Der Weltraum als Arbeitsplatz: Unendliche Weiten, alltägliche Sorgen

Nur die Aussicht ist spektakulärer als anderswo: Die Sitcom „Moonbase 8“ und die Animationsserie „Star Trek: Lower Decks“ zeigen den Weltraum als Arbeitsplatz.

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Nur gemeinsam Richtung Mond: Rook (Tim Heidecker), Skip (Fred Armisen) und Cap (John C. Reilly) in der Comedy „Moonbase 8“.
© Showtime/Sky

Innsbruck – Zum Mond dürfen normalerweise nur die Besten der Besten. Warum Cap (John C. Reilly), Rook (Tim Heidecker) und Skip (Fred Armisen) für die NASA-Mission ausgewählt wurden, bleibt einigermaßen unnachvollziehbar. Echte Weltraumkompetenz traut man keinem der drei zu. Trotzdem verbringen sie 200 Tage mitten im Nirgendwo der Wüste Arizonas, um sich dort unter Weltraumbedingungen auf die Reise zum Mond einzustimmen.

Wirklich pannenfrei läuft das in der Comedy-Serie „Moonbase 8“ (läuft aktuell bei Sky) natürlich nicht ab: Entweder das Wasserreservoir ist leer, jemand klaut heimlich den Campmüll oder der Vierte im Bunde, Football-Star Travis Kelce, der sich selbst spielt und den die NASA lediglich aus PR-Zwecken für die Mission auserwählt hat, geht spektakulär unspektakulär drauf.

Das Trio, das mit Regisseur Jonathan Krisel für Geschichte und Gags verantwortlich ist, hat der Serie einen subtilen Humor verpasst, der zugleich nie richtig schwerelos wirkt. Das hängt auch damit zusammen, dass die Sympathiewerte des Trio unterirdisch sind: Cap ist mehr Mitläufer denn Anführer, Rook nur ein vermeintlich Heiliger und Skip nicht annähernd so schillernd wie sein berühmter NASA-Vater.

Moonbase 8

Die erste Staffel ist über Sky abrufbar.

Was die ungleiche Truppe eint: Sie müssen unbedingt auf den Mond, zuhause erwartet sie das pure (Familien-)Chaos, Einsamkeit oder ein Riesenhaufen Schulden. Die Mission kann nur gemeinsam gelingen. „Moonbase 8“ entpuppt sich damit als mittellustige Arbeitsplatz-Sitcom, bei der sich der Arbeitsplatz eben etwas spektakulärer gestaltet als im klassischen „Office“. Die sechsteilige erste Staffel will unspektakulär hoch hinaus, von Netflix’ Satire-Rabatz „Space Force“ ist sie also Welten entfernt. (bunt)

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Star Trek: Lower Decks

Innsbruck – Das Bedeutsame passiert im Star-Trek-Universum auf der Brücke: Dort verhandeln Kapitäne via Videoschalte mit Vertretern fremder Welten, nehmen feindliche Flugobjekte ins Visier und lassen sich von Ersten Offizieren auf faszinierende Ungereimtheiten hinweisen. Gelegentlich schaltet sich vielleicht der Maschinenraum mit einem Update zum zumeist explosionsgefährdeten Warp-Kern zu. Oder die Krankenstation. Aber selbst dann bleiben die, die dort wirklich spritzen oder an irgendwelchen Schaltkreisen herumschrauben, im Hintergrund.

Star Trek: Lower Decks

Ab Freitag, 22.1., auf Amazon Prime Video.

Weil das seit gut 56 Jahren so ist, ist es erfrischend, dass sich die jüngste Serie des Franchises denen widmet, die nach dem großen Knall den Dreck wegräumen oder das Holodeck schrubben; und auf die schaut, die tief im Bauch des Raumschiffs von ganz alltäglichen Sorgen geplagt werden. Die Idee von „Star Trek: Lower Decks“ ist also gut. Die erste Staffel der von Mike McMahan („Rick and Morty“) entwickelten Animationsserie ist ab Freitag auf Amazon Prime abrufbar.

Weltraumhelden aus der letzten Reihe: die aufmüpfige Mariner und der Paragrafenreiter Boimler in „Star Trek: Lower Decks“.
© CBS all access/Amazon

Animiertes „Star Trek“ gab es schon in den 1970ern. Neu ist bei „Lower Decks“ aber nicht nur der Fokus auf Durchschnitts-Sternenflottler, auf den ambitionierten Niemand Boimler etwa oder die aufmüpfige Mariner, sondern das offensive Bemühen, komisch zu sein. Die Gagdichte ist hoch, bisweilen hysterisch hoch sogar. Nicht jede Pointe sticht. Aber gerade für Trekkies sind herrliche Insiderschmähs dabei. Trotzdem: Der Serie fehlt der Mut, ihrer Prämisse konsequent zu folgen. Immer wieder finden sich Vorwände, um die Nichthelden heroisch ihre Phaser ziehen zu lassen. Dabei geht einiges zu Bruch. Wer den Dreck dann wegräumt, wird aber nicht gezeigt. (jole)


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