die Weltmeisterschaft (11. bis 14. Februar).

Das wirklich Schwierige an einer gut vier Wochen langen Saison ist weniger die körperliche Anstrengung als vielmehr das Wissen: Es muss von Anfang an alles stimmen. „Wenn es am Anfang zäh und schlecht dahingeht, dann wird es noch viel schwieriger. Das Wichtigste ist, dass ich gut in die Wettkämpfe hineinstarte. Sonst wird es zach“, erzählt Vanessa Herzog. Und auch Trainer Thomas Herzog stimmt zu: „Im Eisschnelllauf ist es brutal. So wie du bei der EM fährst, fährst du auch bei der WM. Besserung ist da kaum mehr eine möglich.“

Und weil gleich vom ersten Schlittschuh-Schritt weg alles passen muss, überließen die beiden nichts dem Zufall. Schon vor sechs Wochen kehrte man der Wahl-Heimat Ferlach in Kärnten den Rücken und machte sich auf den Weg nach Heerenveen, wo Herzog über Jahre hinweg mit einem niederländischen Team trainiert. Mit einem gemieteten Haus ging man allem so gut wie möglich aus dem Weg und versuchte, in der Eishalle die richtige Form zu finden. Herzog verbrachte Weihnachten erstmals nicht bei der Familie in Innsbruck („Das war ein ganz komisches Gefühl“) und ging zu Silvester wie gewohnt um 22 Uhr schlafen („Damit konnte ich noch nie was anfangen“). Alles Nebensache, Hauptsache auf dem Eis passt alles.

Mit Erfolg: Die Zeiten wurden besser, der erste Vergleich mit der Konkurrenz machte Zuversicht und das Werkeln am richtigen Timing zeigte Wirkung. Jetzt sagt Vanessa Herzog: „Die Form stimmt, ich fühle mich wohl auf dem Eis und fahre schnelle Zeiten. Die 500 Meter laufen schon sehr gut, beim 1000er hatte ich immer wieder Probleme.“

Dass es die nächsten Wochen nur Eishalle, Hotelzimmer und Essensraum (exklusiv für Sportler) gibt, stört die Gesamtweltcupsiegerin wenig. „Wir tun im Winter ja sonst auch nichts außer eislaufen“, schmunzelt Herzog, die um die Tücken des Programms weiß: „Es wird sehr anstrengend werden. Da heißt es gut regenerieren. Aber wir haben ja einen Physio dabei, da wird das schon passen.“

Internationale Saison in Heerenveen (NED):

16./17.1.: Europameisterschaft Vierkampf (Sprint/Allround): Samstag: 15.35 Uhr: 500 Meter. 16.37: 1000 m. Sonntag: 15.29: 500 m. 16.31: 1000 m. Alle Rennen live auf ORF Sport Plus.

22.–24.1.: 1. Weltcup

29.–31.1.: 2. Weltcup

11.–14.2.: Weltmeisterschaft

Die Ziele sind auf jeden Fall klar: Der fordernde EM-Vierkampf (2 x 500 m, 2 x 1000 m), bei dem auch der Tiroler Gabriel Odor teilnimmt, soll bei idealem Verlauf eine Medaille bringen. Bei der WM beginnt die Jagd auf Gold über 500 Meter. Beim Höhe- und Schlusspunkt einer Saison, die vier Wochen dauert und am 14. Februar schon vorbei ist. Herzog: „Aber besser das als gar keine Wettkämpfe.“


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