Erneutes Nachsitzen im Schul-Lockdown: Schulen öffnen nur Schritt für Schritt

Der Präsenzunterricht soll erst ab dem 25. Jänner starten. Und das auch nur im Schichtbetrieb. Bildungsminister lässt noch viele Fragen offen.

Im September 2020 gingen Oberstufenschüler gegen den Schul-Lockdown auf die Straße. 2021 startet der Präsenzunterricht am 25. Jänner.
© Böhm Thomas

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hatte gestern eine schlechte und eine gute Nachricht für Österreichs Schülerinnen und Schüler parat. Die schlechte: Der Schul-Lockdown wird um eine Woche verlängert und soll erst am 25. Jänner enden. Die gute: Die im Vorfeld befürchtete Ausdehnung bis nach dem Ende der Semesterferien (in Tirol: 14. Februar) soll nicht eintreten.

Faßmann begründete dies gegenüber dem ORF gestern einerseits mit Blick auf das allgemeine Infektionsgeschehen und mit der neu aufgetauchten britischen Virusmutation. Und dort liegt ein weiterer Hund begraben: Sollte die Bundesregierung den allgemeinen Lockdown (geplantes Ende: 24. Jänner) wie bereits in Diskussion um weitere Wochen hinausschieben, könne sich das Schulsystem nicht separieren.

Noch am gestrigen Vormittag wurden die Bildungsdirektionen sowie die BildungslandesrätInnen vom Ministerium über die ersten groben Details informiert. Viele Fragen blieben aber offen – Details der diesbezüglichen Schulverordnung bzw. des Durchführungserlasses sollen erst in den kommenden Tagen klarwerden. Erst dann herrsche endgültige Planungssicherheit, wie Bildungsdirektor Paul Gappmaier im Gespräch mit der TT bestätigt. Tirol stellt sich mit Stand gestern vorerst auf folgende Szenarien ein:

1️⃣ Ist-Situation: Mit Stand Dienstag wurden von den in Summe rund 97.000 Schülerinnen und Schülern 25,3 Prozent in Volksschulen und Unterstufen, 22,2 Prozent in der Oberstufe an den Schulen betreut. Tendenz: steigend. Was die Covid-Infektionszahlen betrifft, so waren 98 Schüler, 30 Lehrer und drei Personen aus dem schulischen Verwaltungsbereich als „aktiv positiv“ gemeldet. Auch hier wurden zuletzt leicht steigende Zahlen vermeldet, wie die Bildungsdirektion sagt.

2️⃣ Schichtbetrieb: Geht die nunmehr für 25. Jänner geplante Rückkehr zum Präsenzunterricht durch, soll dieser im Schichtbetrieb erfolgen. Und zwar für alle, also auch für die Oberstufenschüler, die bereits ungleich länger im Heimunterricht verharren als der Pflichtschulbereich. Sowohl Gappmaier als auch Bildungslandesrätin Beate Palfrader bestätigen der TT, dass das Ministerium im Unterschied zum schulischen Schichtbetrieb im Sommersemester 2020 nunmehr eine Vereinheitlichung zugesagt habe. Das heißt: Regions- und schultypenübergreifend sollen Kinder und Jugendliche gemäß ihren Nachnamen (Buchstabenprinzip) für den tageweisen Schichtbetrieb eingeteilt werden. Das soll Mehrkindfamilien hinsichtlich der Betreuungszeiten entlasten helfen. Ob an den Zwischentagen weiterhin Dis­tance-/Online-Learning zu absolvieren ist, sei offen.

3️⃣ Schutzmaßnahmen: Die Maskenpflicht für Pflichtschüler außerhalb der Klasse bleibt aufrecht, für über 10-Jährige ebenso im Unterricht. Bereits dieses Wochenende sollen alle Schulen in Tirol vom Bund die Covid-Selbst-Schnelltests für Schüler geliefert bekommen. Die erste Tranche soll österreichweit eine Million Stück umfassen. Fürs Lehrpersonal stehen die üblichen Antigen-Schnelltests zur Verfügung.

4️⃣ Notenschluss: Laut Gappmaier ist nicht geplant, die Frist für den Notenschluss nach hinten zu verschieben. Palfrader fordert den Bund auf, sich in Richtung Jahresbeurteilung auch Gedanken über Adaptierungen zur Leistungsfeststellung zu machen.

5️⃣ Ferienplanung: Das Ministerium soll laut Auskunft aus dem Landhaus bereits eine Verordnung für eine Art freiwillige Ferienschule in den Semesterferien in petto haben. Diese soll in den Fächern Deutsch/Sprachen und Mathematik von 8 bis 12 Uhr angeboten werden. Die zweiwöchige Sommerschule will der Bund ebenso reaktivieren. Im Land dürfte man eher auf Stärkung bestehender (Nachhilfe-)Angebote setzen, hieß es gestern.

„Fällt uns schwer zu glauben“

Innsbruck – Mit gemischten Gefühlen nahm Christoph Drexler, Präsident des Tiroler Landeselternverbandes, gestern die Meldungen zum Neustart des Präsenzunterrichts aus dem Bildungsministerium auf. Dass der Lockdown der Schulen um eine Woche verlängert wird, sei schon „ziemlich enttäuschend“. Schließlich sei jeder Tag an Präsenzunterricht wichtig, so Drexler.

Skeptisch bleibt Drexler aber auch, was nun den angepeilten Start am 25. Jänner betrifft: „Uns fällt das schon schwer zu glauben.“ Schließlich würde Gesundheitsminister Rudolf Anschober derzeit eine ganz andere Stimmung vermitteln. Der Elternvertreter befürchtet, dass dies auch eine „dezente Vorbereitung“ auf einen weiteren Schullockdown – eventuell sogar bis Ostern – sein könnte.

Drexler fordert Bund wie Land auf, baldigst Konzepte vorzulegen, wie die entstandenen Bildungslücken geschlossen werden können. Die Idee einer verpflichtenden Wiederholung des Corona-Schuljahres lehnt er ab. Wenn, dann könne hier nur auf Freiwilligkeit gebaut werden. Die Sommerschule des Bundes gehöre zudem „zeitlich wie inhaltlich“ ausgebaut. 2020 fand diese in zwei Sommerferienwochen statt. (mami)


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