„Your Honor“: Flucht in Polizeigewalt und Rassismus

Fortsetzung von „Breaking Bad“ auf der Richterbank? Auch in „Your Honor“ spielt Bryan Cranston den besorgten Vater.

Der rechtschaffene Vater gerät zum Wohle der Familie auf die schiefe Bahn: Bryan Cranston als Richter Desiato in „Your Honor“ (ab Montag auf Sky).
© Skip Bolen/SHOWTIME

Innsbruck – Diese eine Rolle beherrscht er aus dem Effeff: Der rechtschaffene Vater, der zum Wohle seiner Familie auf die schiefe Bahn gerät. In Vince Gilligans Erfolgsserie „Breaking Bad“ (2008) gab Bryan Cranston fünf Staffeln lang den eigentlich biederen Chemielehrer Walter White, der unheilbar an Krebs erkrankt und zur Absicherung seiner Familie beginnt, ultrareines Crystal Meth zu kochen. Der Drogenhandel blüht und White gibt seine blütenreine, weiße Weste schnell ab. Er wird zu Heisenberg. Immer tiefer hinein gerät er in den Drogensumpf, immer mehr gerät er zum abgebrühten Drogenboss.

In seiner neuen Serie „Your Honor“ startet der Emmy-gekrönte Schauspieler als liberaler Richter Michael Desiato. Mit seiner Arbeit kämpft er in New Orleans u. a. gegen die Ungleichbehandlung zwischen weißer und schwarzer Bevölkerung. Er weiß, wie fragil das Zusammenleben zwischen den immer weiter auseinanderklaffenden sozialen Schichten ist. Erst vor einem Jahr verlor er seine Frau bei einem Schusswechsel. Sein Sohn Adam hört bis heute die Stimme der Mutter.

Richter wird zu Verbrecher

Das Leben von Vater und Sohn wird erneut komplett über den Haufen geworfen, als der Highschool-Absolvent einen Gleichaltrigen mit dem Auto überfährt, tötet und panisch Fahrerflucht begeht. Für Vater und Sohn ist der Fall zunächst klar: Adam muss sich stellen. Auf dem Polizeirevier jedoch erfährt Desiato, dass sein Sohn Jimmy Baxter, den Sohn eines legendären Gangsterbosses getötet hat. Sofort zieht der Vater die Handbremse. Aus dem Richter wird ein Verbrecher.

📽 Video | Deutscher Trailer "Your Honor"

Wie schon in „Breaking Bad“ fällt der Hauptfigur der Wechsel der Seiten überraschend leicht. Skrupel sind da, Wege, diese zu übergehen, aber ebenso. Desiato nutzt Kontakte zur Politik, kümmert sich um ein Alibi, lässt das Unfallauto verschwinden.

Bald jedoch merkt der Richter, dass auch seine Macht endlich ist. Der Fall verstrickt sich immer fester in ein Netz aus Polizeigewalt, offen gelebtem Rassismus und Bandenkriminalität.

Die Analogien zum berühmten Serienhit, aber auch zu jüngeren Produktionen wie HBOs „The Undoing“ sind unübersehbar. Cranston ist es auch, der mit seinem Facettenreichtum sofort überzeugt. Ähnlich souverän ist auch Hunter Doohan, der den Part von Adam, einem gebrochenen, sensiblen Jungen, absolut überzeugend interpretiert. Blasser sind da die Frauenfiguren, Adams Lehrerin Frannie (Sofia Black-D’Elia) oder Rechtsanwältin Lee Delamere (Carmen Ejogo). Interessant wird, wie Drehbuchautor Peter Moffat und der deutsche Regisseur Edward Berger die Hauptfigur sich weiterentwickeln lassen und damit die Mini-Serie weiterspinnen – zumal in den ersten vier Folgen gleich mehrere Spannungsfäden ausgeworfen werden. So viel ist fix: An „Breaking Bad“ kann „Your Honor“ jetzt schon nicht herankommen. (bunt)


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