Folgen des Brexit: Aus für viele „Limited“ in Österreich

Das Ende der Übergangsregelung nach dem Brexit bedeutet auch massive Folgen für viele britische Firmenkonstrukte in Österreich.

Symbolbild.
© Reuters/Hannah McKay

Innsbruck – Kaum Gründungskosten, Stammkapital und Haftung: Eine „Limited“-Gesellschaft in England mit Verwaltungssitz in Österreich zu gründen war für manche Unternehmer verlockend. Der Brexit und das Auslaufen einer Übergangsregelung haben für diese hierzulande oft verwendete Variante der britischen „Limited“ (Ltd.) nun massive Folgen, wie der Innsbrucker Anwalt Erik Kroker auf TT-Anfrage erklärt.

Betroffen sei die Limited-Variante mit offiziellem Sitz in England, aber mit Verwaltungssitz und Hauptgeschäftstätigkeit in Österreich. „Die Übergangsregelung ist vorbei, und im Austrittsvertrag gibt es dazu auch keine Regelungen“, erklärt Kroker: „Daher wird nun generell die Meinung vertreten, dass diese speziellen Limited-Konstrukte in Österreich ihre Rechtsfähigkeit verlieren.“ Betroffene Limiteds mit mehreren Gesellschaftern würden seit dem Jahreswechsel somit als Gesellschaft bürgerlichen Rechts gelten. Kroker: „Das hat gravierende Auswirkungen: Denn eine solche Gesellschaft ist für sich nicht rechtsfähig, sondern nur die Personen dahinter.“ Die Gesellschafter würden somit unbeschränkt persönlich mit dem gesamten Betriebs- und Privatvermögen haften.

Bestand die Ltd. dagegen nur aus einem Gesellschafter, werde dieser nun als eingetragener Unternehmer betrachtet und sei damit weiterhin rechtsfähig. „Doch auch da haftet der Unternehmer jetzt mit seinem gesamten Vermögen und nicht mehr nur mit einer minimalen Einlage.“

Nichts ändere sich dagegen für eine „echte“ Limited, also mit Sitz und Verwaltungssitz in England und Zweigniederlassung in Österreich.

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Auch Wirtschaftskammer-Juristin Katharina Jahn bestätigt Krokers Ansicht. Insgesamt würden rund 2648 Limiteds im Firmenbuch geführt. Die Zahl sei aber nicht um alle Zweigniederlassungen bereinigt. Die Wirtschaftskammer gehe daher von rund 179 Limiteds in Österreich aus.

Die Frage sei, wie die Firmenbuchgerichte mit dem Thema umgehen. „Streng genommen müsste das Firmenbuchgericht die Betroffenen auffordern, ihre Unternehmen zu löschen oder nachzuweisen, dass es sich um eine ,echte‘ inländische Niederlassung einer echten britischen Limited handelt“, so Kroker.

Was können Betroffene tun, die noch nicht gehandelt haben? Es gebe etwa eine Gründungsvariante einer GmbH, erklärt der Anwalt. Wer seine Ltd. mehr als fünf Jahre hatte, könne sie in eine GmbH einbringen, die zur Fortführung des Betriebs gegründet wird. „Diese Variante könnte man versuchen und schauen, ob das die Firmenbuchgerichte akzeptieren.“ (mas)


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