Laschet, Merz oder Röttgen: Die CDU muss wählen

Drei Juristen aus Nordrhein-Westfalen wollen an die Spitze. Sie könnten ungleicher nicht sein.

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Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Armin Laschet (v. l.): Einer von ihnen wird morgen CDU-Chef.
© AFP/Mang

Von Gabriele Starck

Berlin –Beinahe ein Jahr lähmt das Führungsvakuum Deutschlands größte Partei, die CDU, bereits. Zweimal seit Annegret Kramp-Karrenbauers Entschluss, den Vorsitz abzugeben, war ein Parteitag zur Wahl ihres Nachfolgers angesetzt. Zweimal musste der Termin Corona-bedingt abgesagt werden. Morgen Vormittag ist es nun so weit – trotz andauernder Pandemie, denn die Zeit drängt. Schon Ende September wählen die Deutschen einen neuen Bundestag. Die Parteiausrichtung, ein Wahlprogramm und nicht zuletzt die Frage, wer die CDU und ihre kleine bayerische Schwesterpartei CSU in den Wahlkampf führen soll, müssen festgelegt werden.

Deshalb sind die 1001 Delegierten digital aufgerufen, ihre Entscheidung für einen der drei Bewerber – Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen – vom Wohnzimmer aus zu treffen. Um das Ergebnis rechtlich abzusichern, wird eine Briefwahl hinterhergeschoben. Bei dieser soll nur noch der Online-Sieger zur Wahl stehen. Das haben die drei Bewerber zuvor vereinbart.

Das Rennen ist völlig offen. In Umfragen liegen alle drei Kandidaten relativ nah beieinander, auch wenn Merz seit jeher die Nase vorn hat. Stark aufgeholt hat inzwischen der als Außenseiter gehandelte Norbert Röttgen. Manche sehen ihn sogar schon vor Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet. Jedenfalls wird nicht damit gerechnet, dass die Entscheidung im ersten Wahlgang fällt.

Die drei haben in den Diskussionsrunden penibel darauf geachtet, keine allzu konträren oder polarisierenden Standpunkte einzunehmen, um niemanden zu vergraulen. Doch tatsächlich sind sie äußerst unterschiedlich in Persönlichkeit und Positionen:

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1️⃣ Friedrich Merz, 65. Der Jurist provoziert mit seinen wertkonservativen und wirtschaftsliberalen Ansichten – oft auch unbeabsichtigt. Erst gestern Nacht hatte er auf Twitter die Forderung des SPD-Finanzministers Olaf Scholz nach einer stärkeren Belastung hoher Einkommen als „Neidsteuer“ bezeichnet. Auch Frauen stößt er mit seinen Bemerkungen oft vor den Kopf. Für viele steht er für eine rückwärtsgewandte Politik. Die Spitze der Frauenunion stellt sich klar gegen seine Wahl zum Parteichef. Zweimal unterlag er CDU-Frauen übrigens bereits. Angela Merkel verdrängte ihn 2002 vom Posten des Unions-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, worauf er sich in die Wirtschaft zurückzog und u. a. für den US-Vermögensverwaltungsriesen Blackrock tätig war. 2018 kandidierte er dann erstmals für den Parteivorsitz, zog aber gegen Kramp-Karrenbauer den Kürzeren. In Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat er seinen mächtigsten Unterstützer.

2️⃣ Armin Laschet, 59. Er ist seit 2017 Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslands Nordrhein-Westfalen. Damals schaffte er es als Spitzenkandidat überraschend, die CDU vor der SPD und ihrer beliebten Landeschefin Hannelore Kraft zu positionieren. Mit seiner alles andere als forschen Art, die auch nicht auf Wirkung abzielt, schaut er im Vergleich zu seinem bayerischen Amtskollegen und CSU-Chef Markus Söder oft blass aus. Das schlägt sich auch in Umfragen nieder. Während Söder deutschlandweit sehr gute Umfragewerte hat, begeistert Laschet die Massen nicht. Dennoch werden ihm recht gute Chancen eingeräumt, weil er vom Merkel-Kurs wohl am wenigsten abweichen wird.

3️⃣ Norbert Röttgen, 55. Der ehemalige Umweltminister und jetzige Außenpolitik-Sprecher hat am Mittwoch mit der Meldung aufhorchen lassen, dass er im Gegensatz zu Laschet von einer Regierungsbeteiligung der FDP nichts hielte, weil sie sich 2017 einer Jamaika-Koalition verweigert habe. „Auf eine Partei, die mal Lust hat zu regieren und dann wieder nicht, kann man sich nicht verlassen“, sagte er der Augsburger Allgemeinen. Röttgen will sich als Erneuerer positionieren. Die Partei müsse jünger, digitaler und interessanter und klimapolitisch glaubwürdig werden, sagt er.

Dass einer der drei auch Kanzlerkandidat der Union wird, ist noch nicht ausgemacht. CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn und CSU-Chef Söder haben die besseren Umfragewerte.


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