Trotz massiver Verluste: Tiroler Seilbahnen bleiben offen

Die Umsätze der Tiroler Seilbahnen dürften diesen Winter um bis zu 700 Mio. Euro sinken. Seilbahner wollen „Angebot so groß wie möglich“ halten.

Die Seilbahnen in Österreich wollen großteils offenhalten.
© Michael Kristen

Von Stefan Eckerieder

Wien, Innsbruck – Im Lockdown sind die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung stark eingeschränkt. Kultureinrichtungen, Gastronomie, Freizeitwirtschaft und Sportstätten sind seit Herbst geschlossen. Die einzige Ausnahme bildet seit Weihnachten die österreichische Seilbahnwirtschaft. Die Skigebiete sind großteils geöffnet und laut Seilbahnobmann Franz Hörl wird das auch so bleiben, obwohl die Verluste enorm sind.

„Wir haben uns mit den Seilbahnern beraten. Grosso modo ist der Wille ungebrochen, das Angebot so groß wie möglich zu belassen und offenzuhalten“, betonte Hörl. „Kleine Einschränkungen“ schließt der Obmann der Seilbahnwirtschaft in der Österreichischen Wirtschaftskammer (WKÖ) jedoch nicht aus. So könnten einige Skigebiete nur noch drei- bis vier Tage in der Woche geöffnet haben. In den Semesterferien soll jedoch überall der Vollbetrieb aufgenommen werden.

Die nunmehr behördlich verfügte Zwei-Meter-Abstandsregel gilt fortan auch für die Seilbahnwirtschaft. Zugleich wurden aber Ausnahmeregelungen für den öffentlichen Verkehr auf die Branche ausgeweitet. Gondeln dürfen dennoch höchstens bis zur Hälfte gefüllt sein.

Wirtschaftlich sei der Ausblick auf die gesamte Saison gesehen „eine Katastrophe“, betont Hörl. Laut einer Studie des Marktforschers manova werden die österreichischen Seilbahnen bis Ende Jänner knapp 20 Millionen Erst­eintritte weniger verzeichnen als in der Wintersaison 2019/2020. Nach dem Lockdown-bedingten Totalausfall zum Saisonbeginn kamen ab Weihnachten im Schnitt um rund 75 Prozent weniger Gäste in die Skigebiete.

Das Fehlen der Touristen wirkt sich besonders negativ auf die Einnahmen der Betriebe aus. Die Bruttoumsätze sanken von Weihnachten bis Ende Jänner um mehr als 90 Prozent. Das liege daran, dass unter den Einheimischen deutlich mehr Saisonkartenbesitzer sind (bis zu 75 Prozent). Touristen greifen meist zu den insgesamt teureren Tages- oder Mehrtagestickets.

Da rund 50 Prozent der Umsätze der österreichischen Seilbahnen in Tirol erwirtschaftet werden, ist das Bundesland am schwersten von den Einbußen betroffen. Je nachdem, ob Reisebeschränkungen und der Lockdown in der Gastronomie und Hotellerie mit Anfang März gelockert werden oder nicht, errechnet die Studie Umsatzrückgänge zwischen 77 Prozent und 94 Prozent für die Wintersaison. Der erwartete Netto-Umsatzverlust der Branche von 1,3 Mrd. Euro dürfte die Tiroler Seilbahner mit rund 700 Mio. Euro treffen. Für die gesamte österreichische Tourismuswirtschaft errechnet manova bis zum Ende der Wintersaison Umsatzausfälle von rund 9,5 Mrd. Euro. Auch hier wird rund die Hälfte auf Tirol entfallen.

Die Seilbahnbetreiber erhalten wie andere Unternehmen auch Unterstützung von der Regierung. „Es war dringend notwendig, dass diese Wirtschaftshilfen geflossen sind – durch das Förderprogramm der Regierung wird die Situation einigermaßen gelindert“, sagt Tiroler Wirtschaftsbundobmann und ÖVP-Nationalratsabgeordneter. Die Deckelungen beim Fixkostenzuschuss von 800.000 Euro und 3 Mio. Euro beim Verlustersatz würden jedoch vor allem bei den größeren Skigebieten große finanzielle Lücken hinterlassen. „Manche greifen auf Rücklagen zu, andere helfen sich mit Zwischenfinanzierungen, manche werden sich überlegen, ob es überhaupt noch weitergehen kann.“

Umsätze mehr als 90 Prozent eingebrochen

Der Saisonbeginn im November bis zur Öffnung zu Weihnachten war ein Totalausfall. Laut einer Studie des Marktforschers manova schlagen sich die Umsatzverluste der Seilbahnbranche hier mit 126 Mio. Euro zu Buche. In Tirol betragen sie 61 Mio. Euro..

Weihnachten bis 6. Jänner verbuchten die Skigebiete österreichweit um 73 Prozent weniger Ersteintritte und in Tirol ein Minus von 76 Prozent. Der Umsatzverlust beläuft sich insgesamt auf 281 Mio. Euro, davon 146 Mio. Euro in Tirol.

Nebensaison. Im Jänner sinken die Ersteintritte auf 20 Prozent zum Vorjahr. Die Bruttoumsätze sinken österreichweit um 416 Mio. Euro und bei den Tiroler Seilbahnen um 204 Mio. Euro.

In der Hauptsaison im Februar bleiben Tourismusbetriebe und Gastronomie geschlossen. In der österreichischen Seilbahnwirtschaft werden Umsatzverluste von 531 Mio. Euro erwartet. Auf Tirol entfällt ein Minus von 264 Mio. Euro.

Ab März könnten Umsätze, wenn der Tourismus wie geplant anläuft, im Vergleich zu einer normalen Saison „nur“ um ein gutes Viertel einbrechen. Bleibt der Lockdown aufrecht, erwartet manova auch hier Umsatzeinbrüche von mehr als 90 Prozent.


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