Die Sorge vor der britischen Mutation: Wohl keine vollständige Öffnung

Kurz deutet längeren „Notbetrieb“ an. Walser fordert klaren Plan für Handel, Gastronomie und Hotellerie.

Symbole für den Lockdown: rote Ampel und Stoppschilder. Ob es grünes Licht für Öffnungsschritte gibt, darüber wird derzeit intensiv beraten. Am Wochenende soll eine Entscheidung fallen.
© Böhm Thomas

Wien – Gestern waren es schon sieben Bundesländer, die Verdachtsfälle wegen der britischen Mutation des Coronavirus meldeten. Und auch wenn die Bestätigungen noch fehlten: In der Bundesregierung geht man davon aus, dass diese deutlich ansteckendere Variante längst im Land angekommen ist, über die bisher bekannten Verdachtsfälle hinaus. Auch die Planungen für die Zeit nach dem aktuellen Lockdown stehen unter diesem Vorzeichen.

„Die Situation ist höchst volatil. Wir müssen daher weiterhin extrem behutsam vorgehen, um das, was wir uns erarbeitet haben, nicht zu zerstören“, sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Gesundheitsminister Rudolf Anschober spricht von einem „alarmierenden Zeichen“.

Die Regierungsspitze will sich heute noch einmal mit den Landeshauptleuten und den Sozialpartnern beraten, bevor sie am Wochenende die weitere Vorgangsweise bekannt gibt. Aktuell endet der Lockdown am 24. Jänner. Bekannt ist, dass Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) die Schulen ab dem 25. Jänner für einen Teilbetrieb öffnen will. Bereits eine Woche später beginnen in Ostösterreich die Semesterferien.

Dieser Lockdown hat die Infektionszahlen zwar nach unten gebracht. Statt weiter zu sinken, stagnieren sie österreichweit aber auf einem zu hohen Niveau. Gestern gab es sogar einen Ausreißer der Zahlen nach oben, den die Gesundheitsbehörden mit Nachmeldungen erklärten.

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Eine vollständige Öffnung nach dem Ende des Lockdowns ist wegen der hohen Zahlen und der britischen Mutation jedenfalls nicht zu erwarten. Corona-Maßnahmen werden den Alltag auch nach dem 24. Jänner prägen. Gut möglich ist eine Erweiterung der Pflicht zum Tragen der hochwertigeren FFP2-Masken, ebenso wahrscheinlich ist eine Verschärfung der Abstandsregeln.

Weniger wahrscheinlich ist ein Verbot, den engeren Umkreis des Wohnsitzes zu verlassen. In Deutschland funktioniert eine derartige Regelung für Corona-Hotspots mehr schlecht als recht.

Hoffen darf der Handel – zumindest auf erste Öffnungsschritte. Schwierig sind die Aussichten für Gastronomie und Hotellerie.

Bereits gestern beschäftigte die Virus-Mutation auch die Ampel-Kommission. In acht Regionen – darunter Innsbruck-Stadt und Wien – galt eine Herabstufung der Gefahrenstufe auf Orange als möglich. Letztlich blieb aber ganz Österreich auf Rot gestellt.

Harsche Kritik an der „zunehmenden Ungewissheit“ übte der Tiroler Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser (VP). „Bund und Länder müssen endlich für Planbarkeit sorgen.“ Der Handel müsse aus seiner Sicht aufsperren, auch die Gastronomie. „Ein Zulassen kann man nicht mehr rechtfertigen.“ Was die Hotels betrifft, hat Walser ebenfalls eine klare Haltung. „Wir müssen nach vorne blicken, in den April und den Mai.“ Bis dorthin benötigt es unterschiedliche Modelle.

Aus Deutschland oder Holland seien ohnehin keine Gäste zu erwarten. „Wer sein Hotel zulässt, benötigt natürlich eine Entschädigung.“ Sollte die Öffnung möglich sein und einzelne Hotels öffnen, müssten sie auch mit massiven Einbußen rechnen, betont der Tiroler Wirtschaftskammerpräsident. „Deshalb müssen sie ebenfalls unterstützt werden.“ Letztlich fordert Walser ein klares Konzept für die nächsten Wochen. „Denn es rumort gewaltig. Die Wahrheit ist den Unternehmern zumutbar, nur sie gehört endlich auf den Tisch. Und Hilfestellungen, sollte der Lockdown für einige Bereiche weiter gelten.“ (sabl, pn)


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