Kindl und Egger: Zwei Routiniers befinden sich im Eiskanal am Scheideweg

Beim Kunstbahnrodel-Weltcup in Igls sind Wolfgang Kindl und Reinhard Egger am Start, bei der WM am Königssee muss einer fix zuschauen.

Bei der Heim-WM in Igls 2017 wurde Wolfgang Kindl als Doppel-Weltmeister (Einzel und Sprint) noch von David Gleirscher (l.) und Jonas Müller auf den Schultern getragen. Aktuell läuft es beim Natterer nicht rund.
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Von Günter Almberger

Innsbruck –„Nichts ist so alt wie der Erfolg von gestern.“ Das bekannte Zitat von Musik-Legende Freddy Quinn lässt sich bestens im Sport anwenden. Wolfgang Kindl und Reinhard Egger können davon ein Lied singen. Die beiden Tiroler Kunstbahnrodel-Asse waren in der jüngeren Vergangenheit noch gefeierte WM-Helden. Kindl raste 2017 bei dem Heim-WM in Igls zu zwei Goldmedaillen, Egger vor zwei Jahren in Winterberg (GER) zu Silber im Einzel und im Team. Doch in der aktuellen WM-Saison kommen die beiden Routiniers nicht so richtig ins Rodeln. So kam es, dass sich die beiden am vergangenen Wochen­ende in Oberhof um das letzt­e WM-Ticket im ÖRV-Männer-Team duellierten – mit dem besseren Ende für Kindl. Egger bleibt bei den Titelkämpfen in der kommenden Woche am Königssee nur die Zuschauerrolle.

„Es war mir relativ klar. Wenn du in den meisten Rennen hinterherfährst, dann ist es leicht auszurechnen. Ich habe alles versucht, es hat leider nicht gereicht“, akzeptierte Egger die Entscheidung des ÖRV-Trainerteams gefasst. Nachdem der Langkampfner in der Sommervorbereitung vor allem mit körperlichen Problemen (eine Bandscheib­e hat sich zurückgebildet) zu kämpfen hatte, konnte der 31-Jährige in der laufenden Saison nicht mehr an seine einstigen Top-Leistungen anknüpfen. „Die Gesundheit ist ein Faktor. Zudem habe ich das Vertrauen in mein altes Material verloren, das neue hat bei mir nicht gefruchtet. Aber die Weltspitze erlaubt keinen Stillstand. Wenn du auf dem Fleck stehen bleibst, überholt dich die Konkurrenz links und rechts“, gibt der Polizei-Sportler offen zu.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Kindl. „Es hat eine Materialentwicklung stattgefunden. Ich habe für mich noch nicht das Richtige gefunden. Bei anderen funktioniert es, da fängt man an zu grübeln und herumzuprobieren“, erklärt der Natterer. Dass er als Ex-Weltmeister um das WM-Ticket kämpfen musste, war für ihn ein neues Gefühl: „In so einer Situation bin ich eigentlich noch nie gesteckt. Aber ich komme langsam auf Touren.“ Vielleicht gerad­e rechtzeitig vor dem zweiten Heim-Weltcup in dieser Saison am kommenden Wochenende in Igls. „Der Quali-Ballast ist weg. Möglicherweise kann ich jetzt befreit fahren“, hofft Kindl an alte Erfolge anschließen zu können – spätestens bei den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Peking. Von diesen träumt auch noch Egger, allerdings ist offen, wie es mit dem Unterländer nach dieser Saison weitergeht. Vorerst wechselt er bei der WM in das Betreuer­team des ÖRV.


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