Salzburger OFF Theater verliert Bundesförderung

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Der Bund hat dem Salzburger OFF Theater - ein kleines freies Theater - die Subvention für 2021 gestrichen. Die fehlenden 25.000 Euro würden das Streichen von drei Arbeitsplätzen bedeuten - ein Viertel der Mitarbeiter, sagte Theaterleiter Alex Linse am Freitag zur APA. „Wir wissen nicht, wann wir wieder Geld verdienen dürfen, Subventionen fehlen da mehr als in jedem anderen Jahr.“ Linse vermutet, dass sein Haus nicht das einzige in Österreich bleiben wird.

Am Donnerstag - mitten während der Probenarbeit für das nächste Stück - erreichte das OFF Theater die Verständigung des Kulturministeriums: Demnach wurde das Förderansuchen vom Beirat bereits am 9. Dezember 2020 behandelt. Und dieser sei zur Ansicht gekommen, „dass die für eine Förderung notwendigen inhaltlichen Kriterien in Bezug auf Stückwahl und innovative Aspekte in der szenischen Umsetzung nicht in ausreichendem Maße erfüllt sind“.

„Natürlich ist es nicht falsch, eine Diskussion über Inhalte und Spielplan zu führen. Aber einem Theater jetzt mitten in der Pandemie wegen fehlender Innovation die Subvention zu streichen, ist eine Frechheit. Alle, auch die großen Einrichtungen, schauen, dass sie irgendwie Umsatz machen können, um die Verluste auszugleichen“, so Linse. Sein Theater hat für 2021 zwei Uraufführungen, eine österreichische Erstaufführung und eine Komödie geplant.

In anderen Jahren hätte er auf den Wegfall der Subvention reagieren können, etwa mit einem Sponsoren-Ball, aber diese Möglichkeiten fallen heuer weg. „Daher geraten wir in eine sehr bedrohliche Lage“, sagte der Theaterleiter, den auch stört, dass die Verständigung erst etliche Wochen nach der Beiratssitzung erfolgt ist. Sein Haus verfüge auch über eine Infrastruktur und sei Spielstätte für viele freie Gruppen. „Muss ich die jetzt rausschmeißen? Das zieht einen ganzen Rattenschwanz nach sich.“

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Linse vermutet, dass der Bund auch anderswo die Subventionen kürzen oder streichen wird. Konkret wisse er das bei verschiedenen Projekten, die keine Förderung erhalten, diese seien aber bereits im Dezember verständigt worden. „Mich würde interessieren, ob andere Gruppen oder Künstlerinnen und Künstler ähnliche Absagen erhalten haben.“

Das Salzburger OFF Theater des Vereins Theater (Off)ensive Salzburg wurde im Sommer 2009 gegründet und besteht vor allem aus Mitgliedern des früheren Landestheater-Ensembles, deren Verträge damals nach einem Intendanten-Wechsel nicht verlängert worden sind. Das aus zwölf Mitgliedern bestehende Profi-Ensemble spielt hauptsächlich Theater abseits des Mainstreams. Pro Spielzeit werden vier Eigenproduktionen auf die Bühne gebracht, wobei besonderes Augenmerk auf Uraufführungen, Erstaufführungen und Eigenentwicklungen gelegt wird. Seit Herbst 2016 hat die Theater (Off)ensive eine Spielstätte in der Eichstraße in Salzburg-Schallmoos. Hier werden neben dem Theaterprogramm auch Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten. Der Jahresumsatz beträgt laut Linse rund 200.000 Euro, die Eigenwirtschaftlichkeit lag 2019 bei 65 Prozent.

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