Prozess um Hintermänner von falschen Polizisten

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Seit 2018 treibt eine Bande in Wien und andernorts ihr Unwesen, die betagte Leute mit der Masche hinters Licht führt, Polizisten müssten ihr Bargeld und Schmuck sicherstellen. Mindestens 4,5 Millionen Euro haben die Kriminellen damit erbeutet. Bisher sind am Wiener Landesgericht nur einige „Geldabholer“ verurteilt worden, am Donnerstag startet aber ein Prozess gegen mehrere mutmaßliche Drahtzieher, darunter die Mutter und die Schwester des Bandenchefs.

Dieser - ein Türke, der lange Zeit in Vorarlberg gelebt hat - soll vom Raum Istanbul aus das kriminelle Geschehen steuern. Mittels computertechnisch veränderten Rufnummern werden gezielt Senioren angerufen. Ihnen wird am Telefon erzählt, ihr Name befände sich auf einer von der Polizei sichergestellten Liste, die Einbrecher gerade „abarbeiten“ würden. Um ihr Geld und ihre Wertsachen zu retten, komme in Kürze ein Kollege von der Polizei vorbei, um das Vermögen vor den Einbrechern in Sicherheit zu bringen. In Dutzenden Fällen haben Betroffene den falschen Polizisten, die wenige Minuten nach derartigen Telefonaten bei ihnen anklopfen, ihren Schmuck und ihre finanziellen Reserven auf Nimmerwiedersehen übergeben.

Der „Strippenzieher“ kann von der heimischen Justiz vorerst nicht behelligt werden, da er es tunlichst vermeidet, türkischen Boden zu verlassen. Allerdings konnten seine 55-jährige Mutter und seine 26 Jahre alte Schwester festgenommen werden, die Ende Februar 2020 nach Wien reisten, um Beutestücke zu übernehmen. Neben ihnen haben sich vier weitere Angeklagte - allesamt langjährige Bekannte der Familie - vor einem Schöffensenat zu verantworten.


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