Lückenschlüsse im Innsbrucker Radnetz sollen rasch erfolgen

Bei einer digitalen Präsentation des Innsbrucker Rad-Masterplans stellten die beteiligten Ämter die konkreten Bauvorhaben 2021 bis 2023 im Detail vor. Bei der Umsetzung von neuen Radbrücken und Unterführungen ist mit langen Vorlaufzeiten zu rechnen.

Viele Innsbrucker nützen das Fahrrad im Alltag – ganzjährig. Bis 2030 soll der Radverkehrsanteil auf 20 Prozent steigen.
© Domanig

Von Michael Domanig

Innsbruck – Auch wenn die ungewohnt winterlichen Straßenverhältnisse derzeit viele Radfahrer bremsen: Das Interesse am Thema Radverkehr ist in Innsbruck hoch. Das zeigte sich auch am Dienstagnachmittag: Knapp 140 Interessierte verfolgten eine detaillierte digitale Präsentation (und anschließende Diskussion) des „Masterplans Radverkehr 2030“, den der Gemeinderat im November 2020 abgesegnet hat. Wie berichtet, wurden im Investitionsplan für die nächsten drei Jahre 7 Mio. Euro zusätzlich für den Ausbau der Radinfrastruktur verankert.

Bis 2030 ist für die Umsetzung der über 100 Maßnahmen aus dem Masterplan ein Kostenrahmen von knapp 38 Mio. Euro vorgesehen – davon 36,4 Mio. Euro für den Infrastrukturausbau und 1,5 Mio. Euro für den Bereich Bewusstseinsbildung, etwa über Veranstaltungen und Informationskampagnen. Allerdings: Für die jeweiligen Projekte und Maßnahmen braucht es stets noch Beschlüsse der städtischen Gremien.

Zentrales Ziel des Masterplans ist es, den Radverkehrsanteil in Innsbruck bis 2030 auf 20 % zu steigern, also in etwa zu verdoppeln – und zwar ohne den restlichen „Umweltverbund“, also den Öffi- und Fußgängeranteil, zu schmälern. Vielmehr sollen die zusätzlichen (Alltags-)Radfahrer aus dem Pool der Pkw-Nutzer rekrutiert werden. Teresa Kallsperger und Christian Schoder von der städtischen Fuß- und Radkoordination hoffen daher, dass möglichst viele Maßnahmen aus diesem Strategieplan auch wirklich realisiert werden.

Das mit Abstand größte Interesse bei der Präsentation erweckten die konkreten Pläne für den Ausbau des Radnetzes. Insgesamt 23 Lücken im hochrangigen und 37 im lokalen Radwegnetz listet der Masterplan auf, dazu kommen noch die ausstehenden Anbindungen an die Umlandgemeinden. Bei der Ausarbeitung stellten die städtischen Experten ein „Wunschradnetz“ (in das auch Vorschläge der Bevölkerung aus einem großen Workshop vor einem Jahr einflossen) dem Bestandsnetz gegenüber.

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Direktere Radverbindungen als Ziel

Welche Lückenschlüsse als erstes erfolgen sollen, erklärten Christian Müller (Referatsleitung Tiefbau-Planung) und Karl-Heinz Reckziegel (Referatsleitung Brücken- und Wasserbau) bei der Präsentation der Bauvorhaben 2021 bis 2023. Hier nur einige Beispiele:

- Bereits umgesetzt und kürzlich für den Verkehr freigegeben wurde eine gemischte Geh- und Radwegverbindung zwischen Karl-Innerebner-Straße (Allerheiligen) und Lohbachufer, laut Müller eine „deutlich sicherere Alternative“ zur Karl-Innerebner-Straße selbst.

- Im Bereich Marktplatz/Innrain ist für heuer eine neue Radquerung geplant, als Alternative zur bestehenden Querung beim Restaurant Cammerlander. Apropos: Dort soll der Gastgarten künftig wieder vom Inn näher Richtung Gebäude rücken, um Konflikte mit den Radfahrern – die derzeit quasi mitten durch den Gastgarten radeln – zu entschärfen.

- Zwischen Schloss Ambras und Aldrans soll 2021/22 die geplante Fuß- und Radwegachse parallel zur Landesstraße umgesetzt werden (und somit eine Verbindung zur „Vitalregion“ geschaffen werden), laut Müller schaut es hier „sehr gut aus“. Etwaige Radwege durch den Wald seien in diesem Bereich hingegen nur für den Freizeit-, nicht aber für den Alltagsradverkehr vorstellbar.

Im Bereich Marktplatz/Innrain soll heuer eine zusätzliche „Radfahrerfurt“ geschaffen werden, als Alternative zur bestehenden beim „Cammerlander“ (Bild).
© Thomas Boehm / TT

- Ebenfalls ab heuer soll ein Radweg ab Wilten parallel zur Brennerstraße angegangen werden (Anbindung Natters). In Wilten soll dabei auch die Unterführung im Bereich Pater-Reinisch-Weg adaptiert und attraktiviert werden.

- Für 2022 ist u. a. ein Lückenschluss im Bereich Großer-Gott-Weg/Speckweg in Hötting geplant, um so eine Verbindung über die Sternwartestraße und weiter Richtung Mariahilf herzustellen. Hier sind aber erst noch Gespräche mit den Grundeigentümern erforderlich.

- Ebenfalls bis 2022 soll eine neue Rad- und Fußweganbindung bis zur Kreuzung Igler Straße/Tummelplatzweg am Fuße des Paschbergs stehen. Was einen möglichen weiterführenden Radweg Richtung Vill und Igls angeht, laufen laut den städtischen Fachleuten Abstimmungen mit dem Land.

Komplexe Pläne für Unterführungen und Brücken

Deutlich längere Vorlaufzeiten gibt es laut Karl-Heinz Reckziegel bei Unterführungen, Brücken oder auch Radachsen, bei denen das Thema Hochwasserschutz mitspielt.

- So ist etwa unweit des Höttinger Bahnhofs eine Unterführung der Bahntrasse geplant, als Lückenschluss für eine bessere Rad-Anbindung an die Ampfererstraße und dann weiter Richtung Innenstadt. Der Durchstich soll hinter dem dortigen Hofer-Markt erfolgen, laut Reckziegel gab es schon erste Abstimmungen mit den ÖBB. Der Bau soll 2023 erfolgen, die geschätzten Realisierungskosten liegen bei ca. 1,5 Mio. Euro.

- Weiter nördlich ist ebenfalls eine Unterführung geplant. In Zukunft soll der Bahnhof Hötting gemäß Plänen der ÖBB ja weiter nach Norden rücken – die Stadt möchte diese Gelegenheit eben für den Bau einer zusätzlichen Unterführung nützen. Der Zeitplan ist laut Reckziegel noch offen und hänge von den ÖBB ab.

- Was den geplanten Radschnellweg-Ausbau zwischen Mühlauer Brücke und Mühlauer Bahnbrücke südlich des Inns angeht – dort klafft derzeit eine große Lücke – seien erste Gespräche mit den Barmherzigen Schwestern als Grundbesitzerinnen „sehr vielversprechend“, erklärt Reckziegel. Es gehe um einen ca. 800 m langen Abschnitt. Die Planung soll hier 2023 starten, eine Umsetzung eventuell 2024.

- Spektakulär sind die Vorschläge für gleich vier innquerende (Rad- und Fuß-)Brücken: im Westen nahe der Völser Cyta; in der Verlängerung der Schöpfstraße unweit von Uni und Klinik; auf Höhe Kirschentalgasse/Marktplatz; und oberhalb der Sillmündung. Eine fachliche Priorisierung soll laut Reckziegel in den nächsten Monaten erfolgen.

- In weiter Ferne liegt hingegen eine mögliche Brücke von der Heiliggeiststraße über Hauptbahnhof, Frachtenbahnhof und Sill bis Pradl (Anzengruberstraße). Solange die Rahmenbedingungen im Bereich Frachtenbahnhof durch die ÖBB noch nicht klar festgelegt seien (Stichwort: Brenner-Basistunnel), habe eine nähere Planung noch keinen Sinn, stellt Reckziegel klar.

Hauptbahnhof als „Sorgenkind“

Bei den Diskussionen in den digitalen „Seminarräumen“ wurde deutlich, dass bei den radinteressierten Innsbrucker/-innen einige weitere Vorschläge und Forderungen ganz oben auf der Liste stehen – etwa eine bessere Anbindung des Hauptbahnhofs, Radwegverbindungen und Lückenschlüsse am Südring oder bessere Bedingungen für Radfahrer im Gewerbegebiet Roßau.

Neue Karte mit Radrouten geplant

Zuvor hatten die städtischen Radkoordinatoren noch eine Reihe von anderen geplanten Maßnahmen genannt: So soll geprüft werden, wo im Stadtgebiet weitere Einbahnen für Radfahrer geöffnet werden können. Der Radverkehr soll bei Ampelanlagen besser berücksichtigt werden. Eine einheitliche Beschilderung der Hauptradrouten im Stadtgebiet ist ebenso geplant wie eine neue Karte mit allen städtischen Radrouten, die bis Ende dieses Jahres analog und digital veröffentlicht werden soll. Bis 2030 sollen zudem jährlich rund 600 neue Abstellmöglichkeiten für Räder geschaffen werden – und „Fahrradleichen“ öfter entfernt werden. Auch ein Ausbau des Stadtrads (Leihradsystem) ist geplant, mit neuen Standorten im O-Dorf oder an der Haller Straße.


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