Tiroler Verkehrsbilanz 2020: So wenig Tote wie noch nie

Die Unfallstatistik 2020 fiel sehr erfreulich aus. Eine Folge des Covid-bedingten schwachen Verkehrsaufkommens. Sorgen bereiten allerdings die Drogenlenker.

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Die zeitweise fast leeren Straßen hatten auch Auswirkungen auf die Unfallstatistik: Die Anzahl der Toten und Verletzten ging zurück.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Weniger Unfälle, weniger Tote, weniger Verletzte, weniger Anzeigen: So lautet die Zusammenfassung der Verkehrsbilanz 2020. Auch eine Folge der Corona-bedingten Lockdowns und des deutlich geringeren Verkehrsaufkommens im vergangenen Jahr – so sei der Pkw-Verkehr auf Tirols Autobahnen um 30 Prozent zurückgegangen, begründet Markus Widmann, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Polizei, die erfreuliche Entwicklung. Weniger erfreulich war allerdings der starke Anstieg bei den Drogenlenkern.

Ertappte die Polizei 2019 noch 172 Verkehrsteilnehmer unter Suchtgifteinfluss, so waren es im Vorjahr bereits 418. Die enorme Zunahme sei kein Zufall, erklärt Widmann: „Wir haben mittlerweile Beamte im Einsatz, die eigens darauf geschult sind, Beeinträchtigungen durch Suchtmittel zu erkennen. Außerdem stehen neue Vortestgeräte zur Verfügung.“ Der Chef der Verkehrspolizei verspricht, dass die Beamten dem Thema auch heuer volle Aufmerksamkeit widmen werden.

Eine äußerst positive Entwicklung verzeichneten Polizei und die Verkehrsabteilung der Landesregierung bei den Unfallzahlen. So starben 2020 lediglich 26 Menschen im Straßenverkehr – „so wenige wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen“, spricht Widmann von einem Rekordergebnis. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 kamen 100 Menschen auf Tirols Straßen ums Leben. Damals keine Ausnahme – dreistellige Opferzahlen waren vor der Jahrtausendwende die Regel. Den enormen Rückgang begründet Widmann mit der verbesserten Technik bei den Autos, mit der Entschärfung von gefährlichen Straßen, der effizienteren Rettungskette und den umfangreichen Überwachungsmaßnahmen. 20 Tote waren im Vorjahr männlich, elf kamen aus dem Ausland. Sieben Menschen starben im Auto, ebensoviele kamen bei Fahrradunfällen ums Leben, sechs waren zu Fuß unterwegs. Ungewöhnlich niedrig fiel im Vorjahr auch der Blutzoll bei den Motorradlenkern aus: Lediglich fünf fanden den Tod. 2019 waren es elf, im Jahr zuvor sogar 15.

Die Entwicklung bei den Verkehrstoten spiegelt sich auch in den Unfallzahlen wider. Über 4000 Unfälle verzeichnete die Polizei noch im Jahr 2018, im Vorjahr waren es 3400. Analog dazu ging auch die Anzahl der Verletzten im Vorjahr deutlich zurück: von über 5000 (2018) auf rund 4000 im Jahr 2020.

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Welche Auswirkungen der erste Lockdown auf die Unfallstatistik hatte, verdeutlicht Widmann mit einer weiteren Statistik: So bearbeitete die Polizei zwischen Mitte März und Mitte April 201 Unfälle mit 178 Verletzten. Todesopfer war keines zu beklagen. Im Vergleichszeitraum 2019 wurden bei fast 400 Unfällen 317 Menschen verletzt, vier starben.

Die meisten Unfälle wurden im Vorjahr durch überhöhte Geschwindigkeit (38 Prozent) verursacht, auf Rang zwei folgte Ablenkung (durch Handy etc.). 2019 war Ablenkung noch die häufigste Unfallursache.

Verkehrsfakten

Raser: Durch den Verkehrsrückgang ist auch erstmals seit Jahren die Anzahl der ertappten Schnellfahrer gesunken: von 618.668 (2019) auf 502.742 im Vorjahr.

Laser statt Radar: Alle stationären Radaranlagen arbeiten jetzt mit Lasertechnik. Somit blitzen sie in beide Richtungen und fotografieren auch die Lenker – für ausländische Schnellfahrer gibt es keine Ausreden mehr.

Alkohol: Wenn schon, denn schon – zwei Drittel der 3032 alkoholisierten Autofahrer waren 2020 mit mindestens 0,8 Promille unterwegs. Insgesamt führte die Polizei 132.000 Alkoholtests durch. Zum Vergleich: 2019 ertappten die Beamten 3609 Betrunkene am Steuer.

Handy: Die Aktion scharf gegen Handy-Benützer führte im Vorjahr zu 13.838 Anzeigen. 2019 waren es 12.104 Anzeigen.

Kindersicherung: Die Polizeibeamten erstatteten 466 Anzeigen (2018: 556 Fälle), weil Kinder ungesichert in Fahrzeugen mitgeführt wurden.

Ohne Gurt: 11.047 Autoinsassen mussten zahlen, weil sie sich nicht angegurtet hatten. Um tausend weniger als 2019.

Lkw: Fast 34.000 Anzeigen betrafen im Vorjahr den Schwerverkehr. Häufigstes Delikt: Missachtung der Ruhezeiten.


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