Junge Brandstifter vor Gericht: Haftstrafe für erneute Zündelei

15 Monate Haft bzw. 9000 Euro teilbedingte Geldstrafe für feuerlegendes Duo aus Osttirol. Diversion für 15-jährigen Oberländer.

Symbolfoto.
© TT/Thomas Böhm

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Die Furcht in der Bevölkerung vor dem Zündeln aus Faszination ist nicht unbegründet. Schlagen die Täter doch meist im Dunkeln zu und können dann die Ausbreitung von Feuern kaum einschätzen oder gar steuern.

Zwei Fälle beschäftigten gestern das Landesgericht. Vor Jugendrichter Gerhard Melichar musste sich ein Schüler verantworten, der im März im zarten Alter von 14 Jahren mit zwei Freunden am Telfer „Widum-Anger“ mit einem Feuerzeug an einer Hecke herumgezündelt hatte. Diese stand schnell in Vollbrand. Löschversuche scheiterten, die geschockten Burschen ergriffen die Flucht. Nur durch Zufall konnte ein Übergreifen auf die anliegende Kapelle verhindert werden. Aufgrund von Unbescholtenheit und Jugend wurden dem Trio erst Diversionen ohne Verurteilungen angeboten. 60 Stunden gemeinnützige Arbeit bei Verantwortungsübernahme. Zwei ergriffen die Chance und haben den Dienst teils schon abgeleistet. Nur der gestern Angeklagte leugnete die Mittäterschaft. Der Prozess folgte, mitsamt fünf Jahren Strafandrohung. Anwalt Erich Pfanzelt redete aufgrund eindeutiger Sachlage deshalb nochmals mit dem 15-Jährigen. Auch Staatsanwältin Nina Härting befürwortete eine zweite Chance ohne Vorstrafe. So wird nun ein drittes Mal 60 Stunden „geschwitzt“.

Osttiroler Duo legte mehrmals Feuer

Ein Duo aus Osttirol (22, 23) hatte sich wegen ganz anderer Zündeleien zu verantworten. Brandlegung an einer Müll­insel (14 Container zerstört) neben einem nahen Gebäude. Entzünden von Strohballen, Altholz, einer Mauthütte mittels Benzin und Niederbrennen eines hölzernen Mülleimers per Feuerzeug. Während der sofort geständige Erstangeklagte noch unbescholten war, handelte es sich beim 23-Jährigen um einen Wiederholungstäter. Schon 2015 hatte er eine Brandstiftung begangen – sechs Monate Haft waren einst zur Bewährung ausgesprochen worden.

Im Prozess kam zum Vorschein, dass die beiden Arbeitskollegen die Faszination am Feuer und am nächtlichen Herumfahren einte. Dass sie als Brandstifter aber eine richtiggehende Feuersbrunst auslösen wollten, wurde nicht angenommen. Es blieb bei schwerer Sachbeschädigung.

Die (nicht rechtskräftigen) Strafen fielen trotzdem empfindlich aus: 9000 Euro (3000 unbedingt) Geldstrafe für den Erstangeklagten. Und mit Widerruf der bedingten Strafe insgesamt 15 Monate Haft für den erneuten Brandleger.


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