Felssturz in Sölden: Hart am Fels bei minus 23 Grad

Seit dem 17. Dezember ist Sölden nach einem Felssturz erschwert erreichbar. Die Arbeiter haben großen Anteil daran, dass am Mittwoch die Straße aufgeht.

Die Arbeiten an der Ötztal-Bundesstraße vor Sölden nähern sich dem Ende. Die Arbeiter von HTB haben bei extremen Verhältnissen und eisigen Temperaturen Großes geleistet.
© HTB/Gstrein

Von Alexander Paschinger

Sölden – Man muss sie zu den Helden zählen – seit Ende Dezember sind acht Männer der Oberländer Spezialfirma HTB im hinteren Ötztal bei widrigsten Verhältnissen im Einsatz. Es gilt, die Straße nach Sölden, die nach einem Felssturz am 17. Dezember beim Gehördetunnel mit 200 Kubikmetern verlegt wurde, fachgerecht abzusichern. Und nach der letzten Einsatzbesprechung Anfang letzter Woche war man zuversichtlich, diese wichtige Verbindung am Mittwoch, den 20. Jänner, wieder aufzubringen. Damit könnte man die derzeit eingerichtete Umfahrung, die nur einspurig und mit gegenseitigen Anhaltungen befahrbar ist, wieder aufheben. Und damit könnten auch wieder Fahrzeuge, die länger als zehn Meter sind, ins hinterste Ötztal gelangen.

Dabei stoßen Mensch und Maschine immer wieder an ihre Grenzen, berichtet Bauleiter Alexander Gstrein. Der Arbeitstag für die Männer beginnt um 7.30 Uhr. Praktisch im Dunkeln muss erst bei Granstein eine Wiese gequert werden, bevor man sich dann zur eigentlichen Arbeitsstelle abseilen kann.

„Zuletzt gab es bis maximal minus 23 Grad schon besondere Situationen“, so Gstrein. Natürlich sind seine acht Mann bestens ausgerüstetet, aber nach drei, vier Stunden muss man sich einfach aufwärmen. Dafür wurden erst eigene Holzgerüste im Hang gebaut, der Hubschrauber hievte dann darauf beheizbare alte Skigondeln. „Es ist aber darauf zu achten, dass die Arbeiter sich wegen der Corona-Maßnahmen nur abwechselnd aufwärmen dürfen“, schildert Gstrein. Die Sonne blinzelt zu dieser Jahreszeit „nur zwischen 11 Uhr und 14 Uhr auf unsere Baustelle“, sagt Gstrein. Und so manche Maschine kommt trotz des Alpin-Diesels, der eigentlich auch bei tiefen Temperaturen eingesetzt werden kann, ins Husten. „Die Geräte müssen regelmäßig gewartet werden“, so der Bauleiter.

Bis zum 5. Jänner waren die Arbeiter hauptsächlich beim Anbruch beschäftigt. Von dort waren Mitte Dezember die 200 Kubikmeter Gestein in die Tiefe gepoltert. In der ersten Phase wurde das lose Geröll händisch abgeräumt. „Bei der anschließenden Begutachtung musste aber festgestellt werden, dass dieser Block noch weitere Risse aufweist“, so Gstrein. Um den daruntergelegenen Steinschlagzaun und die Vernetzung des Hanges überhaupt reparieren zu können, musste der Block erst einmal richtig gesichert werden. Sechs Bohranker mit einer Länge von 14 Metern wurden gesetzt. Ab dem 7. Jänner war dann gefahrloses Arbeiten an der darunterliegenden Baustelle möglich. Und auch der Zaun und die Vernetzung mussten tief im Fels verankert werden.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Auch wenn Corona den Arbeitsablauf bislang etwas behindert – der Lockdown hatte für das Baustellenmanagement doch auch etwas Gutes: Der Druck zur Fertigstellung ist zwar vorhanden, aber nicht ganz so groß.


Kommentieren


Schlagworte