Die Folgen der Pandemie: Jugendliche als Risikogruppe

Jugendsprecherinnen Claudia Plakolm (ÖVP) und Barbara Neßler (Grüne) weisen auf soziale und psychische Probleme von jungen Menschen hin.

Monatelang zuhause bleiben zu müssen, kann mühsam sein. Für Jugendliche, denen das Probleme bereitet, gibt es Hilfsangebote.
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Von Serdar Sahin

Wien – Klassenfahrt? Abgesagt! Maturaball? Abgesagt! Geburtstagsfeier? Abgesagt! Die Corona-Pandemie und die -Maßnahmen greifen massiv in das Leben der Jugendlichen ein. Expertinnen berichten von psychischer Belastung und depressiven Symptomen bei Adoleszenten – die TT berichtete.

„Die sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen fehlen“, konstatiert ÖVP-Jugendsprecherin Claudia Plakolm. Geht es nach ihr, sind die Schulen einer der ersten Orte, die nach dem Lockdown wieder öffnen. „Mit einem sinnvollen Gesundheitskonzept kann man das gut umsetzen“, sagt sie mit Verweis auf Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), der hier „einiges vorgelegt hat“. Über das Thema Risikogruppen werde viel gesprochen, dabei werde aber „weniger über die sozialen und psychischen Folgen von Corona“ geredet, befindet Plakolm. „Da sind Jugendlich­e die Risikogruppe Nummer 1.“ Gut und wichtig sei, dass es einen niederschwelligen Zugang zu Hilf­e – wie etwa „Rat auf Draht“ (Nummer: 147) – gebe. „Jeder, der Hilfe braucht, soll das in Anspruch nehmen.“

Die türkise Jugendsprecherin glaubt, „dass sich viel­e Jugendliche ihrer Verantwortung bewusst sind – und sich an die Corona-Maßnahmen großteils auch halten“. Zudem gebe es viele junge Menschen, die mitwirken, die Pandemie zu bekämpfen. „Es würde vieles in diesem Land nicht funktionieren, wenn es keine Jugendlichen gäbe, die sich zum außerordentlichen Zivildienst melden, die beim Bundesheer, bei den Testungen sowie in den Alten- und Pflegeheimen mithelfen. Da sieht man den Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft.“

Grünen-Jugendsprecherin Barbara Neßler liefert Daten zur Situation der jungen Menschen: „Wir dürfen nicht nur die wirtschaftlichen Folgen der Covid-Krise sehen, sondern müssen auch die psychosozialen Folgen bei jungen Menschen angehen. Die Krise hat massive Unsicherheiten ausgelöst und psychische Erkrankungen verstärkt.“

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Das würden auch Zahlen von „Rat auf Draht“ zeigen, erklärt die Tiroler Nationalratsmandatarin. So seien die Beratungsleistungen 2020 im Vergleich zum Vorjahr massiv gestiegen – am Telefon um 29 Prozent, online um 21 Prozent, im Chat gar um 73 Prozent. Neßler berichtet davon, dass sich die Themenlage deutlich verschoben habe. „Klassische Teenager-Themen wie Liebeskummer, Sexualität oder Ähnliches sind zurückgegangen, während ein massiver Anstieg im Zusammenhang mit der psychischen und physischen Gesundheit verzeichnet wurde.“ Beschwerden über Angstzustände, Schlafstörungen und psychische Erkrankungen haben deutlich zugenommen, sagt Neßler mit Blick auf die „Rat auf Draht“-Daten.

„Wir müssen jetzt schon in die Zeit nach Corona blicken. Wenn wir jetzt nicht in Maßnahmen für die Jungen investieren, wird der Schaden später immens sein.“ Gut findet sie, dass die Österreichische Gesundheitskasse 20.000 zusätzliche Betreuungsplätze für Psychotherapie schaffen möchte. Weiters verweist sie auf bestehende Maßnahmen wie den Familienhärtefallfonds sowie Pakete gegen die Jugendarbeitslosigkeit.

Zudem gebe es im Beratungsstab des Gesundheitsministeriums Expertinnen und Experten mit Fokus auf Kinder- und Jugendgesundheit.


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