Unfallzahlen am Berg 2020: Mehr Verletzte, weniger Tote in Tirol

Im Vorjahr sind in den Tiroler Bergen 88 Menschen ums Leben gekommen – deutlich weniger als im langjährigen Schnitt. Österreichweit gestiegen ist die Zahl der Verletzten.

Trotz Corona und Lockdown hatten die Einsatzkräfte auch im Jahr 2020 alle Hände voll zu tun.
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Innsbruck –Die Corona-Pandemie hat – wie könnte es anders sein – auch der alpinen Unfallstatistik ihren Stempel aufgedrückt. So haben sich laut dem Österreichischen Kuratorium für Alpine Sicherheit (ÖKAS) die Ausgangssperren des ersten Lockdowns im Frühling 2020 wesentlich auf die Unfallzahlen in den Disziplinen Piste/Skiroute und Skitour ausgewirkt. Von Mitte März bis Ende April wurden beispielsweise österreichweit gerade einmal acht Pisten- bzw. Skitourenunfälle regis­triert – im Jahr zuvor waren es im Vergleichszeitraum rund 460 Unfälle.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 261 Menschen in den Bergen ums Leben, ein Drittel davon – nämlich 88 – entfällt auf das Bundesland Tirol. Diese Zahlen bedeuten sowohl in Österreich als auch in Tirol einen deutlichen Rückgang der Unfälle mit tödlichem Ausgang: 2019 kamen in Tirol 102 Menschen ums Leben, bundesweit waren es 304. Auch im langjährigen Vergleich stellt sich 2020 als statistischer Ausreißer dar: Das Zehnjahresmittel liegt bei 290 Toten pro Jahr, in Tirol bei 105.

„Es geht nichts über die regelmäßige Praxis am Berg, am besten von Kindesbeinen an.“ – Peter Paal (ÖKAS-Präsident)
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Zumeist ist laut Kuratorium für Alpine Sicherheit die Anzahl der Alpintoten im Juli, August und September am höchsten, so auch im Jahr 2020. In unfallreichen Wintern kann es aber auch zu einer Verschiebung in die Monate Februar bzw. März kommen, so auch im Jahr 2020 mit 32 Alpintoten im Februar. Der unfallträchtige Jahresstart habe sich, mit Unterbrechung durch den ersten Lockdown, dann bis in die Sommermonate fortgesetzt. Mitursächlich seien Anfang des Jahres mangelnder Schnee an den Pistenrändern und überfüllte Pistenbereiche sowie im Sommer der durch die Corona-Pandemie verstärkte Bergsport-Hype gewesen.

Während die Anzahl der tödlichen Unfälle zurückging, ist 2020 die Zahl der Verletzten im Gebirge gestiegen: Hier weist die Alpinunfalldatenbank 7466 Verletzte in Österreich aus – und damit um etwa 500 mehr als 2019. Das Zehnjahresmittel liegt bei 7525 Verletzten. Insgesamt verunfallten im vergangenen Jahr 11.290 Personen, im Zeitraum der Ausgangssperren im März und April 2020 waren es um etwa 1200 Personen weniger als im langjährigen Mittel. In Tirol ereigneten sich 3304 Alpinunfälle, bei denen 4835 Menschen verunfallten und 3304 verletzt wurden.

Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit betont angesichts der Zahlen einmal mehr die große Bedeutung von Aufklärungs- und Präventionsarbeit zur Ausübung des Bergsports. Und diese beginnt bereits im Kindesalter, erinnert ÖKAS-Präsident Peter Paal: „Es geht nichts über die regelmäßige Praxis am Berg, am besten von Kindesbeinen an. Eine fundierte Ausbildung bei einem alpinen Verein sollte dies ergänzen. Bergsteigen kann man nur durch das Tun erlernen.“ Das sollte allerdings nicht nur bei Gästen aus dem Ausland stattfinden, sondern vor allem auch bei heimischen Bergsportlern. Kurse, Aus- und Fortbildungen bei alpinen Vereinen und Verbänden würden hier vielzählige Möglichkeiten bieten und könnten ein zielführender Ansatz sein. (TT, np)


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